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Reden wir über:Vollzeit-Job Bürgermeister

Foto: Marco Einfeldt

Selbständiger Otmar Dallinger vertritt Josef Riemensberger

Erstmals hat Zweiter Bürgermeister Otmar Dallinger nun eine längere Zeit Bürgermeister Josef Riemensberger im Rathaus ersetzt, da der im Urlaub war. Im Gegensatz zu seinem langjährigen Vorgänger Hans Hanrieder, der als Lehrer in den Schulferien immer reibungsfrei verfügbar war, ist Dallinger als Kaminkehrermeister selbständig und musste somit Rathaus- und Betriebsführung unter einen Hut bringen. Klaus Bachhuber unterhielt sich mit ihm über die Situation im kommunalen Ehrenamt für einen Selbständigen.

SZ: Sie haben jetzt drei Wochen als Zweiter Bürgermeister den Bürgermeister im Rathaus vertreten. Wer hat denn in der Zeit Echings Kamine gekehrt?

Dallinger: Ich habe gerade einen neuen Mitarbeiter eingestellt, das war mein Glück. Seit Juli hatte ich keinen festen Mitarbeiter und einen Zwei-Mann-Betrieb nur mit Aushilfen zu führen, ist nicht einfach. Auch mein Neufahrner Kollege macht Urlaubsvertretung oder wenn ich mal ausfalle, das war aber nicht nötig. Zwischendurch hab ich Tätigkeiten auch durchaus erledigen können.

Aber ernsthaft: wie lässt sich als Selbständiger so ein kommunales Ehrenamt organisieren? Mal zum Geburtstag gratulieren oder ein Grußwort halten ist was anderes als drei Wochen ein Rathaus führen.

Ich musste die Büroarbeiten, die ich sonst auch bei meiner Arbeit tagsüber erledige, halt nachts machen. Da kamen täglich durchschnittlich schon 16 Stunden zusammen. Ich wurde mit den Listen für meinen Mitarbeiter meist so gegen 1 Uhr nachts fertig und morgens um 6.30 Uhr fängt der Tag er ja schon wieder an. Aber es war mein Glück, dass ich den genau zu der Zeit einstellen konnte, sonst hätte ich in der Zeit nicht mal Umsätze schreiben können. Der Dritte Bürgermeister Thomas Kellerbauer übernahm verstärkt die Aufgaben der Ehrungen und Gratulationen der Jubilare.

Was gibt es da konkret an Entschädigungen oder Unterstützungen für einen Selbständigen für so eine Zeit?

Nichts. Ich erhalte meine monatliche Aufwandsentschädigung als Zweiter Bürgermeister, aber das ist wirklich nur eine Aufwandsentschädigung. Meine Unkosten oder Mehraufwand im Betrieb ist meine Sache.

Nachdem Sie das ja noch öfter machen müssen: Ist denn für einen Selbständigen dieses Ehrenamt überhaupt leistbar oder ist man da gegenüber Angestellten hoffnungslos im Nachteil?

Es erfordert eine straffe Organisation und die Bereitschaft zur Flexibilität, um auch andere Prioritäten setzen zu können, was das Tagesgeschäft betrifft und die Entscheidungen, die dann zu beraten und zu treffen sind. Das ist schon happig gewesen, aber auf der anderen Seite ist die Aufgabe im Rathaus ja auch sehr interessant. Die Verwaltung hat mir auch sehr kollegial zugearbeitet. Auf Dauer täte es aber jedenfalls nicht gehen.

Und wie war das "Reinschmecken" ins Rathaus?

Wenn man motiviert ist, ist das schon sehr interessant. Irrsinnig interessant, wahnsinnig vielfältig. Man kriegt schon viel mehr mit. Auch die Leitung von Sitzungen: Auf der anderen Seite zu sitzen, ist eine ganz andere Hausnummer. Wenn man das nicht gemacht hat, kann man sich das gar nicht vorstellen.

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