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Neufahrner Seniorentagesstätte profitiert von staatlicher Hilfe:Trendwende

Die Neufahrner Sozialstation ist raus aus den roten Zahlen und kann das laufende Jahr sogar mit einem Plus von 127 000 Euro beenden

Von Birgit Grundner

Die Sozialstation Neufahrn ist wieder weg von den tiefroten Zahlen. Läuft alles weiter nach Plan, kann die Einrichtung das laufende Jahr sogar mit einem Plus von 127 000 Euro beenden, während 2019 noch ein Minus von fast 230 000 Euro in der Bilanz stand. "Wir sind auf dem richtigen Weg", zeigte sich Vorsitzender Helmut Hinterberger in der Jahreshauptversammlung zuversichtlich. Die Trendwende erklärte er unter anderem mit dem effektiveren Personaleinsatz dank eines neuen Pflegeprogramms in der ambulanten Hilfe und mit der Erhöhung der Preise in der Senioren-Tagesstätte "Senta".

Die schon vor Corona angehobenen neuen Preise waren noch dazu Grundlage für die Berechnung der Summe, die über den Rettungsschirm für das ganze Jahr ausgezahlt wird. Somit konnte die Senta neben der ambulanten Pflege unerwartet stark von den staatlichen Hilfen profitieren. Sie hatte freilich auch besonders stark unter den Folgen der Pandemie gelitten. Im März musste sie komplett geschlossen werden. Mittlerweile ist sie wieder offen, es dürfen aber nur halb so viele Besucher wie früher kommen. Zeitweise ganz geschlossen war auch die Kleiderkammer.

Beim "Essen auf Rädern" ist die Nachfrage in der Corona-Krise gestiegen. In der ambulanten Pflege haben am Höhepunkt dagegen Kunden gekündigt. Das lag zum einen an der Angst vor einer Ansteckung, wie Hinterberger erklärte. Andere wurden in der Zeit erst einmal von den eigenen Angehörigen versorgt, die wegen Kurzarbeit und Home-Office ohnehin daheim waren.

Seit mehr als einem Jahr ein großes Thema ist die Einführung des neuen Pflegeprogramms: Die Mitarbeitenden der ambulanten Pflege nehmen nicht mehr ausgedruckte "To Do"-Listen mit zu den Kunden, sondern Tablets, die auch die Dokumentation der erledigten Arbeiten erleichtern und beschleunigen. Einfacher ist damit auch der Nachweis von Leistungen gegenüber der Pflegeversicherung. Damit sollte es laut Hinterberger nicht mehr passieren können, dass - wie 2019 - mangels kompletter Nachweise 40 000 Euro an die Pflegeversicherung zurückgezahlt werden müssen. Vor allem aber spare man mit dem Programm Zeit, und das ermögliche mehr Zuwendung an die Patienten, betonte Sozialstationsleiterin Birgitta Spindler-Vanzella.

Die Investition in das Programm werde sich in jedem Fall lohnen, versicherte Hinterberger. Um die finanzielle Situation zu verbessern, wurde aber auch an anderen "Stellschrauben" gedreht: Beim betreuten Wohnen zum Beispiel wurden die Mieten erhöht, und für hauswirtschaftliche Hilfe muss man jetzt ebenfalls mehr bezahlen. Damit kam man zudem der Vorgabe nach, dass solche Hilfe nicht über Spenden oder Mitgliedsbeiträge subventioniert werden darf, wie der Vorsitzende erläuterte.

Über Spenden sind heuer schon fast 70 000 Euro in die Kasse gekommen. Die drei Träger - Gemeinde, katholische Kirche, evangelische Kirche - haben ihre jährlichen Beiträge von jeweils 7700 auf 10 000 Euro erhöht. Die knapp 220 Privatmitglieder entrichten künftig 40 statt 31 Euro im Jahr. Das wurde in der Versammlung beschlossen. Bei den Nachwahlen wurde Zweiter Vorsitzender Wolfgang Simon, der aus Neufahrn weggezogen ist, durch die evangelische Pfarrerin Karin Jordak-Schneider ersetzt. Um die Kasse kümmert sich künftig Erich Molz als Nachfolger von Simone Schörösch.

Wegen Corona fand die Jahreshauptversammlung nicht direkt in der Einrichtung, sondern im geräumigeren Franziskussaal statt. Die Pandemie bestimmt auch nach wie vor den Alltag von Vorstand und Belegschaft. Zumindest finden die "Corona-Konferenzen" mittlerweile nicht mehr täglich, sondern nur noch alle zwei Wochen statt. Alle 14 Tage werden bei den Mitarbeitenden auch Reihentestungen durchgeführt.

Als Herausforderung gilt derzeit auch die Suche nach examiniertem Personal. Hinterberger sprach in dem Zusammenhang von einer großen "Zukunftsaufgabe".

© SZ vom 22.09.2020

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