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Altpapier sammeln für den guten Zweck:Nachfolgeprobleme in Freising

In der Stadt Freising wird das Pfarrer-Nikolaus-Reichl-Werk künftig kein Altpapier mehr sammeln.

(Foto: Marco Einfeldt)

Beim Pfarrer-Nikolaus-Reichl-Werk will niemand in die Fußstapfen von Rosalie Reichl, der Organisatorin der von ihrem Bruder Nikolaus gegründeten Papiersammlungen, treten. Deshalb wird es sie in der Stadt nicht mehr geben.

Dreimal im Jahr sind die ehrenamtlichen Helfer des Pfarrer-Nikolaus-Reichl-Werks im Landkreis unterwegs, um das vor den Haustüren abgelegte Altpapier einzusammeln. Anfang Juli ist wieder eine Sammlung in der Stadt Freising geplant - dort, in Palzing und Haindlfing wird es die letzte sein. Die Sammlung im Landkreis in Allershausen, Hohenkammer, Kirchdorf, Helfenbrunn und Nörting aber wird es zukünftig noch geben, betont Vorsitzende Regina Hüttl. Genauso stehen die großen Standcontainer in Haag, Langenbach, Volkmannsdorferau, Marzling und Moosburg für Papierspenden noch zur Verfügung.

Als Grund, dass in der Stadt Freising, in Haindlfing und Palzing kein Papier mehr eingesammelt wird, nennt Hüttl Nachfolgeprobleme. Rosalie Reichl, eine der Schwestern von Pfarrer Nikolaus Reichl, dem Initiator der Sammelaktion, sei hochbetagt. Nach dem Tode ihres Bruders 2005 hatte sie die Organisation übernommen, nun werde ihr das zu viel. Intern habe sich aber niemand gefunden, der diese Aufgabe übernehmen will.

Zudem wisse niemand, wie sich die Situation in Zeiten von Corona entwickeln werde, sagt Hüttl. Die Sammlung im Frühling musste bereits ausfallen, "wir sind froh, dass wir jetzt wenigstens die im Juli machen können". Aber auch mit den Sammlungen im Landkreis und mit den Containern habe der Verein noch genug zu tun: "Wir sind rundum auf Kante genäht."

Der Gewinn fließt in Hilfsprojekte auf der ganzen Welt

Schon seit vielen Jahren fahren am Sammeltag die Helfer mit Traktoren durch die Straßen und laden die auf dem Bürgersteig zu Bündeln zusammen geschnürten Zeitungen, Zeitschriften und Werbebroschüren auf. Der Gewinn, der mit dem Altpapier erzielt wird, geht in Projekte für bedürftige und benachteiligte Menschen auf der ganzen Welt. Die Spenden fließen oft in den Bereich der Jugend- und Erwachsenenbildung, die Verbesserung der Lebensgrundlagen und in eine Förderung des selbstbestimmten Lebens. Derzeit wird beispielsweise Pater Stefan Stirnemann, der in Guinea Straßenkindern ein neues Zuhause gibt und sich in dem westafrikanischen Land um Kranke und Menschen in Not kümmert, unterstützt. Und im Landkreis erhalten immer wieder die Freisinger und die Moosburger Tafel oder aber der Moosburger Verein "Navis" Spenden aus dem Erlös.

Es war der Marzlinger Pfarrer Nikolaus Reichl, der Anfang der Siebzigerjahre die Sammelaktion ins Leben rief. Zu Beginn seiner Tätigkeit nämlich stellte er fest, dass eine Firma im Raum Freising zwar zugunsten der Dritte-Welt-Arbeit einer Ordensgemeinschaft Altpapier und Altkleider sammelte, aber nur einen sehr geringen Prozentsatz des Erlöses für diesen Zweck zur Verfügung stellte. Der Pfarrer war empört - und begann, selber eine solche Sammlung mit ehrenamtlichen Helfern zu organisieren. Der Erlös aus dem Verkauf des Papiers wurde über die einzelnen Pfarreien an Missionare weitergeleitet, die damals noch in vielen Ländern der Dritten Welt tätig waren. Hilfe an vielen Orten der Welt - in Afrika, Südamerika und Indien - wurde möglich.

Nach dem Tod von Nikolaus Reichl im Jahr 2005 sollte sein Werk weitergeführt werden und ein gemeinnütziger Verein, das Pfarrer-Nikolaus-Reichl-Werk im Landkreis Freising, wurde gegründet. Bereits nach einigen Monaten fand schon die erste Altpapiersammlung des Vereins im Stadtgebiet von Freising und im Landkreis statt.

© SZ vom 29.06.2020/nta
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