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Gebiet mit "richtig Potenzial":Der Wendehals wäre glücklich

Mallertshofer Holz mit Heiden

Die Föhrenwälder sind ökologisch hochwertig, ihre Ränder aber könnten noch aufgewertet werden.

(Foto: Florian Peljak)

Studierende machen Vorschläge, wie der Föhrenwald im Mallertshofer Holz ökologisch aufzuwerten ist

Gleich zwei Fakultäten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die für Wald und Forstwirtschaft und die für Landschaftsarchitektur, haben gemeinsam das gut 600 Hektar große Naturschutzgebiet Mallertshofer Holz und Heiden untersucht, jede aus ihrem Blickwinkel. Warum denn das?, mag sich der Laie fragen, das Gebiet steht schon unter Schutz, es gibt Wald, Wiesen und ein paar Schmetterlinge flattern auch herum. Doch nichts, auch nicht die Natur, kann nicht besser werden, und genau in diese Richtung gingen die Überlegungen der Studierenden. Am Freitag haben sie ihre Ergebnisse im Bürgerhaus präsentiert, auch der Leiter des Freisinger Staatsforstbetriebs, Alfred Fuchs, und Echings Bürgermeister Sebastian Thaler waren da.

Immerhin haben die Studierenden die Untersuchung im Auftrag des Heideflächenvereins erstellt, der zusammen mit dem Staatsforst für die Pflege des Mallertshofer Holzes zuständig ist. Eine weitere Aufgabe des Heideflächenvereins ist die Bedienung von Ökokonten der Mitgliedsgemeinden. Die Rechnung funktioniert folgendermaßen: Für die Ausgleichsflächen, die die Kommunen bei Neubauten ausweisen müssen, werden nach einem komplizierten Schlüssel berechnete Flächen in der Heidelandschaft ökologisch aufgewertet. Das spart Zeit und Geld, weil nicht extra Grund gekauft werden muss.

Zwei Tage lang sind die Studierenden durch das Holz gestreift und haben gemäß umfänglicher Kriterien kartiert. Gefunden haben sie die definierten Lebensräume "artenreiches Extensivgrünland", kleine Flächen wertvollen "Föhrenwalds auf basischem Untergrund", weite Teile weniger wertvollen "Himbeer-/Brombeer-Kiefernforsts" und einen insgesamt nicht besonders wertvollen Waldrand. Wobei wertvoll stets möglichst große Artenvielfalt und möglichst viele Arten, die vom Aussterben bedroht sind, bedeutet. Das Fazit fasste eine Studentin zusammen: "Ein wahnsinnig vielfältiges Gebiet, mit richtig, richtig Potenzial".

Detailliert listeten die Studierenden Maßnahmen zur Aufwertung der Lebensräume auf. Im Großen und Ganzen sollen in den weniger wertvollen Waldteilen mehr Laubbäume gepflanzt werden, um den Himbeeren und Brombeeren Licht zu nehmen, auf dass sich eine artenreichere Krautschicht mit seltenen Blumen entwickeln kann. Der wertvolle Föhrenwald dagegen soll durch Weidetiere aufgelichtet werden, so kann sich das Ziel, ein noch artenreicherer Eichen-Hainbuchen-Wald, entwickeln. Schon jetzt wird der Wald nicht wirtschaftlich genutzt, bei künftigen Fällungen zur ökologischen Aufwertung, schlugen die Studierenden vor, könnten einzelne Fichten in fünf Metern Höhe gekappt werden, um als Totholzbaum Lebensraum für Vögel und Insekten zu bieten. Mindestens sechs Höhlenbäume je Hektar bedeuten zusätzliche Wertpunkte für das Ausgleichsflächenkonto. Um die Waldränder artenreicher zu machen, soll die jetzt harte Grenze mit Rodungsinseln aufgeweicht werden.

Befolgt der Heideflächenverein die Vorschläge, kann er etwa im ohnehin schon wertvollen Föhrenwald von derzeit 13 Wertpunkten auf die maximale Punktzahl 15 kommen Das würde den Baumpieper freuen, ein stark gefährdeter Vogel, der lichte Wälder und Wiesen braucht. Auch der Gelbringfalter wäre glücklich, ebenso wie die gefährdeten Vögel Wendehals und Neuntöter.

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