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OB-Wahl in Freising:Die Freisinger CSU hat sich selbst zerlegt

Damit nicht genug, haben sich die Christsozialen im vergangenen Jahr auf einzigartige Weise selbst zerlegt. Mit Rudi Schwaiger, dem Bruder des Freisinger Landrats, und Tobias Eschenbacher hatte man zwei OB-Kandidaten in spe. Doch eine öffentlich zelebrierte Kampfabstimmung endete böse. Nach Schwaigers Sieg zog sich ein Riss durch die Stadtratsfraktion, der nicht mehr zu kitten war: Acht Stadträte um Fraktionschef Eschenbacher spalteten sich ab und gründeten im Spätsommer die neue Fraktion der Freisinger Mitte.

Seither hat der Wählerverein eine beachtliche Karriere hingelegt - und Eschenbacher selbst ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters geschickt. Der 34-Jährige wird im Lager der konservativen Wähler wildern, dort also, wo sich neben Schwaiger auch der Freie Wähler Benno Zierer Stimmen erhofft. Der dritte Bürgermeister der Stadt ist bekannt und beliebt. Doch er hat ein Handicap, weil im Wahlkampf bekannt wurde, dass er vor Jahren Grundstücke an die Flughafenbetreiber verkauft hat. Manch ein Startbahngegner sieht das als Verrat am Widerstand an.

Dieser in starken Initiativen organisierte, von den Kirchen mitgetragene Widerstand macht Freising und die bevorstehende Wahl auch für die Grünen einzigartig. Mit ihrer von Anfang an klaren Haltung gegen den Flughafenausbau holten sie bei der Stadtratswahl 2008 starke 22,1 Prozent. In der derzeitigen Konstellation wäre es denkbar, dass der erste Grünen-Oberbürgermeister Bayerns in Freising gewählt wird. Kandidat Sebastian Habermeyer jedenfalls gelang es im Wahlkampf recht gut, sich nicht auf das Thema Startbahn reduzieren zu lassen. Und auch er hält sich als "lindgrüner Realo" für durchaus wählbar in der Mitte.

Helmut Priller (ÖDP) und Daniel Wilke (Linke) gelten als chancenlos. Bleibt die Sozialdemokratin Eva Bönig, die als Kindergartenleiterin und langjährige Stadträtin extrem bekannt und gut vernetzt ist. Sie baut zwar als einzige nicht explizit auf Wähler aus der konservativen Mitte. Vielleicht aber bekommt sie die paar Extrastimmen, die es für die Stichwahl braucht, wegen ihrer speziellen Einzigartigkeit aus einem anderen Lager: dem der Frauen.