bedeckt München

Kostensteigerung bei der Westtangente:Nachfragen erwünscht

Während die Bauarbeiten an der Freisinger Westtangente laufen, ist das Projekt noch einmal teurer geworden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wenn ein umstrittenes Großprojekt deutlich teurer wird, als von den Befürwortern prognostiziert, gehören alle Fakten auf den Tisch. "Genervt sein" wirkt bei einem Stadtrat da eher unpassend.

Von Kerstin Vogel

Das ist schon eine seltsame Einstellung: Da wird die Westtangente, also das Projekt, das in der Stadt Freising schon jetzt auf Jahre hinaus die größten Summen bindet, noch einmal um 5,4 Millionen Euro teurer - und dann sind einige Stadträte "genervt", weil diese Kostensteigerung im Finanzausschuss von den Grünen und der ÖDP kritisiert und hinterfragt wird.

Klar, die Umweltparteien sind schon immer gegen die Tangente. Klar ist auch, die Freisinger haben sich in einem Bürgerentscheid trotzdem für den Bau dieser Umgehungsstraße entschieden. Aber sie haben keine Blankovollmacht ausgestellt, mit der künftig jede weitere Entwicklung unwidersprochen bleiben muss.

Im Gegenteil: Die Befürworter der umstrittenen Tangente hatten die Unkenrufe der Gegner, man werde am Ende leicht bei 100 Millionen Euro an Kosten landen, stets vehement zurückgewiesen. Das war und ist ihr gutes Recht, doch wenn die Kosten nun tatsächlich steigen - bei 91 Millionen ist man schon -, muss die Verwaltung das umso mehr gut und richtig begründen können.

Und wo, wenn nicht in den Gremien des Stadtrats sollten diese Erklärungen wohl eingefordert werden? Und von wem, wenn nicht von den gewählten Stadträten?

Klar ist es schön, dass sich im aktuellen Stadtrat alle ganz furchtbar lieb haben, dass auch der Abermillionen schwere Haushalt für 2016 dem Vernehmen nach hinter verschlossenen Türen in aller Freundschaft verhandelt worden ist. Trotzdem sollten sich die Stadträte ab und zu auf ihre Kontrollfunktion besinnen.

Und auch wenn von den 5,4 Millionen Euro Teuerung am Ende "nur" 600 000 Euro an der Stadt hängen bleiben sollten: Wenn auf der anderen Seite diskutiert wird, wo man freiwillige Leistungen für die Bürger streichen kann, muss sich der Tiefbauamtsleiter die Frage nach Einsparvorschlägen beim Bau der Westtangente wohl gefallen lassen.

© SZ vom 02.12.2015
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema