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Für Asylbewerber in Freising:Mehr Unterstützung gefordert

FREISING: Flüchtlingsunterkunft in der Katharinas-Mair-Strasse

Im Landkreis Freising gibt es momentan 1509 Asylbewerber. Viele leben in Gemeinschaftsunterkünften wie hier an der Katharina-Mair-Straße im Stadtteil Lerchenfeld.

(Foto: Johannes Simon)

Die Grünen beleuchten bei ihrer Kreisversammlung die Situation von Geflüchteten im Landkreis und setzen sich dafür ein, dass diese mehr Hilfe erfahren, damit die Integration gelingt.

Von Hanna Dittrich, Freising

Im Landkreis leben zahlreiche Asylbewerber - damit deren Integration gelingt, sollte man sie besser unterstützen. Das forderten die Grünen bei ihrer Kreisversammlung am Donnerstag. "Im Landkreis Freising gibt es momentan 1509 Asylbewerber. Davon sind 493 noch unter 18 Jahren. 56 haben es geschafft, im Landkreis Freising eine Wohnung zu finden - der Rest lebt in Gemeinschafts- oder dezentralen Unterkünften. Von den 1509 sind 496 bleibeberechtigt, abgelehnt und nur mit Duldung hier sind 251 und 387 Asylbewerber haben ihren Asylbescheid noch offen." Mit diesen Zahlen leitete Artjom Baranov, Neumitglied der Freisinger Grünen aus Allershausen gemeinsam mit der Vorsitzenden Verena Juranowitsch die Kreisversammlung ein.

Der Themenschwerpunkt lautete "Politik hört zu: So geht es den Geflüchteten im Landkreis Freising". Und die Politikerinnen und Politiker hörten zu - unter den rund 40 Teilnehmenden waren die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer, der Landtagsabgeordnete Johannes Becher, aus dem Kreistag der stellvertretende Landrat Robert Wäger oder die Kreisrätin und Freisinger Stadträtin Joana Bayraktar. Kern der Veranstaltung und der daraus resultierenden Gespräche waren Hilfsmöglichkeiten bei der Flüchtlingsbetreuung. Dabei ging es um die Wohnsituation, Arbeitserlaubnisse, Ausbildungen, die Bürokratie und auch das Thema Digitalisierung.

Ingrid Hein-Schuster beklagt "bürokratischen Wahnsinn"

Geladen waren zum Beispiel Ingrid Hein-Schuster und Angelika Sagerer aus den Helferkreisen Asyl in Freising und Zolling. Hein-Schuster berichtete von ihrer Erfahrung mit Arbeits-, Aufenthalts- und Ausbildungserlaubnissen und kritisierte, welch bürokratischer "Wahnsinn" es sei, dass ein Antrag auf Duldung alle ein bis drei Monate erneut komplett ausgefüllt werden müsse. Sie müsse den Antragstellern jedes Mal dabei helfen und verstehe nicht, warum das nicht schon längst vereinfacht und vor allem digitalisiert worden sei.

Des Weiteren beklagte sie einen Rückgang an freiwilligen Helfern in der Freisinger Asylunterkunft: "Wenn den Politikern und den Behörden die Integration der Flüchtlinge ein echtes Anliegen wäre - was es aus meiner Erfahrung leider nicht ist -, dann würden sich vielleicht auch wieder mehr Helfer finden und es würde vielleicht auch gelingen, die Menschen wirklich zu integrieren." Zentrales Anliegen sollte sein, dass die Menschen sich nicht mehr fremd in diesem Land fühlten, sagte Hein-Schuster. Gerade in der Corona-Krise seien den Helfern weitere Steine in den Weg geräumt worden, da sie nicht mehr die Unterkünfte besuchen dürften. Wenn schlechtes Wetter sei und sie sich mit den Asylbewerbern nicht draußen treffen könne, habe sie die Kirche als Zufluchtsort mit genügend Platz für sich und ihre Schützlinge entdeckt, schilderte sie.

Die Sprache sei ausschlaggebend, sagt Angelika Sagerer

Angelika Sagerer berichtete, was in Zolling bereits unternommen worden sei und weiterhin unternommen werde, um die Flüchtlinge bestmöglich zu unterstützen und zu integrieren. Gerade die Sprache sei ausschlaggebend für viele: "Sie wollen lernen, sie wollen Arbeiten. Meiner Erfahrung nach wollen sie sich integrieren. Sie brauchen nur Hilfe und Möglichkeiten."

Beate Walter-Rosenheimer beleuchtete das Thema aus bundespolitischer Sicht. Sie ist im Bundestag Mitglied des Bildungs- und des Familienausschusses, der auch für geflüchtete Kinder und ihre Familien zuständig ist. Sie sagte, dass die Politik an dem Thema sehr wohl interessiert sei - allerdings würden Vorschläge und Anträge der Grünen häufig abgelehnt. Damit es den Ansatz einer Lösung, einer Besserung im deutschen und europäischen Asylsystem gebe, müssten die Grünen in die Regierung, um "wirklich etwas ändern zu können". Deutschland müsse endlich als Einwanderungsland anerkannt werden.

Es gehe auch darum, dass die Menschen auf legalem und sicherem Weg hierher kommen, betont Joana Bayraktar

Konkret auf eine Organisation, die sich mit Flüchtlingen beschäftigt, ging Joana Bayraktar ein. Sie stellte das Konzept des "Sicheren Hafens" der Bewegung Seebrücke vor. Es gehe nicht nur darum, dass es den Menschen gut gehe, solange sie hier sind, sondern auch, dass sie auf legalem und sicherem Wege hierher kommen könnten. Es sei bereits ein Antrag gestellt worden, auch Freising zu einem "sicheren Hafen" zu erklären, so Bayraktar. Noch sei nichts entschieden und die Grünen hofften weiterhin auf einen positiven Entscheid.

Aus erster Hand sollten auch zwei Geflüchtete aus ihrem Leben berichten - Joe Shedrack aus Nigeria und Jasmin Al-Shayeb aus Syrien. Beide waren jedoch verhindert, die Gespräche sollen bei einer der kommenden Kreisversammlungen nachgeholt werden. Neben vielen Hilfebekundungen und Ideen zur Besserung der Situation bot Martin Heyne vom Ortsverband Kirchdorf konkret seine Unterstützung und die seines Vereins mit einer Geldspende an - damit sollen ein Jahr lang die Wlan-Kosten der Unterkunft in Freising decken werden.

© SZ vom 20.02.2021/axka
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