Moosburger Neubaugebiet:Wenig vorbildlich

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Verena Kuch will die Bauaufsicht in die "Amperauen" schicken. Dafür müsse man aber konkrete Objekte benennen, so Bauamtsleiter Herbert Held.

(Foto: Marco Einfeldt/Lukas Barth)

Die Amperauen gelten als Vorzeigemodell, doch einige nehmen es mit den Vorschriften offenbar nicht so genau

Von Alexander Kappen, Moosburg

Das Moosburger Neubaugebiet "Amperauen" wird ja gerne als Vorzeigemodell und Leuchtturmprojekt in Sachen Energiewende gepriesen, weil dort fossile Brennstoffe laut Bebauungsplan gänzlich verboten sind. Dieser Bebauungsplan sorgt jedoch abgesehen von seiner energiepolitischen Vorbildfunktion auch dafür, dass das neue Wohnquartier immer öfter in negativer Hinsicht von sich reden macht - weil Bauherrn sich offenbar nicht immer an die Regeln halten. Nachdem das bereits im vergangenen Frühjahr im Bauausschuss des Moosburger Stadtrats thematisiert worden war, erneuerten einige Mitglieder in der Sitzung am Montagabend nun ihre Kritik und baten darum, die Bauaufsicht des Landratsamts einzuschalten.

Schon im Mai vergangenen Jahres beschäftigte sich der Bauausschuss mit Wärmepumpen in den Amperauen, die mutmaßlich nicht an den vorgeschriebenen Positionen auf den Grundstücken errichtet worden sind und daher Lärmbelästigungen für die Nachbarn darstellen. Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) fragte schon damals, wofür man denn Bebauungspläne aufstelle, wenn sich keiner dran halte.

Am Montag brachte nun Stanglmaiers Fraktionskollegin Verena Kuch das Thema mit einer Anfrage erneut auf die Tagesordnung. "Ich denke, dass da draußen vieles nicht so gebaut wird, wie es im Bebauungsplan steht", sagte die Grünen-Stadträtin und bat darum, "das Landratsamt zu einer Überprüfung aufzufordern". Freie-Wähler-Stadtrat Ludwig Kieninger konnte sich den Beobachtungen von Verena Kuch nur anschließen: "In dem Baugebiet stimmt einiges nicht." Es gebe dort, so Kieninger, "Einzelhäuser, in denen laut der Klingelschilder vier Wohneinheiten sind - das muss in Wahrheit nicht so sein, aber das steht da". Außerdem gebe es in dem Wohngebiet "Mauern mit zwei Metern Höhe, und das haben wir auch nicht genehmigt - es kann doch nicht sein, dass jeder einfach macht, was er gerne macht".

Auch der Moosburger Bauamtsleiter Herbert Held hatte den Eindruck, "dass da offensichtlich einiges nicht so ist, wie es im Bebauungsplan steht". An das Landratsamt eine allgemeine Aufforderung zur Überprüfung auszusprechen, sei jedoch problematisch. "Man bräuchte konkrete Objekte, die man überprüfen lassen will", sagte Held. Er könne mit der Bauaufsicht des Landratsamtes "gerne mal da rausfahren, um offensichtliche Sachen wie zu hohe Einfriedungen und Zäune zu überprüfen". Wenn in einem Gebäude mehr Wohneinheiten vorhanden seien als genehmigt, werde es mit der Überprüfung jedoch schwierig.

Evelin Altenbeck (Grüne) verwies auf Ungereimtheiten bei den Stellplätzen. "Bei einem Geschosswohnungsbau in den Amperauen sind offenbar alle Parkplätze, die als Besucherstellplätze ausgewiesen waren, vom Bauträger verkauft worden, das hat mir der Herr Held auch schon bestätigt", berichtete sie in der Ausschusssitzung am Montag. Der von ihr angesprochene Herbert Held wollte das jedoch nicht ganz so stehen lassen. Der Moosburger Bauamtsleiter formulierte es ein wenig vorsichtiger: "Auf ein paar Besucherstellplätzen stehen Reserviert-Schilder - ob der Bauträger das weiß, kann ich nicht sagen, wir lassen das aber prüfen." Auch Bürgermeister Josef Dollinger (Freie Wähler) versprach, der Sache nachzugehen. "Das lassen wir von der Bauaufsicht gleich mitprüfen."

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