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Hallbergmoos:"Auch Puppen unterliegen der Mode"

Echte Puppenliebhaber, so ist in der Puppenmanufaktur außerdem zu erfahren, legen Wert auf Abwechslung. "Auch Puppen unterliegen der Mode", betont Stegschuster. In den warmen Monaten schmücken ihre Besitzer sie gerne mit luftigen Sommerkleidchen; wenn es kälter wird, sind wieder Mützen, Mäntel und Jacken gefragt. "Ich habe so viele Ideen, ich könnte Tag und Nacht nähen", sagt Stegschuster.

Matrosenanzüge bestellen vor allem die Bayern in der Hallbergmooser Puppenmanufaktur.

(Foto: Marco Einfeldt)

Jedes Teil aus ihrem Atelier sei ein Einzelstück, es sei denn ein Kunde wünsche die exakte Wiederholung. Pro Kleid verlangt sie zwischen 20 und 40 Euro, je nach Aufwand. Besonderen Wert legt Stegschuster dabei auf "Bodenständigkeit", auf "das Alte", wie sie erklärt. Auf Flohmärkten sucht sie deshalb nach alten Stoffen. In diesem Jahr seien keine Blümchenmuster sondern Pünktchenstoffe im Stil der 50er Jahre der "totale Renner" gewesen, sagt Stegschuster.

Trachten und Dirndl in Miniaturform schneidert die Puppenmutter auch sehr gern: "Die Preußen lieben solche Sachen", schmunzelt sie. Viele ihrer Bestellungen kämen aus Norddeutschland oder aus Holland, in Sachen Puppen ist der Süden ihrer Ansicht nach dagegen eine "Wüste". Und wenn ein Bayer bestelle, dann bevorzugt Matrosenanzüge. Auch für die Puppenliebhaber gilt offenbar: Jeder Mensch will das, was er noch nicht hat.

Stegschuster weiß noch mehr über das Wesen ihrer Zielgruppe zu berichten: Das Klientel sei zumeist weiblich und in höherem Alter, sagt sie. Dass Eltern etwas für ihre Töchter bestellten, komme eher selten vor. Sie bediene eher die "Erwachsenenschiene". Denn die edlen Figuren, die das Label "Lissy" tragen sollen, sind als Spielzeug für Kinder nur bedingt geeignet - schon der Kaufpreis von mehreren hundert Euro für manche Exemplare spricht dagegen.

Für ihre Kunden seien die Puppen wohl so etwas wie Kinder, vermutet die Designerin. Womöglich hätten einige auch früher, in Kriegszeiten, kein Spielzeug gehabt, und holten dies nun nach. Obgleich - gespielt wird eher weniger. Das Dekorieren stehe im Vordergrund, erklärt Stegschuster. Manche Kunden schickten ihr Fotos, etwa von neu eingekleideten Puppen vor einer Winterlandschaft aus Wattebäuschen.

Auch Elisabeth Stegschuster selbst hat die Sammelleidenschaft gepackt. "Was ich verdiene, wird direkt wieder investiert", gesteht sie freudestrahlend. Besonders die Käthe Kruse-Puppen haben es ihr angetan. Sie sammelt sie auf einer Empore über ihrem Atelier. Eine hölzerne Treppe führt dorthin, wie eine zweite, geheimnisvolle Schwelle in "Lissys" bunter Puppenwelt.

© SZ vom 14.08.2010/afis
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