bedeckt München

Neuer Dorfladen in Fürholzen:Alles, was der Mensch so braucht

Welche Waren die Kunden wann wünschen, ist schwer abzuschätzen, denn die Nachfrage variiert stark. Lindermeier feilt deshalb noch am Konzept.

(Foto: Marco Einfeldt)

Dario Lindermeier verkauft in seinem "Kramerladen am Schusterhof" in Fürholzen Milch, Suppen, Eier, Kartoffeln und Hochprozentiges kontaktlos aus dem Automaten. Das Konzept entstand aber schon in der Vor-Corona-Zeit

Von Birgit Grundner, Fürholzen

Einen Dorfladen gibt es längst nicht mehr. Aber seit einiger Zeit kann man in Fürholzen - sofern nicht gerade Ausgangsbeschränkungen das verhindern - trotzdem rund um die Uhr einkaufen und auf ein durchaus ungewöhnliches Warensortiment zurückgreifen. Neben Lebensmitteln wird zum Beispiel auch Gin aus eigener Herstellung angeboten.

Chef im "Kramerladen am Schusterhof" ist Dario Lindermeier, der in dem Holzhäuschen aber nur selten selbst anzutreffen ist: Seine Waren verkauft er vor allem in zwei Automaten und auf einem Tisch, an dem man sich selbst bedient und das Geld in eine Kasse legt - völlig kontaktlos. Auch wenn der Gedanke naheliegend scheint: "Mit Corona hat das nichts zu tun", versichert der junge Familienvater. Die Idee habe er schon vor Ausbruch der Pandemie gehabt, die Umsetzung habe halt einige Zeit in Anspruch genommen.

Nach wie vor feilt er am Konzept - speziell am Lebensmittel-Sortiment, zu dem Kartoffeln, Nudeln, Milch, Suppen und Eier gehören. Zum einen soll immer genug da sein, zum anderen darf aber das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überschritten werden. Die Nachfrage variiert allerdings stark und ist oft nur schwer im Voraus einzuschätzen. Zum Problem kann das werden, wenn Lindermeier im Sommer wieder hochwertiges Grillfleisch in Steakhaus-Qualität anbieten will. Was im Einkauf 60 Euro pro Kilogramm kostet, soll nicht am Ende im Automaten verderben. Wie sich das alles am besten managen lässt, überlegt Lindermeier derzeit noch: "Da bin ich noch in der Findungsphase."

Er nimmt auch Anregungen für weitere Waren entgegen und hat dafür eine Liste ausgehängt. "Eis" hat jemand hingeschrieben. Auch wenn Speiseeis im Sommer sicher gut ginge, wäre das wegen der Kühlung nicht ganz einfach. "Vielleicht bräuchte ich eine kleine Gefriertruhe", überlegt Lindermeier. Dann könnte er dort zudem "Crushed Ice" lagern, was durchaus Sinn machen könnte: In den "Kramerladen"-Automaten gibt es neben anderen Getränken auch den "King Gin", den Dario Lindermeier mit seinem Vater Reinhold auf dem "Schusterhof" brennt. Die Edelbrände, die Reinhold Lindermeier dort mit seinem Bruder Richard herstellt, sind auch zu haben.

Der "Kramer" ist im Hauptberuf Elektrotechnikermeister mit eigenem Betrieb. Aber auch aus dem Hobby "King Gin" ist inzwischen ein Unternehmen geworden. "Alles wird mit Hand gemacht", betont Dario Lindermeier - vom Abwiegen der Gewürze über das Brennen bis hin zur Abfüllung. Letzteres wird am Unternehmenssitz in Mintraching erledigt. Mittlerweile gibt es neben Gin auch Wodka.

Gerade für Getränke, Knabbereien und Snacks im "Kramerladen" in Fürholzen interessieren sich auch Gäste des gegenüberliegenden Hotels. Das "Eriks" hatte bei Dario Lindermeiers Überlegungen zur Eröffnung des Ladens auch durchaus eine Rolle gespielt. Momentan ist dort freilich wegen Corona deutlich weniger Betrieb, und das wirkt sich auch auf die Geschäfte an den Automaten aus. Wer Alkohol kaufen will, muss übrigens auch im "Kramerladen" einen Altersnachweis erbringen. Das funktioniert ebenfalls kontaktlos: An den Automaten kann man Personalausweis oder Führerschein "durchziehen".

© SZ vom 25.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema