Kirchbergers Woche:Lauter Einbahnstraßen

Über die  Tücken des Freisinger Radentscheids

Kommentar von Johann Kirchberger

So, so. Einen attraktiven, leistungsfähigen und sicheren Radverkehr in der Stadt Freising wollen sie, die Initiatoren des Bürgerentscheids Radverkehr. Nun, wer würde das nicht wollen? Darum wohl sind genügend Unterschriften zusammengekommen, um die Bevölkerung abstimmen zu lassen. Am 20. Februar soll das sein. Es sei denn, der Stadtrat macht sich die Ziele der Radlerfreunde zu Eigen und setzt sie um. Sagen wir so, er könnte zumindest versprechen zu versuchen, sie in irgendeiner Form umzusetzen.

Einige dieser Ziele hören sich gut an, sind aber schwammig formuliert. Die Stadtteile durch Radvorrangrouten zu verbinden etwa. Für andere, wie die Einrichtung überörtlicher Radschnellwege, ist die Stadt nicht zuständig. Wieder andere hören sich sehr nach purem Aktionismus an, wie die Forderung, im gesamten Stadtgebiet gut zugängliche Fahrradabstellmöglichkeiten zu schaffen. Braucht's das wirklich? Hat nicht jedes Radl so einen praktischen Fahrradständer?

Dann gibt es Forderungen, die erscheinen wichtig. Kreuzungen, Einmündungen und Einfahrten so zu gestalten, dass freie Sichtbeziehungen für und auf den Radverkehr gegeben sind. So ein Umbau von Kreuzungen aber ist zeitaufwendig und nicht billig. Vermutlich wird die Sache so ausgehen, dass die Stadt eine Kreuzung umbaut und sich dann fünf Jahre für diese Heldentat mit Ruhm und Anerkennung überschütten lässt. So etwa wie seit geschätzt zehn Jahren für den Bau von 115 Wohnungen an der Katharina-Mair-Straße. 1000 oder gar 2000 solcher Wohnungen würden benötigt.

Kommen noch jene Ziele, die eigentlich nicht umsetzbar sind und deshalb wohl nie realisiert werden. Vorausgesetzt, der gesunde Menschenverstand wird nicht abgedreht. Auf viel befahrenen Straßen soll Tempo 30 gelten. Das geht noch. Aber es sollen beidseitig Radwege mit einer Breite von 2,30 Meter eingerichtet und so gestaltet werden, dass ein unzulässiges Befahren oder Halten durch Kraftfahrzeuge nicht möglich ist. Diese Straßen würden praktisch alle zu Einbahnstraßen, Post und die beliebten Packerlfahrer hätten keine Zustellmöglichkeiten mehr. Stopp, das stimmt nicht ganz, mit dem Lastenfahrrad könnten sie anreisen. Ob das stabil genug ist, um Werkzeug und Baumaterialien von Handwerkern zu befördern, wird sich zeigen.

Er habe Angst um sein Leben, wenn er auf der Hochtrasse mit dem Fahrrad fahre, hat Stadtrat Uli Vogl gesagt. Dort gibt es aber zumindest eine Radfahrspur und dort muss er auch nicht radeln. Es gibt die nahe Korbinianbrücke und den Isarsteg als Alternative. Angst darf er haben, wenn er über die Schlüterbrücke und den Wurmfortsatz der Westtangente radeln will, etwa um den Radweg nach Pulling zu erreichen. Auf dieser Brücke gibt es nichts, was Radler schützen würde und daneben auch keinen Isarsteg. Dort gibt es nur schützenswerten Bannwald.

Wie dem auch sei, die Forderungen der Bürgerinitiative liegen auf dem Tisch, die Unterschriften sind in ausreichender Zahl erbracht, Kompromisse auszuhandeln ist nicht möglich. Dann lasst uns abstimmen und gespannt darauf schauen, ob die Freisinger tatsächlich wollen, dass ihre Stadt mit einem Netz von Einbahnstraßen überzogen wird.

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