bedeckt München 30°

Hallbergmoos:Dauerhafter Schutz vor hohen Mieten

Die Hallbergmooser Grünen und Sozialdemokraten wollen in der Gemeinde eine Initiative zur Gründung einer Wohnbaugenossenschaft anstoßen. Wie so ein Modell funktioniert, darüber klärt ein Vortrag auf

Von Alexandra Vettori, Hallbergmoos

Nach wie vor herrscht rege Bautätigkeit in Hallbergmoos, und es sollen weitere Neubaugebiete folgen. Die Zeit ist also günstig für die Gründung einer örtlichen Wohnbaugenossenschaft, die vor allem ein Ziel hat: dauerhaften Schutz vor Mieterhöhungen und das, wenn es gut läuft, sogar auf relativ niedrigem Niveau.

Und weil die Gelegenheit so günstig ist und die Mieten auch in Hallbergmoos so hoch sind, wollen die örtlichen Grünen die Gründung einer solchen Genossenschaft anstoßen. "Keine grüne Genossenschaft", wie Gemeinderätin Sabina Brosch betonte, als man kürzlich zusammen mit der SPD zu einer Veranstaltung eingeladen hatte. Dabei sollte vor allem klar werden, wie das Wohnbaugenossenschaftsmodell funktioniert.

25 Interessierte kamen trotz des sommerlichen Freitagabends. Als Referent war Bastian Dombret eingeladen, Stadtrat der FDP in Garching, wo gerade 50 Ortsansässige eine Wohnbaugenossenschaft gründen. Er sei zwar nicht in einer Partei, die mit genossenschaftlichem Gedankengut verbunden werde, sagte Dombret mit einem Lächeln, aber er selbst sehe darin ein probates Mittel gegen unbezahlbare Mieten. Es sei aber wichtig, parteipolitisches Denken herauszuhalten, vor allem wenn die Kommune, etwa mit der Bereitstellung von Baugrund, beteiligt sei. In Garching soll ein Gebäude mit 50 bis 60 Wohnungen entstehen, etwa 50 Genossenschaftsmitglieder kommen zum Zug, 500 stehen auf der Warteliste. Wer sicher eine Wohnung bekommt, kann jetzt mitreden, was genau gebaut wird.

Eine private Genossenschaft sei ein kompliziertes Konstrukt, berichtete Dombret, das Genossenschaftsrecht sei streng, es gebe eine Prüfungspflicht durch Wirtschaftsprüfer. Aufsichtsrat, Vorstand und Businessplan seien vorgeschrieben. Und das, so Dombret, "aus gutem Grund". So nämlich gebe es nur 0,4 Prozent insolvente Genossenschaften. Bei Abstimmungen ist der große Unterschied zur Aktiengesellschaft, dass jedes Mitglied nur eine Stimme hat. Um Mitglied zu werden, muss man in der Regel einen Geschäftsanteil für 1000 Euro erwerben. Wer wieder austritt, bekommt es zurück. Auch Kommunen können Mitglied werden, wie bei der Bürger-Energiegenossenschaft im Landkreis Freising. Das sei dann interessant, so Dombret, wenn die Kommune sozialen Wohnungsbau betreiben wolle. Ein gelungener Mix sei im Interesse aller, betonte er.

Der Großteil des Wohnhauses, in Dombrets Beispiel kostete es zehn Millionen Euro, wird über Kredit finanziert, die Genossenschaft ist Schuldner, die Bonität der einzelnen Mitglieder spielt keine Rolle. Das Eigenkapital kommt von den wohnenden Mitgliedern, in Form von Geschäftsanteilen, 1000 Euro pro Quadratmeter der Wohnung. Dafür, so Dombret, gebe es sogar Kredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Ist man eingezogen, zahlt man ein "Nutzungsentgelt", wie die Miete im Genossenschaftsmodell heißt. Es bemisst sich nach den Quadratmetern und beträgt in Garching 12,50 Euro, im Beispiel also monatlich 625 Euro. "Das klingt nicht so wenig, aber Sie wohnen in einem Neubau und wissen: Die Miete wird nicht steigen, höchstens die Nebenkosten." Mitglieder, die erst nach Jahren einziehen, profitieren vom schon geleisteten Schuldendienst - ihre Miete ist geringer. Die Geschäftsanteile erhält man nach dem Auszug zurück.

Von den Anwesenden nach Nachteilen gefragt, antwortete Bastian Dombret ganz offen: In der Anfangsphase gebe es viele Diskussionen, müssten Kompromisse zwischen den diversen Vorstellungen gefunden werden. Und insgesamt sei klar, man erwerbe kein Eigentum: "Sie werden in einer Genossenschaft nicht Ihren individuellen Wohntraum verwirklichen."

© SZ vom 30.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite