Gesperrte Kirche Kuriose Besitzverhältnisse

Die Moosburger Johanneskirche ist komplett sanierungsbedürftig, doch die Zuständigkeiten sind historisch bedingt verteilt: Das Schiff gehört der katholischen Kirche, der Turm der Stadt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Sanierung der Moosburger Johanneskirche verzögert sich

Von Till Kronsfoth, Moosburg

In der Johanneskirche in Moosburg besteht Einsturzgefahr. Teile der Decke könnten zu Boden fallen und Besucher verletzen. "Deshalb ist die Kirche momentan gesperrt", sagt Pastoralreferent Markus John. Grund sind in die Jahre gekommene Holzsparren in der Deckenkonstruktion, die erneuert werden müssen. "Es wäre sinnvoll, den Kirchturm zeitgleich zum Rest der Kirche zu sanieren, um Synergieeffekte auszunutzen", so John. Dass es nötig ist, dies zu betonen, liegt an unterschiedlichen Zuständigkeiten aufgrund der kuriosen Eigentumsverhältnisse.

Denn das Kirchenschiff gehört zwar der katholischen Kirche, der Kirchenturm befindet sich jedoch mit Ausnahme der Glocken im Eigentum der Stadt Moosburg. Diese Tatsache habe nichts damit zu tun, dass mit der Sanierung des Kirchenschiffs noch nicht begonnen werden konnte, denn die Zuständigkeiten seien klar, erklärt Markus John. Vielmehr läge dies an zeitaufwendigen Voruntersuchungen. "Fakt ist, dass beide Bereiche einen gewissen Sanierungsaufwand haben", sagt auch Josef Mühlberger von der Stadtverwaltung. "Wir müssen schadhafte Putzstellen ausbessern, defekte Schallluken reparieren und die Fassaden neu streichen. Der Stadtrat hat das Geld für die Sanierung bereitgestellt", so Mühlberger. Auch vonseiten der Stadt sei eine enge Abstimmung mit der Katholischen Kirche gewünscht, vor allem zum Zwecke der Kostenersparnis. So kann sich die Stadtadministration beispielsweise eine Aufteilung der Kosten für das Baugerüst vorstellen.

Im Zuge der Säkularisation nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden viele rechtsrheinischen Kirchenbesitzungen enteignet und dem jeweiligen Landesherren zugeschlagen. Davon profitierten vor allem Bayern, Baden, Württemberg und Preußen. 1811 ersteigerte ein Moosburger Zimmermannsmeister das Kirchengebäude. Der bayrische König Maximilian I. intervenierte jedoch und übereignete die Johanneskirche der Stadt Moosburg. Nach dem Ende der Säkularisation erhielt die Kirche das Gebäude zurück und später auch die Glocken. Am Eigentum der Stadt am Turm änderte sich aber nichts. Die Enteignung der Kirchen vor 200 Jahren hat bis heute weitreichende Folgen, auch über Moosburgs Grenzen hinaus: Die wohl bekanntesten sind die staatlichen Finanzhilfen für die beiden christlichen Kirchen in Höhe von knapp 500 Millionen Euro jährlich. Nicht miteingerechnet ist die Kirchensteuer, die der deutsche Staat zusätzlich für die Kirchen einzieht.