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Freising:Familienfehde eskaliert in Prügelei

Zwei ältere Brüder setzen den Streit ihrer jüngeren Geschwister mit Fäusten fort. Einer wird dabei am Boden liegend mit Fußtritten von mehreren Angeklagten schwer verletzt. Weitere Zeugen sollen nun Klarheit in den Fall bringen

Dezember 2014: Zwei junge Männer haben Streit. Darauf stellt der ältere Bruder des einen, ein 22-jähriger Student, den anderen zur Rede und fordert von diesem eine Entschuldigung. Der andere lehnt das jedoch ab. Stattdessen taucht dessen älterer Bruder, heute 21 Jahre alt, im Januar mit einer Hand voll Freunden in einer Freisinger Bar auf und bittet den Studenten zu einer Aussprache vor die Tür. Doch das Gespräch führt er nicht mit Worten, sondern den Fäusten. Es kommt zu einer Rauferei. Als die beiden Widersache am Boden liegen, treten die herumstehenden Freunde des 21-Jährigen mit den Füßen auf den Studenten ein. Der erleidet eine Gehirnerschütterung, eine Schulterverletzung sowie Rippenprellungen und Blessuren im Gesicht.

Seit dieser Woche müssen sich der 21-Jährige und seine fünf mutmaßlichen Mittäter, zwischen 19 und 20 Jahre alt, vor dem Freisinger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Noch nicht ganz klar waren sich Richter Boris Schätz und seine beiden Schöffen am ersten Hauptverhandlungstag über die Rolle eines bereits achtfach vorbestraften Angeklagten, für den es um sehr viel geht. Er wurde im April 2014 nach einer Haftstrafe vorzeitig entlassen und stand zur Tatzeit unter offener Bewährung.

Sein Verteidiger möchte deshalb zusätzliche Zeugen hören, die nach seiner Überzeugung "zum Freispruch meines Mandanten führen". Das Gericht beschloss, am Dienstag, 29. September, einen weiteren Termin anzusetzen. Dann sollen auch ein weiterer Polizeibeamter gehört und ein Überwachungsvideo von dem Parkplatz in Augenschein genommen werden, auf dem sich die Schlägerei zugetragen hat. Es gilt zu klären, ob der unter Bewährung stehende Freisinger zugetreten hat, wie einige Zeugen aussagten, oder "eher schlichten wollte", wie es der Student - er ist im Prozess Nebenkläger - selbst wahrnahm. Er habe nicht gesehen, dass der 19-Jährige zugetreten habe, sagte er.

Nach Ansicht des angeklagten Brüderpaars, das im Mittelpunkt der "Familienfehde" stand, war das Opfer der eigentliche Aggressor. "Er hatte zwei Wochen zuvor eine Auseinandersetzung mit meinem Bruder, weil der Streit mit seinem Bruder hatte - und anschließend hat er mit 15 Leuten auf meinen Bruder eingetreten", behauptete der 21-Jährige. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder berichtete "von mindestens zehn Leuten", mit denen zusammen der Student ihn seiner Zeit getreten haben soll. Ihm hätten nach dem Vorfall "zwei Monate lang die Rippen und der Rücken wehgetan", erzählte der 19-jährige Angeklagte. Er ging aber weder zum Arzt noch erstattet er Anzeige. "Ich habe ihn nicht angezeigt, weil ich gedacht habe, wir können das mit Worten klären", sagte er. "Weil man das mit Worten klären kann, sitzen wir heute ja auch hier", entgegnete ihm der Richter.

Der ältere der beiden angeklagten Brüder bestritt, dass er sich bei der Auseinandersetzung im Januar an dem Studenten rächen wollte. "Ich wollte es ihm nicht heimzahlen, ich habe gesagt, dass ich mit ihm nur reden will - und zwar alleine." Dennoch folgte ihnen umgehend "die ganze Mannschaft hier", wie ein Zeuge mit Blick auf die gut gefüllte Anklagebank sagte. Der 21-Jährige behauptete, dass nicht nur der Student, sondern auch einigen der Umherstehenden - es waren am Ende wohl um die 30 Leute - getreten hätten. Die Schulterverletzung des Nebenklägers, der Fußball in der Landesliga spielt, sei bis heute nicht auskuriert und könne selbst durch eine Operation "nur mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit geheilt werden", berichtete dieser. Seit der Tat habe er nicht mehr gegen den Ball getreten.

© SZ vom 25.09.2015

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