bedeckt München 22°

Integrationskurse:Klage über bremsende Behörde

Der Wille ist da, aber das Geld nicht: Weil die Bescheide des Bundesamts für Migration fehlen, wird die Eingliederung von Einwanderern erschwert. Das beklagen die Veranstalter von Integrationskursen.

Sabina Dannoura

Alles spricht über eine bessere Integration von Ausländern. Die Eingliederung in die Gesellschaft und die Verständigung im Alltag sollen den Menschen, die nach Deutschland kommen, spezielle Kurse erleichtern. Darin erlernen sie die deutsche Sprache, erfahren aber auch etwas über Land und Leute.

Einbürgerungswillige machen Kursus

Trotz Zuwanderung fehlt es Deutschland an Fachkräften.

(Foto: dpa)

In Freising bieten Volkshochschule (VHS) und das Computer-Bildungszentrum (CBZ) solche Kurse an. Wie die Veranstalter berichten, erschwert jedoch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Eingliederung durch Wartezeiten und Sperren. "Das widerspricht dem Integrationsgedanken", sagt CBZ-Schulleiterin Karin Wiedenhöfer.

In Städten wie München sind die Integrationskurse überfüllt - in Freising dagegen ist das Angebot ausreichend: Die VHS hat drei Kurse eingerichtet, die im Februar, Juni und September beginnen und in denen bis zu 15 Personen unterrichtet werden. "Wir können sicherstellen, dass alle Leute mit unterschiedlichen Vorkenntnissen einen Platz erhalten", sagt Fachbereichsleiterin Isolde Wagner.

Im CBZ gibt es vier Deutschklassen für Migranten, die auch von Interessierten aus dem weiten Umkreis aufgesucht werden: Das Bildungsinstitut bietet eine Kinderbetreuung an. Dennoch gebe es keine Wartezeiten, versichert die dortige Schulleiterin.

Wiedenhöfer und Wagner drücken andere Probleme. Die meisten ausländischen Mitbürger können den Kurs nicht aus eigener Tasche bezahlen, der 235 Euro kostet. Sie benötigen vom BAMF einen Berechtigungsschein, die Gebühren reduzieren sich für die Teilnehmer dann auf 100 Euro oder sogar null. Bis ein Antrag von der Bundesbehörde bearbeitet sei, dauere es jedoch drei oder vier Monate, so die Erfahrung von Isolde Wagner.

Bei einer Zusage würde Migranten, die länger in Deutschland lebten oder Ausländer aus der Europäischen Union seien, nochmals eine dreimonatige Sperre auferlegt. "Nur Neuzuwanderer, die nicht aus der EU stammen und zu einem Kurs verpflichtet sind, haben keine Drei-Monats-Sperre", schildert Wagner.

Sie erlebt, wie Schüler auch ohne Schein mit dem Kurs beginnen - "diese Leute sind sehr integrationswillig, das sieht man an ihren Fortschritten" - aber täglich um Nachricht des BAMF bangten, weil sie die Gebühr nicht länger bestreiten könnten. Gleichzeitig registriert die VHS Freising im neuen Kurs deutlich weniger Teilnehmer mit Integrationsschein.

CBZ-Schulleiterin Wiedenhöfer kommentiert diese Entwicklung ungeschönt: "Das BAMF erschwert den Zugang zu den Integrationskursen. Seine Genehmigungspraxis widerspricht dem, was die Bundesregierung propagiert", ärgert sie sich. Zumal neuerdings auch Alphabetisierungskurse nicht mehr bezahlt würden, sobald ein Ausländer seinen Namen schreiben könne. Wiedenhöfer hält diese Vorgabe für Unfug. "Der Wille zur Integration ist bei den meisten da - wenn man die Menschen nur lässt", sagt sie.

© SZ vom 22.09.2010/anto

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite