"Mimi-Mediatorin":Gesundheitsfragen auf Türkisch

mimi

Die 46-jährige Moosburgerin Fadime Yilmaz, ursprünglich Bankkauffrau, ist die einzige "Mimi-Mediatorin" im Landkreis Freising. Sie hilft als Mediatorin anderen Migranten in Sachen Gesundheit und Prävention.

(Foto: Privat)

Die Moosburgerin Fadime Yilmaz informiert Migranten über Themen wie Vorsorge und Impfungen

Interview von Francesca Polistina, Moosburg

Fadime Yilmaz hält immer wieder Vorträge zu Themen wie Vorsorge und Impfungen, und zwar auf Türkisch. Die 46-jährige Moosburgerin, ursprünglich Bankkauffrau, ist die einzige "Mimi-Mediatorin" im Landkreis Freising. Ziel ist es, Migranten über Gesundheitsfragen zu informieren - und ihnen damit den Zugang zum Gesundheitssystem zu erleichtern. "Mimi" nennt sich das Projekt, mit dem Migranten und Migrantinnen geschult werden, damit diese wiederum als Mediatoren anderen Migranten helfen können.

SZ: Sie sind Mimi-Gesundheitsmoderatorin. Was heißt das konkret?

Fadime Yilmaz: Mimi bedeutet "Migranten für Migranten", dabei handelt es sich um ein Gesundheitsprojekt, das in vielen Bundesländern vorhanden ist, darunter auch in Bayern. Ziel des Projekts ist es, muttersprachliche Veranstaltungen zu Themen wie Gesundheit und Prävention zur Verfügung zu stellen. Ich habe eine Schulung in Landshut absolviert und bin seit 2010 Mediatorin im Landkreis Freising. Konkret heißt das, dass ich Vorträge zu gesundheitlichen Themen auf Türkisch und Deutsch halte, um möglichst viele von jenen Menschen zu erreichen, die mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht so vertraut sind. Die Unterlagen zu den Vorträgen werden von Fachleuten wie Ärzten vorbereitet.

An wen richten sich denn Ihre Vorträge genau?

Es kommt darauf an, wo ich die Vorträge halte. Ich war schon in Schulen, bei der VHS, bei der Ditib-Moschee in Moosburg, bei der Alevitischen Gemeinde in Landshut, beim "Frauentreff multikulturell", den ich seit zehn Jahren in Moosburg organisiere, und auch privat. Im Publikum sitzen viele Migranten der ersten Generation, aber auch jüngere Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind. Ein gemischtes Publikum also.

Sie sagen, einige Migranten seien mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht vertraut. Was sind die Hauptbarrieren?

Einerseits die Sprache, klar. Unzureichende Sprachkenntnisse führen dazu, dass wichtige gesundheitliche Informationen nicht ankommen. Andererseits das Know-how, das nicht vorhanden ist. Das kann man zum Beispiel am Thema Vorsorge sehen: Als ich von regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen berichtete, gab es zum Teil richtige Aha-Reaktionen. Und zwar wussten die Leute nicht, dass man in regelmäßigen Abständen zum Arzt gehen kann, ohne dass man krank ist, um sich kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Aber auch in Sachen Ernährungswissenschaft gab es schon falsche Ideen, zum Beispiel bei Fruchtzwergen. Als ich gezeigt habe, dass solche Produkte, obwohl mit Obst geworben wird, auch ganz viel Zucker enthalten, waren einige Menschen überrascht.

Wer sind die Leidtragenden, wenn dieses Wissen fehlt?

Sicherlich die Migranten der ersten Generation, die mittlerweile über sechzig sind. Die dritte Generation ist angekommen, ältere Menschen sind hingegen häufig auf die Hilfe von Familienmitgliedern angewiesen, die bei Arztterminen dolmetschen. Wenn die Kinder und Enkelkinder nicht in der Nähe wohnen, riskieren alte Menschen die Isolation.

Haben Sie Ideen, wie man diesen Menschen den Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern könnte?

Ja, zum Beispiel könnte man Seniorenheime multikulturell einrichten, die Nachfrage ist da. Und zwar mit mehrsprachigem Personal, mit dem man auch ein paar Worte austauschen kann.

© SZ vom 28.11.2019
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