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Traditionsgaststätte wird wiederbelebt:Ein Stück Familiengeschichte

Schmuckes Wirtshaus: (von links) Peter und Mirjam Geiger mit Sohn Peter, Nandlstadts Bürgermeister Gerhard Betz und sein Stellvertreter Rainer Klier im renovierten Oberbräu.

(Foto: Marco Einfeldt)

Peter Geiger saniert mit seiner Frau Mirjam den Oberbräu, den einst seine Großeltern betrieben haben. Nach Jahren des gastronomischen Stillstands soll das Haus wieder eine typisch bayerische Wirtschaft werden

Von Katharina Aurich, Nandlstadt

Der Gasthof Oberbräu am Ortseingang von Nandlstadt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Anfang des 20. Jahrhunderts war er als Teil der Brauerei Penker errichtet worden und erlebte glanzvolle Zeiten. Jahrzehntelang tanzten die Gäste die Nächte im Ballsaal im ersten Stock durch, doch seit den 1990er Jahren folgte eine lange Phase des Stillstands. Der Zahn der Zeit nagte an dem Gebäude, in dem sich neben der Wirtschaft auch noch sechs Wohnungen befinden. Aber jetzt ist der Verfall gestoppt, denn Peter Geiger, der Enkel von Peter und Elfriede Schauer, die den Gasthof in den 1960er Jahren gekauft hatten und zu seinen besten Zeiten führten, hat sich des Gebäudes angenommen und es saniert.

Mit im Boot ist die Gemeinde, die Geiger finanziell unterstützt, das prominente Bauwerk zu erhalten. "Wir Nandlstädter verbinden viele schöne Erinnerungen mit diesem Gebäude", sagt Bürgermeister Gerhard Betz während eines Ortstermins.

Für Nandlstadt ist es ein Pilotprojekt

Möglich macht diese kommunale Unterstützung das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) der Regierung von Oberbayern. Die Kommune ließ für den Ortskern Nandlstadts ein solches Konzept erstellen und erhält dadurch finanzielle Mittel, um Hauseigentümer, die ihre Gebäude gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt sanieren möchten, zu unterstützen. Bedingung dabei ist allerdings, dass auch die Öffentlichkeit etwas von dem Vorhaben hat, was bei einem Gasthof natürlich der Fall sein wird. Die Gemeinde hat drei Jahre lang jeweils 100 000 Euro im Haushalt bereitgestellt, um solche Vorhaben zu fördern. 60 Prozent der Ausgaben werden von der Regierung zurückerstattet. Die Sanierung des Oberbräus ist für die Kommune das Pilotprojekt. Der Marktrat habe sich sehr gefreut, einen Eigentümer zu finden, der in das Programm einsteigt, berichtet Zweiter Bürgermeister Rainer Klier, der jetzt auf weitere Projekte im Nandlstädter Ortskern hofft.

Für Peter Geiger und seine Frau Mirjam, die als Projektentwickler in der Immobilienbranche arbeiten und schon viel Erfahrung mit der Sanierung alter Gebäude haben, ist der Erhalt des Oberbräus eine Herzensangelegenheit. Dies wird schnell klar, wenn die beiden von den Sanierungsarbeiten berichten - wie sie die Dachspitze erst als Modell bauten, um die Proportionen genau zu erfassen, wie sie zufällig auf einem Abbruchhaus alte Dachpfannen fanden, die nun das kleine Erkerdach auf dem Oberbräu decken oder wie Geiger hoch oben am Giebel alten Putz abkratzte, um die Stuckornamente des Brauereiwappens sichtbar zu machen, das nun wieder in Ochsenblut-Rot und Grün strahlt. Wie das Äußere des Gebäude saniert wurde, das mussten die Geigers detailliert mit dem Denkmalamt abklären und zuvor die Bausubstanz dokumentieren, schildert der Bauherr.

Putz und Farbe orientieren sich am Original

14 Farbschichten mussten von der Fassade abgetragen werden, bevor man auf die Ursprüngliche stieß. Nicht nur die Farbe, auch die Art der Aufbringung orientierte sich am Original. Mit einem Besen wurde der Putz aufgestrichen, so, wie man es früher gemacht habe, berichtet Mirjam Geiger. Dafür habe sie erst einmal verschiedene Besenarten gebaut und sie ausprobiert, um den richtigen Strich zu erzielen.

Bei all diesen Arbeiten begleitetet die beiden auch die Erinnerung. Vor allem Geigers Großeltern, die in den 1960er Jahren den Oberbräu von der Spatenbrauerei gekauft hatten und mit viel Fleiß und persönlichem Einsatz ein florierendes Gasthaus betrieben, sind den beiden ein Vorbild. "Wir haben uns jetzt für die Restaurierung entschieden, weil mit diesem Gebäude extrem viel familiäre Geschichte verbunden ist und wir aber auch ein Potenzial für die Zukunft sehen", so Geiger. Seine Großmutter, die noch immer im Oberbräu wohne, koche hervorragend, sie sei die geborene Wirtin gewesen. Als seine Großeltern kräftemäßig die Wirtschaft nicht mehr führen konnten, wurde sie verpachtet. Die Pächter wechselten in rascher Folge, an die erfolgreichen Jahre anknüpfen konnte keiner. Schließlich mietete die Gemeinde einen Teil des Gebäudes, um einen jungen Arzt nach Nandlstadt zu holen, der hier auch viele Jahre lang praktizierte, erinnert sich Bürgermeister Betz. In einem anderen Teil des Hauses ist ein Tattoo-Studio untergebracht.

Die Eigentümer suchen einen Pächter

Nun soll hier wieder eine "typisch bayerische Wirtschaft einziehen", schildert der Eigentümer seine Pläne. Der große Brotbackofen wird im Gastraum mit rund hundert Sitzplätzen bleiben, die neuen Kacheln an der Bar sind im Design historischer Vorgänger gestaltet. Derzeit werden die Sanitäranlagen fertiggestellt, Ende des Jahres wird die Sanierung abgeschlossen sein. Für die Suche nach einem geeigneten Pächter will sich Geiger Zeit lassen, "das wird kein Schnellschuss". Es werde schwierig, jemanden Passendes zu finden, mit Geduld und Sorgfalt wolle man sich den zukünftigen Oberbräu-Wirt aussuchen. Eröffnet werde sicher erst kommenden Sommer, sagt Geiger, wenn die Corona-Auflagen wieder aufgehoben seien.

© SZ vom 07.12.2020/psc
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