Feinstaub  in der Luft Schockiert über Mess-Ergebnisse

"Das Flughafenumland lebt in einer Abgasfahne", sagt Heidi Bisping-Arnold.

(Foto: Lukas Barth)

Freisinger Bürgerverein informiert die Gemeinderäte in Hallbergmoos über die Belastung mit Fein- und Feinst-Staub im Flughafenumland. Die Gemeinde will nun ein eigenes Gerät anschaffen

Von Alexandra Vettori, Hallbergmoos

Ein Vortrag des Bürgervereins Freising über die Ultrafeinstaub-Belastung rund um den Flughafen ist am Dienstag auf der Tagesordnung des Hallbergmooser Gemeinderates gestanden. Am Ende waren die Gemeinderäte schockiert und beschlossen einstimmig, ein Messgerät anzuschaffen.

Denn was die Lungenärztin Heidi Bisping-Arnold und Wolfgang Herrmann, stellvertretender Vorsitzender des Freisinger Bürgervereins gegen Lärm und Schadstoffbelastung, von ihren Messungen berichteten, ist alarmierend: Seit Januar haben sie etwa 60 Messfahrten rund um den Flughafen absolviert und dabei herausgefunden, dass jeweils in Windrichtung massive Feinststaub-Werte festgestellt werden können. "Das Flughafenumland lebt in einer Abgasfahne", sagte Heidi Bisping-Arnold.

Hinter dieser Abgasfahne hat der Bürgerverein Feinstaubwerte von 2500 bis 3500 Partikel pro Kubikzentimeter Luft gemessen. Dort, wohin der Wind wehte, war es sogar ein Vielfaches. Bei einer Messung im Januar ermittelte der Verein in Freising-Lerchenfeld bis zu 40 000 Partikel, in Hangenham 42 000, am Marzlinger Spielplatz gar 75 000. Ende Januar bei Nordostwind wurden in der Hallbergmooser Braunau 80 000 Partikel gemessen, beim Hotel Ibis 36 000, beim Neuwirt in Goldach 30 000. Der Flughafen habe die Messungen des Bürgervereins bisher als unwissenschaftlich abgetan, mit dem Argument, es handele sich nicht um ein standardisiertes Verfahren. Doch Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein ist sich sicher: "Diese ultrafeinen Partikel kommen vom Flughafen."

Das Problem: Für Feinstaub gibt es inzwischen Grenzwerte, für Ultrafeinstaub aber nicht. "Es ist jetzt Aufgabe der Politik, das Thema aufzugreifen", forderte Herrmann. Gerade Ultrafeinstäube gelten als gefährlich, da die Partikel durch die Lungenbläschen ins Blut gelangen und Organe, Gehirn und Blutgefäße schädigen können. Bei Gesprächen mit Schweizer Forschern und Triebwerksingenieuren des Herstellers MTU sei deutlich geworden, dass neuere Triebwerke zwar weniger Feinstaub, dafür aber mehr Ultrafeinstaub freisetzen. "Je feiner das Kerosin verbrannt wird, desto mehr Feinststaub", fasste Herrmann zusammen.

In welchen Dimensionen sich das abspielt, machte Heidi Bisping-Arnold klar: Derzeit finden am Münchner Flughafen etwa 400 000 Flüge im Jahr statt. Pro verbrannter Tonne Kerosin würden 30 Gramm Fein- und Feinstaub freigesetzt, 600 000 Liter Kerosin würden täglich verbrannt, das meiste bei Start und Landung. "Zum Vergleich", so die Lungenärztin: "Wenn ein Flugzeug bis Ingolstadt fliegt und dort seine Flughöhe erreicht, hat es so viel Flugbenzin verbraucht", wie ein VW Golf in 15 Jahren an Sprit benötige.

Im Hallbergmooser Gemeinderat hörte man all das nicht gerne, erfreut man sich wegen der flughafenbedingten Gewerbeansiedlungen doch guter Steuereinnahmen. Alarmiert waren dann aber doch alle. Es gehe nicht darum, nur gegen den Flughafen zu wettern, betonte Bürgermeister Harald Reents (CSU), "er ist ein wichtiger Partner", ernst nehmen müsse man die Sache aber schon.

Robert Wäger (Grüne), auf den die Einladung des Bürgervereins in den Gemeinderat zurückging, war selbst überrascht über die Dimensionen. Er forderte eine kommunale Zusammenarbeit aller Flughafengemeinden. Hallbergmoos wird den Flughafen jetzt auffordern, ein geeignetes Messgerät für Feinststäube anzuschaffen, tut er es nicht, kauft die Gemeinde selbst eines. Wie vom Bürgerverein zu erfahren war, kostet es um die 10 000 Euro.