bedeckt München 19°
vgwortpixel

Gammelsdorf:Spendenwelle für gerettete Katzen

Die Tierheime in München und Landshut erhalten sogar aus den USA und Russland Hilfsangebote.

Rund zwei Wochen nach der Rettung: Im Tierheim Landshut sind 25 Katzen aus dem Gammelsdorfer Haus untergebracht. Mittlerweile geht es ihnen besser. Foto: wil

(Foto: Gerhard Wilhelm)

"Das ist einmalig", sagt Anna-Maria Moser, Geschäftsführerin des Tierheims Landshut. Und damit meint sie die Spendenwelle, die über das Tierheim hereingebrochen ist, seit dort die aus Gammelsdorf geretteten Perserkatzen untergebracht sind. "Ich bin jetzt seit 20 Jahren dabei, aber so was habe ich noch nicht erlebt." Das Schicksal der 68 geretteten, völlig verwahrlosten und teilweise schwer kranken Katzen aus dem Haus einer "Züchterin" geht vielen nah. Aus der ganzen Welt, von USA bis Russland, gehen Anfragen und Hilfsangebote beim Tierheim ein. Und nicht nur im Tierheim Heinzelwinkl, das 27 der Katzen aufgenommen hat, sondern auch im Münchner Tierheim in Riem, das die restlichen 31 Katzen versorgt. Nicht alle schafften es, einige mussten eingeschläfert werden, die Überlebenden seien jedoch auf dem Weg der Besserung, berichten beide Tierheime.

Vor dem Tierheim stapeln sich die Kartons, in einer Ecke steht eine ganze Palette mit Katzenfutter. "Es kommt Katzenfutter, Spezialfutter, bis hin zu Kissen und Spielzeug. Früher bekamen wir am Tag drei Briefe und vielleicht ein Päckchen, heute kommt der Postbote mit einem Kastenwagen. Täglich erhalten wir 140 bis 160 E-Mails, zahlreiche Anrufe, die Leute kommen persönlich vorbei", sagt Anna-Maria Moser, die am liebsten jedem Einzelnen danken würde. "Ohne die Spenden könnten wir den Aufwand nicht bewältigen." In der Regel wollten Züchter helfen - auch mit Geldspenden. Vor allem der tierärztliche Aufwand für die Katzen ist laut Moser enorm, abgesehen vom persönlichen Einsatz der Tierschützer. "Anfangs waren die Katzen ganz verschreckt, aber nach einer Betreuung, die oft erst vor Mitternacht endet, haben sie jetzt wieder zum Menschen Vertrauen gefunden." Und tatsächlich, sie kommen sofort auf Besucher zu, schnurren und wollen gestreichelt werden, schmiegen sich an die Beine. Und das, obwohl sie erst vor rund zwei Wochen aus einem Martyrium gerettet wurden.

"Ich bin schon bei vielen Tierrettungen dabei gewesen, aber das war der schlimmste Fall, den ich je erlebt habe", sagt Moser, und berichtet von mumifizierten oder skelettierten Katzen, überall Kot und Urin. Von Katzen, die ohne Futter und Wasser angetroffen wurden, verfilzt, voller Flöhe und Parasiten, schwer krank, zehn mussten sofort eingeschläfert werden. Bis sie jedoch an neue Besitzer vermittelt werden könnten, das dauere noch einige Zeit, da sie noch lange nicht gesund seien.

Auch Judith Brettmeister vom Tierheim Riem berichtet, dass die Katzen auf dem Weg der Besserung seien. Allerdings müssten sie weiterhin in Quarantäne bleiben, da man einen sehr aggressiven Pilz festgestellt habe. Bis auf eine Katze würden inzwischen alle recht gut fressen und täglich Gewicht zulegen. Und wie in Landshut brach eine Spendenlawine über das Tierheim herein. "Wir bekommen täglich Anrufe von Leuten, die das Schicksal der Tiere sehr mitgenommen hat. Sogar aus den USA wird gespendet", sagt sie. Warum vor allem Züchter sich jetzt einsetzten, so Brettmeister, liege vermutlich an deren schlechtem Gewissen: "Jeder hat mal ein schwarzes Schaf in der Familie."

Um dem Wunsch vieler Tierfreunden zu erfüllen, gezielt spenden zu können, hat der Münchner Tierschutzverein inzwischen auf seiner Facebook-Seite eine Wunschliste veröffentlicht. Gesucht werden vor allem Fleecedecken, Plastikhöhlen, Spielzeug (kein Echtfell), große Handtücher, Kratzbretter (etwa 30 Zentimeter hoch), kleine, stabile Kratzbäume und Kotschaufeln. Alles Dinge, die auch im Landshuter Tierheim Heinzelwinkl abgegeben werden können. Trockenfutter solle wegen der starken Zahnfleischentzündungen der Katzen derzeit nicht gespendet werden, heißt es.