Reden wir über Psychische Erkrankungen

Kristina Kluge-Raschke ist Fachdienstleiterin im sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas Freising.

(Foto: oh)

Caritas eröffnet neue Tagesstätte in Moosburg

Interview von Gudrun Regelein, Moosburg

Seit Mitte Oktober gibt es die neue Tagesstätte für psychische Gesundheit der Caritas in Moosburg. In der Einrichtung, die vom Bezirk Oberbayern finanziert wird, verbringen Menschen mit psychischen Erkrankungen den Tag mit Kochen, Essen, gemeinsamen Aktivitäten, gemütlichem Beisammensein und Ausflügen, berichtet Kristina Kluge-Raschke , Fachdienstleiterin Sozialpsychiatrischer Dienst der Caritas Freising, im Gespräch mit der SZ Freising.

SZ: Frau Kluge-Raschke, in Freising gibt es bereits seit 1997 die Tagesstätte "Courage" - weshalb nun noch eine Außenstelle in Moosburg?

Kristina Kluge-Raschke: Wir haben festgestellt, dass für die Menschen aus Moosburg und der Umgebung der Weg nach Freising eine große Hürde darstellt und wollten ein wohnortnahes Angebot schaffen. Abgesehen davon ist Moosburg eine Stadt, die viel bietet, unter anderem auch die Möglichkeit, gemeinsame Freizeitaktivitäten zu unternehmen.

Wie viele Besucher haben Sie mittlerweile?

Es sind insgesamt etwa zehn Menschen mit einer psychischen Erkrankung, die kommen. Wir haben an drei Tagen geöffnet - pro Tag sind es bis zu sechs Besucher. Das dürfen aber gerne noch mehr werden.

Mit welchen Anliegen kommen die Menschen?

Zum einen wollen sie ihre Zeit sinnvoll und gemeinsam mit anderen Menschen verbringen - und nicht isoliert zu Hause sitzen. Die Tagesstätte ist für unsere Besucher, die an mehr oder weniger chronisch ausgeprägten psychischen Erkrankungen leiden, ein wichtiger Baustein in ihrer Tagesgestaltung: Sie ermöglicht einen strukturierten Alltag. Zum anderen würden sich viele nicht alleine in die Öffentlichkeit trauen - gemeinsam sind Aktivitäten möglich. Gleichzeitig aber bietet sie einen geschützten Raum mit Ansprechpartnern für ihre Sorgen, Nöte, Anliegen und Wünsche.

Laut einem Bericht des Bezirks Oberbayern durchlebt fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine seelische Krise, die ärztlich behandelt werden muss - woran liegt das?

Ich denke, dass psychische Erkrankungen heutzutage glücklicherweise häufiger erkannt und diagnostiziert werden als früher. Inzwischen ist aber auch die Akzeptanz in unserer Gesellschaft eine andere, die Betroffenen trauen sich eher, über ihre psychischen Probleme zu sprechen. Wir leben im Gegensatz zu früher in einer hochkomplexen Welt und sind vielen Belastungen, einem oft sehr hohen Druck ausgesetzt. Das kann dazu führen, dass Menschen psychisch erkranken.

Und in der Tagesstätte wird ihnen Hilfe zur Selbsthilfe geboten?

Ja, die Betroffenen verlieren zunehmend ihre Selbständigkeit. Wenn sie alleine in ihrer Wohnung sitzen und sich ihre Gedanken permanent im Kreise drehen, dann kann sich die Situation schnell zuspitzen. Es ist wichtig, dass sie sich Hilfe suchen. Vieles kann dann schon im Entstehen abgemildert werden. Es wurde übrigens nachgewiesen, das durch Tagesstätten die Klinikaufenthalte reduziert wurden.

Wer die Moosburger Tagesstätte für psychische Gesundheit kennenlernen will, kann unter der Telefonnummer 0 87 61/7 23 54 40 einen Termin ausmachen. Der Besuch der Tagesstätte ist kostenfrei.