bedeckt München 11°

Kranzberg:Angst vor dem zahnlosen Tiger

Gemeinderat verschiebt Entscheidung über den neuen Mobilitätsmanager, um mehr Informationen zu sammeln

Von Petra Schnirch, Kranzberg/Allershausen

Eines der zentralen Probleme in der Region ist der stetig wachsende Verkehr. Das "Integrierte Mobilitätskonzept Mittlere Isarregion und Ampertal" zeigt viele Ansatzpunkte auf, wie hier gegengesteuert werden müsste. Hans Huss, Manager der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Mittlere Isarregion, hatte bei der Präsentation des Berichts vor kurzem empfohlen, einen "Kümmerer" einzustellen. Die Stelle würde gefördert, an den Kosten sollten sich aber auch die Gemeinden beteiligen. Der Kranzberger Gemeinderat wollte die Notwendigkeit nicht so recht einsehen. Nach längerer Diskussion wurde eine Entscheidung vertagt, denn es zeichnete sich eine deutliche Ablehnung ab. Die Gemeinderäte sollen nun mehr Informationen bekommen.

LAG-Manager Hans Huss empfiehlt die Einstellung des "Kümmerers".

(Foto: Marco Einfeldt)

"Wenn wir nichts machen, verschwindet das Konzept in der Schublade", warnte Bürgermeister Hermann Hammerl (FWG). Wenn alle Gemeinden mitziehen, kämen auf Kranzberg Kosten zwischen 1830 und 2290 Euro im Jahr zu, je nachdem, ob sich auch der Landkreis beteiligt. Der Kümmerer soll Schlüsselprojekte im gesamten Gebiet realisieren, die Stelle könnte für zweieinhalb Jahre über ein sogenanntes Leader-Programm zur Unterstützung ländlicher Regionen gefördert werden. Größte Hürde im Vorfeld: Die geplante, große öffentliche Präsentation der Ergebnisse des Mobilitätskonzepts musste wegen Corona ausfallen.

Bei der längeren Diskussion im Gemeinderat überwog die Skepsis: "Wir schaffen jedes Jahr ein paar solcher Stellen", monierte Florian Vierthaler (KGL). Er meinte damit die Geschäftsführerstelle der Ile Ampertal und das Management der Ökomodellregion Ampertal. "Man sollte hier etwas bremsen", fand er. Das Gremium störte sich daran, dass noch keine Stellenbeschreibung vorliegt und deshalb nicht klar sei, welche Aufgaben der neue Mobilitätsmanager übernehmen sollte. "Einen zahnlosen Tiger brauchen wir nicht", sagte Konrad Neumair (KGL). Mehrere Ratsmitglieder sahen auch großen Informationsbedarf, was denn die Geschäftsführerin der Ile Ampertal und die Managerin der Ökomodellregion bisher erreicht hätten, bevor eine weitere Stelle geschaffen werde.

Monika Mühl (FWG) gab zu bedenken, dass solche Leute wichtig seien, nur sie hätten einen Überblick über die ganze Region. Wenn man für Kranzberg etwas erreichen wolle, bringe es mehr, wenn dies jemand in die Hand nimmt - und das "für Peanuts", wie Sonja Kieslinger (FWG) anmerkte. Andreas Adldinger (CSU) sah das ganz anders. Die Vorschläge seien da, wenn die Gemeinde diese umsetzen wolle, müsse sie das jetzt selber übernehmen, sagte er und sprach sogar von einem "Feigenblatt-Kümmerer".

Kranzbergs Bürgermeister Hermann Hammerl würde mitziehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch Verena Nerl (SPD) war kategorisch dagegen, eine weitere Stelle zu finanzieren. Zielführender wäre es in ihren Augen, sich mit Bürgern zusammenzusetzen, um zu klären, was benötigt werde. Hammerl und Roland Haslbeck (CSU) schlugen schließlich vor, eine Entscheidung zu verschieben. Er könne gar nicht beurteilen, ob ein Kümmerer gebraucht werde, sagte Haslbeck, die Informationen, die er bisher bekommen habe, seien dafür zu dünn. Bei einer Gegenstimme votierte das Gremium für eine Vertagung.

Auch in Allershausen sollte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema auseinandersetzen. Dort wurde eine Entscheidung ebenfalls vertagt, allerdings ohne längere Diskussion, weil den Ratsmitgliedern das umfangreiche Mobilitätskonzept - es umfasst 127 Seiten - sehr spät zugegangen war.

© SZ vom 10.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite