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Ein Gast der Ausstellung "Auch Ich in Arkadien" lässt die realistisch gemalten Bilder der Freisinger Künstlerin Brigitte Stenzel auf sich wirken.

(Foto: Sebastian Widmann)

Diözesanmuseum zeigt Bilderzyklus von Brigitte Stenzel

Von Christoph Dorner, Freising

Eine junge Frau im weißen T-Shirt und gelben Shorts steht barfuß auf einem Schatten werfenden Heuballen auf einer ortslosen Wiese. Wie eine Statue steht sie da, im leichten Ausfallschritt, die Hände in die Hüften gestemmt, den Kopf der hochsommerlichen Sonne entgegengereckt, die Augen geschlossen. Wer ist diese Frau auf dem Ölbild, das derzeit im Diözesanmuseum zu sehen ist? Es ist die Künstlerin höchstselbst: Brigitte Stenzel.

Die Freisingerin besuchte bis 2003 das Camerloher-Gymnasium und studierte im Anschluss zunächst Philosophie und Kunstgeschichte, später Malerei an der Akademie der Künste in München. Dort war sie Meisterschülerin und bekam 2015 das Diplom. Allein in diesem Jahr stellt sie ihre Werke in Salzburg, München, Marktoberdorf, Chemnitz und in Taiwan aus.

Ihr Freisinger Jahreszyklus war zwischen 2012 und 2013 als Auftragsarbeit für die Reihe "Junge Kunst" im Diözesanmuseum entstanden und hätte dort eigentlich längst präsentiert werden sollen. Die Ausstellung der acht großformatigen Ölbilder und zweier weiterer Bilderserien musste jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben werden, nachdem das Museum 2013 abrupt geschlossen worden war. Nun sind die Bilder noch bis Sonntag beim Museumsfest im Rahmen der Sonderausstellung "Zwischenspiel" zu sehen.

Für den Jahreszyklus hat Brigitte Stenzel im näheren Umkreis ihrer Heimat Sehnsuchtsräume jenseits gefälliger Postkartenmotive aufgespürt und sich darin ohne Überhöhung als eine Suchende inszeniert. "Auch Ich in Arkadien" heißt die Ausstellung, deren Titel auf den Mythos Arkadien Bezug nehme, schreibt Museumsleiter Christoph Kürzeder im Vorwort des Ausstellungskataloges. Die karge Gebirgslandschaft Arkadien auf der griechischen Halbinsel Peloponnes war bereits für die Maler der deutschen Romantik zu einer Projektionsfläche für die Harmonie zwischen Natur und Mensch geworden.

Dieser Sehnsucht spürte auch Stenzel nach, die sich als dem Licht zugewandte Figur innerhalb des Kreislaufs der Natur, den vier Jahreszeiten, malerisch verortet hat: Zur Wintersonnenwende auf einem schneebedeckten Hopfenfeld in der Holledau, am Ufer des Pullinger Weihers in ein Lagerfeuer starrend, und auf dem Domberg, ganz in Schwarz gekleidet und in die Ferne blickend. Dabei vereinen die Bilder in ihrer Suche nach Reinheit und Schönheit Romantik und Realismus.

Der Künstlerin gehe es aber weniger um das Lokalkolorit als um ein Überhöhen und gleichzeitiges kritisches Hinterfragen von Heimat, so Christoph Kürzeder. "Die Sehnsucht des Menschen wird größer, umso kleiner der reale Raum dafür wird", sagte der Theologe und Volkskundler, als er die Ausstellung, in der zwei weitere Serien Stenzels zu sehen sind, vor ihrer Eröffnung am Donnerstag ein letztes Mal abschreitet. In seinem Vorwort im Ausstellungskatalog zieht Kürzeder eine Verbindung zur dichten Besiedelung der "Boomregion" Freising und den Naturzerstörungen durch Flussregulierung, den Bau des Großflughafens und die intensive landwirtschaftliche Nutzung. Was passiert eigentlich, wenn wir uns blind den Anforderungen einer Industrie- und Mobilitätsgesellschaft unterwerfen, fragt Kürzeder. Ein Ausweg liegt in den Bildern von Brigitte Stenzel.