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Vorsitzende der Rheumaliga Freising:"Man muss besser auf seinen Körper hören"

Manuela Wegler will als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Rheuma-Liga möglicht vielen Betroffenen helfen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Manuela Wegler ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freising/Neufahrn der Deutschen Rheuma-Liga. Sie kennt die vielen Gesichter der Krankheit und hilft Betroffenen, damit zurecht zu kommen.

Es ist ohne Frage schwer, sich nach diesem Sommer wieder auf den Winter vorzubereiten. Doch es ist nun einmal so: Die kalte Jahreszeit rückt näher und mit den sinkenden Temperaturen nehmen für viele an Rheuma Erkrankte auch die Gelenkschmerzen zu. Zeit also für ein Gespräch mit Manuela Wegler, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Freising/Neufahrn der Deutschen Rheuma-Liga, über die 100 Gesichter der Krankheit und was man gegen sie tun kann.

SZ: Die Arbeitsgemeinschaft Freising/Neufahrn der Deutschen Rheuma-Liga feiert ja am 12. Oktober ihr 25-jähriges Bestehen.

Manuela Wegler: Genau, am Welt-Rheuma-Tag.

Wie hat sich denn die AG gegründet?

Die AG wurde am 17. Februar 1994 in Neufahrn gegründet. In Freising gab es schon 1989 erste Aktivitäten, allerdings noch nicht wirklich organisiert, bis dann die Arbeitsgemeinschaft mit Monika Kramer als erster Vorsitzender und Johanna Leiß als Schriftführerin gegründet wurde. Zu unserem Jubiläum werden diese beiden Damen auch geehrt, die anderen beiden Gründungsmitglieder - Schatzmeister Horst Günter Borock und stellvertretende Vorsitzende Irmgard Kraft - sind leider schon verstorben.

Was sind die Tätigkeitsfelder der AG?

Grundsätzlich verstehen wir uns als eine Hilfs- und Selbsthilfegemeindschaft für rheumakranke Menschen. Früher hat man gesagt, Rheuma sei eine Krankheit mit 400 Gesichtern, inzwischen hat man sich aber auf 100 geeinigt. Unter den Überbegriff Rheuma fallen etwa Kollagenosen, rheumatoide Arthritis, Gicht und so weiter. Damit man Rheumakranken hilft, aus ihrer Isolation herauszukommen, haben wir unser Motto, die drei B's, aufgestellt: Begegnung, Beratung und Bewegung. Begegnung gibt es zum Beispiel bei unseren Gruppentreffen, die einmal pro Monat in Neufahrn und einmal pro Monat in Freising stattfinden. Die Beratung, die wir etwa zu sozialrechtlichen Aspekten bieten, läuft allerdings meist übers Telefon. Und mit Bewegung meinen wir das ärztlich verordnete Funktionstraining, also Warmwassergymnastik und Trockengymnastik.

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Manuela Wegler engagiert sich für rheumakranke Menschen.

All das organisiert ihr Verein rein ehrenamtlich?

Genau, in unserem Vorstand sind alle berufstätig.

Wird das nicht manchmal zu viel Arbeit?

Es ist schon viel Arbeit. Gerade kommt noch immer mehr Datenschutz dazu, immer mehr Verwaltungsaufwand. Es geht auf jeden Fall viel Freizeit drauf, deswegen muss es einem auch Spaß machen.

Als was genau würden Sie Rheuma denn beschreiben?

Rheuma ist ein Überbegriff für Autoimmunsystem-Erkrankungen, die an Bewegungsorganen auftreten und fast immer mit Schmerzen und häufig auch mit Bewegungseinschränkungen verbunden sind. Wir von der Rheuma-Liga sind aber nicht für die Diagnose zuständig. Wir haben zwar eine bayernweite Liste von Rheumatologen, den Arzt müssen sich die Betroffenen trotzdem selbst raussuchen. Da besteht leider das Problem, dass es viel zu wenig Rheumatologen im Landkreis Freising gibt, mir ist nur ein einziger am Flughafen bekannt. Die nächsten sind dann in Erding oder München. Da wäre es wirklich sehr sinnvoll, wenn wir - wie es etwa in München der Fall ist - eine Rheuma-Ambulanz im Krankenhaus hätten.

Wie sehen denn die Symptome von Rheuma aus?

Grob gesagt muss man zwischen der Arthritis, also der Entzündung, und der Arthrose, also dem Verschleiß unterscheiden. Wichtig ist es, rechtzeitig vorzubeugen. Das geht zum Beispiel durch viel Bewegung wie Nordic Walking, Funktionstraining oder Skilanglauf sowie durch gesunde Ernährung, das heißt wenig rotes Fleisch, dafür viel Obst, Gemüse und Fisch.

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Kann Rheuma jeden treffen?

Ja, Rheuma kann sogar schon im Kindesalter anfangen. Die kleine Tochter von Jörg Pilawa, einem der Botschafter der Deutschen Rheuma-Liga, ist zum Beispiel betroffen. Wir haben für rheumakranke Kinder unter anderem ein nettes Büchlein: "Malus fantastische Hüte für verflixt blöde Rheuma-Tage". Aber auch älteren Menschen kann es von einem Tag auf den anderen passieren, dass sie plötzlich erkranken.

Wichtig ist: Jeder Fall ist anders. Deswegen sind wir bemüht, aus den Menschen, die zu unseren Gruppentreffen kommen, mündige Patienten zu machen. Wenn man zum Arzt geht, darf man sich nicht leise in die Ecke setzen, sondern man muss genau erklären, was Sache ist, wann es wo wehtut und für wie lange. Nur so kann einem dann auch dabei geholfen werden, das eigene Leben lebenswerter zu machen.

Man kann zwar den daraus entstehenden Schmerz behandeln, Rheuma an sich ist aber nicht heilbar. Ist das nicht wahnsinnig frustrierend?

Genau dafür haben wir ja unsere diversen Hilfsmittel für Betroffene oder unsere Treffen, mit denen wir rheumakranken Menschen helfen wollen, aus ihrer Isolation herauszukommen. Außerdem bieten wir Ausflüge an, bis zu drei Klinikfahrten pro Jahr werden uns von den gesetzlichen Krankenkassen und ihren Verbänden in Bayern ermöglicht. Wir waren schon in Bad Reichenhall, in Murnau mit Schifffahrt am Staffelsee, außerdem in Bad Aibling, in Bad Kötzting und Bad Gögging. Unsere Nikolausfahrt geht nach Bad Birnbach in die Thermalwasser-Therme und danach auf den Weihnachtsmarkt. Wir tun also viel, um Erkrankte aus ihrer Isolation zu holen und von ihrer Frustration zu befreien.

Machen sich gesunde Menschen zu wenig Gedanken darüber, dass auch sie einmal an Rheuma erkranken könnten?

Was mich total aufregt, sind Leute, die sich immer nur das größte Schnitzel bestellen, dazu noch viel zu viele Pommes. Da geht es auch gar nicht mehr um den Geschmack oder die Sinneswahrnehmung. Mein Motto ist da: "Lieber klein aber fein!" Man muss besser auf seinen Körper hören. Wobei ich mir auch denke, dass diese Leute selbst wissen müssen, wie sie mit ihrem Körper am besten umgehen.