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1. Mai im Landkreis Freising:Brauchtum im Wartestand

Die traditionellen Maifeiern müssen heuer bereits zum zweiten Mal Corona-bedingt ausfallen. Die Burschen- und Maibaumvereine im Landkreis, die so sehr von der Gemeinschaft leben, stellt das auf eine harte Probe.

Von Gudrun Regelein, Freising

Der 1. Mai steht für den Frühlingsbeginn. In Bayern wird er in vielen Orten mit der Tradition des Maibaumaufstellens gefeiert - so auch im Landkreis Freising. Woher dieser Brauch komme, wisse man nicht genau, sagt Rudolf Goerge, der langjährige frühere Kreisheimatpfleger. Schon im Spätmittelalter wurde ein Bäumchen als Liebesbaum hingestellt. Später dann, im 17. Jahrhundert, galt er vor den Häusern der Adeligen als Ehrenbaum. Im 19. Jahrhundert schließlich, als Bayern Königreich wurde, war er Symbol für den Gemeinschaftssinn. "Das Maibaumaufstellen ist ein gemeinschaftsbildender Brauch", sagt Goerge. "Da ist die ganze Dorfgemeinschaft dabei und hilft mit. Das ist ein richtiges, großes Dorffest." In diesem Jahr wird es - coronabedingt - aber zum zweiten Mal in Folge ausfallen müssen.

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Vielerorts bleiben, wie hier in Eching, die Halterungen für die Maibäume am Samstag leer. Dort, wo es geht, lässt man noch die alten Bäume stehen. Der im Moosburger Ortsteil Thonstetten etwa hat vom TÜV das Okay für ein weiteres Jahr erhalten.

(Foto: Johannes Simon)

In einem normalen Jahr hätte man schon am vergangenen Wochenende einen Baum aus dem Wald geholt und ihn in den vergangenen Tagen bemalt und geschmückt, sagt Christian Weiß, Vorsitzende des Burschenvereins Eching. 30 bis 35 Burschen, der harte Kern der insgesamt 180 Mitglieder, sind bei der Maibaum-Aktion immer dabei, die halten dann auch die Wache bei einem Lagerfeuer und passen darauf auf, dass der Baum nicht gestohlen wird. Am 1. Mai hätte man diesen dann vor dem Huberwirt im Ortskern nach jahrhundertealter Tradition nur mit Muskelkraft aufgestellt. Danach wäre mit dem ganzen Ort ein großes, gemütliches Fest gefeiert worden. "Aber das fällt ja leider wieder aus, wie auch schon im vergangenen Jahr", sagt Weiß.

Eine kleine Alternative ist geplant

Resigniert haben die Burschen deshalb aber nicht: "Wir haben uns eine kleine Alternative überlegt", erzählt Weiß. Mehr mag er aber momentan noch nicht verraten, es solle schließlich eine Überraschung sein. "Wir wollen damit ein bisschen Hoffnung wecken, ein Zeichen setzen, dass es weitergehen wird", sagt er noch.

Maibaum in Freising, 2020

Auch um den Maibaum an der Erdinger Straße in Freising wird es am Samstag ruhig sein. Gesellige Zusammenkünfte sind derzeit verboten.

(Foto: Johannes Simon)

Weiß ist sich sicher, dass der Burschenverein nach der Corona-Krise noch eine Zukunft haben wird. Auch wenn das Brauchtum in Bayern in den vergangenen eineinhalb Jahren stark gelitten habe, sagt er: "Das ist komplett eingeschlafen." Denn das lebe von dem Beisammensein, dem Zusammensitzen und Ratschen bei den Stammtischen, Maifesten und Osterfeuern. Die ganzen traditionellen Veranstaltungen aber mussten seit vielen Monaten ausgefallen. Vereinsintern veranstalte man zwar noch Online-Stammtische, aber: "Auch das wird immer schwieriger. Es ist eben einfach nicht das Gleiche, mit einem Bier vor dem Bildschirm zu sitzen."

Verena Schuhbauer, die Vorsitzende der Maibaumfreunde Giggenhausen, hat sehr gehofft, den neuen Baum, den der Verein schon hat, nun endlich am 1. Mai aufstellen zu können. Der alte nämlich, der lange Zeit stehen blieb, musste nach der Prüfung durch den TÜV im vergangenen Herbst dann doch endlich umgelegt werden. Das Maibaumaufstellen aber sei ein "wichtiges Event", sagt Schuhbauer. "Das ist ein Dorffest für uns, bei dem Jung und Alt mitwirken." Eine Ersatzveranstaltung habe man für diesen Samstag nicht geplant, "wir machen gar nichts".

Dann wird es eben ein Septemberbaum

Aber der neue Baum werde - sobald es möglich ist - aufgestellt. "Egal wann das ist, dann haben wir eben einen September- oder Oktoberbaum." Brauchtum lebe von Gemeinschaft, sagt auch Schuhbauer. Momentan sei das Vereinsleben lahmgelegt. Nach der Krise aber werde dann alles noch schöner sein: "Wir alle, und auch die Jugend, vermissen doch etwas - verloren gehen wird das Brauchtum durch diese Zwangspause sicher nicht." Im Gegenteil: "Alle werden total froh sein, sich wieder treffen und gemeinsam etwas machen zu können." Auch in Thonstetten wird das Maifest in diesem Jahr erneut ausfallen. "Wir haben nichts in petto", sagt Josef Sixt, Vorsitzender des Katholischen Burschenvereins Thonstetten. Gemeinsam feiern könne man mit den etwa 25 Burschen im Verein wegen der Kontaktbeschränkungen ja nicht. "Und für uns ist es ja gerade wichtig, das möglichst viele Leute beieinander sind. Der Zusammenhalt macht uns doch aus." Eventuell werde man am Samstag aber zumindest am Maibaum ein neues Taferl anbringen.

Ein Jahr darf der Baum noch stehen

Der Baum steht schon seit 2017 in Thonstetten, berichtet Sixt. Wäre es nach dem normalen Turnus gegangen, dann wäre nach drei Jahren, also 2020, ein neuer aufgestellt worden - das aber ging nicht. Inzwischen habe ein Gutachter die Standsicherheit überprüft, ein Jahr darf der Maibaum nun noch stehen bleiben - das ist dann bereits sein fünftes Standjahr. "Wenn wir dann im kommenden Jahr auch keinen neuen aufstellen dürfen, wird es kritisch", sagt Sixt. "Aber sobald wir wieder dürfen, starten wir durch. Wir sind alle sehr motiviert und warten nur auf das Go."

© SZ vom 30.04.2021
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