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Prominenz im Festzelt:Engagierter Bürger in Not

Politischer Gillamoos - CSU

Der Auftritt von Guttenberg bei der Herbstschau ist umstritten.

(Foto: dpa)

Moosburgs Bürgermeisterin Meinelt verteidigt den Wahlkampfauftritt von Karl-Theodor zu Guttenberg auf der Herbstschau - und keiner lacht

Von Alexander Kappen, Moosburg

Ob sie ihn mit dem bayerischen Defiliermarsch ins Zelt spielen oder doch lieber mit dem AC/DC-Song "T.N.T." wie zuletzt am Gillamoos in Abensberg, ist nicht bekannt. Wobei Letzteres wahrscheinlich besser passen würde, wenn Karl-Theodor zu Guttenberg am kommenden Montag auf der Moosburger Herbstschau auftritt. Genügend Zündstoff bietet der Besuch des früheren Bundeswirtschafts- und Verteidigungsministers auf jeden Fall. Auch wenn er derzeit nur als selbsternannter "engagierter Bürger" - nicht zu verwechseln mit "besorgter Bürger" - durch die bayerische Provinz tingelt, so ist sein Auftritt in Moosburg vor allem eines: Eine Wahlkampfveranstaltung für die CSU. Und das mitten im laufenden Betrieb eines von der Stadt organisierten Volksfestes.

Dieser pikante Umstand hat in der Stadtratssitzung am Montag erneut die politische Konkurrenz auf den Plan gerufen. "Eine politische Veranstaltung während der Herbstschau, das kenne ich aus der Vergangenheit so nicht", sagte Grünen-Fraktionssprecher Johannes Becher. Und lustig findet er es auch nicht, daran ließ er keinen Zweifel. Da konnte sich CSU-Bürgermeisterin Anita Meinelt noch so bemühen, auf die "Notsituation" ihres Parteifreunds Guttenberg hinzuweisen, der eine Absage aus Freising bekommen habe, wo er einen Tag nach dem dortigen Volksfest eigentlich im Bierzelt sprechen sollte. Sie bitte "um Nachsicht, dass diese Ausnahme gewährt wurde". Und man dürfe das Ganze auch "nicht überbewerten", so Meinelt: "Deshalb wird eine Partei jetzt bei der Bundestagswahl bestimmt nicht gleich zehn Prozent mehr bekommen."

Weil das vielleicht nicht jeden überzeugte, machte sie auch noch einen Vorschlag zur Güte. Am kommenden Montag "können sich ja gerne auch die Bewerber aller anderen Parteien im Zelt präsentieren, so viele Leute wie da kommen sonst wohl nie zusammen". Nun ja, mit dieser Anregung traf sie den Humor ihrer Kritiker nicht so wirklich. Becher, der es vorher schon nicht lustig gefunden hatte, fand es jetzt irgendwie noch unlustiger. "Das ist ja fast schon eine Veralberung", meinte er. "Sie haben jetzt doch nicht ernsthaft empfohlen,dass sich die Kandidaten der anderen Parteien auf einer CSU-Wahlkampfveranstaltung präsentieren sollen?", fragte er die Bürgermeisterin. Nein, nein, nicht empfohlen, beschwichtigte Meinelt. Nur erwähnt, dass man es so machen könnte. SPD-Fraktionschef Gerd Beubl machte auch nicht zwingend den Eindruck, als wolle er die Empfehlung, die eigentlich nur eine Erwähnung war, annehmen: "Ich hoffe nur, dass das Wetter schön ist, damit wir uns alle im Huber-Garten treffen können - weil auf die Herbstschau kannst du an dem Tag ja nicht gehen."

Und das, wo ein regulärer Herbstschautag laut Haushaltszahlen die Stadt und somit deren Bürger 9800 Euro koste, wie Alfred Wagner (parteilos) vorrechnete. Zusätzliche Kosten, das versicherte die Bürgermeisterin, entstünden der Stadt durch Guttenbergs Besuch aber nicht, "das muss der Veranstalter zahlen". Und Johannes Becher, der meinte, "alle sind gleich, manche sind gleicher und die CSU ist am gleichsten", versicherte sie: "Wenn ein Grünen-Spitzenkandidat in der gleichen Notsituation gewesen wäre, hätten wir genauso entschieden." Becher hielt dagegen: "Der Guttenberg ist ja nicht mal Spitzenkandidat, der is' gar nix." Doch. Ein engagierter Bürger.

© SZ vom 06.09.2017

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