Weihnachtsgeschäft 2022:Besser wärs, es würde mal schneien

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Weihnachtsgeschäft 2022: Für wie weihnachtliche Einkaufsstimmung in Freising fehlt im Moment noch der Schnee.

Für wie weihnachtliche Einkaufsstimmung in Freising fehlt im Moment noch der Schnee.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die erste Bilanz des Weihnachtsgeschäfts der Einzelhändler in Freising und Erding ist verhalten optimistisch. Viele Kunden fürchten offenbar die nächste Heizkostenabrechnung, andere sind durchaus in Shoppinglaune. Alle hoffen jetzt, dass die Stimmung noch weihnachtlicher wird.

Von Matthias Vogel, Freising

Der Einzelhandel ist am vergangenen Wochenende in einen ungewissen Advent geschlittert. Werden die Bürger allen Krisen trotzen, die Einkaufsmeilen der Landkreise Erding und Freising fluten und so für klingelnde Kassen sorgen? Oder wird gespart und das Weihnachtsgeschäft deshalb eher mau? Unter den Ladenbesitzerinnen und Kleinhändlern herrscht Zuversicht.

Nach zwei Jahren Frust kann in diesem Jahr zwar endlich wieder ohne Corona-Einschränkungen angeboten und gekauft werden, dafür hängt seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine das Damoklesschwert der nächsten Heizkostenabrechnung über den Köpfen der Menschen. Nicht erst seit dem ersten Adventswochenende nimmt Max-Josef Kirchmaier, Geschäftsführer der Aktiven City Freising, deshalb eine "verrückt komische Stimmung" in der Domstadt wahr.

"Es gibt die Kunden, die jetzt viel Wert auf Qualität zu legen scheinen und deshalb auch gerne tiefer in die Tasche greifen. Anderen ist gut und günstig immer noch zu teuer." Darüber hinaus habe er den Eindruck, dass die Freisinger dem Frieden noch nicht so richtig trauen. "Sie gehen nicht raus", sagt Kirchmaier. Das mache es den Geschäftstreibenden schwer, Aktionen zu planen. "Sie wissen beispielsweise nicht recht, ob ein verkaufsoffener Sonntag Sinn macht oder nicht."

In Freising lässt sich wieder gut flanieren

Der City-Manager glaubt nun dennoch an ein Anziehen des Geschäfts. "Es ist ja noch früh. Mit den Weihnachtsmärkten und den geplanten Events kommen sicher auch mehr Leute in die Stadt." Förderlich sei auch, dass nach der Umgestaltung der Oberen Altstadt bis Mitte Dezember die letzten Baustellen verschwunden sein sollen. "Dann lässt es sich auch dort wieder gut flanieren, die wunderschön dekorierten Schaufenster an der jetzt offenen Moosach sollte man gesehen haben", sagt Kirchmaier.

"Verhaltener Optimismus" herrsche bei ihr, sagt Jutta Ederer. Sie ist Filialleiterin bei Bücher Pustet in der Oberen Hauptstraße. Es ist ihre Angebotspalette, die sie trotz Energiekosten-Krise zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft blicken lässt. "Bücher lesen ist kein Luxus-Hobby. Für schöne Geschenke muss nicht viel Geld ausgegeben werden." Auch den Online-Handel als Konkurrenz fürchtet Ederer nicht. "Bücher unterliegen einer Preisbindung und eine Bestellung ist am nächsten Tag da. Und: Wer ein Buch als Geschenk kauft, macht dies erfahrungsgemäß gerne auf persönliche Empfehlung." "Ja", sagt Ederer, "es ist eine andere Zeit. Wegen Corona und Inflation generell und wegen der Baustellen vor unseren Läden im Speziellen." Herausforderungen, denen man sich eben stellen müsse. "Jammern hilft da nicht", findet die Filialleiterin.

Weihnachtsgeschäft 2022: In Erding gibt man sich krisenfest.

In Erding gibt man sich krisenfest.

(Foto: Renate Schmidt)

Krisenfest geben sich die Erdinger Konsumenten. Jedenfalls, wenn es nach den ersten Eindrücken von Wolfgang Kraus geht. "Ich war wirklich positiv davon überrascht, wie viele sich am vergangenen Wochenende schon in Shoppinglaune befanden", sagt Wolfgang Kraus von der Initiative "Erdings bunte Häuser" und Vorsitzender der Erdinger Einzelhändlervereinigung "Ardeo". Von seinem Modehaus Kraus aus hat er den besten Blick auf den Weihnachtsmarkt am Schrannenplatz. "Da ist natürlich auch richtig was geboten mit den Fahrgeschäften." Seinem Eindruck nach ließen sich die Menschen das kleine Glück einfach nicht nehmen. "Große Pläne werden womöglich verschoben, dafür gönnen sich die Familien ein paar Stunden Sorglosigkeit."

Für die Einordnung des Kaufverhaltens sei es freilich noch zu früh. "Aber wenn es gefällt, darf es offenbar auch in die Einkaufstüte", sagt Kraus. "Es ist eigentlich wie immer." Unter den 80 Mitgliedern der "Ardeo" sei die Stimmung "erstaunlich" normal, sagt er. "Klar gibt es Klagen. Manchmal passen eben Lage oder Konzept nicht. Das war aber auch schon immer so. Der Smalltalk hat sich um das Thema Gasrechnung erweitert, mehr ist es eigentlich nicht."

Größere Investitionen müssen warten

Ähnlich beschreibt Stefan Tremmel das Konsumverhalten der Dorfener. "In diesen unsicheren Zeiten müssen größere Investitionen warten, aber kleine Geschenke dürfen sein." In seiner Funktion als Vorsitzender des Förderkreises Dorfen rät er den Geschäftsinhabern, im Sortiment auch kleine günstige Produkte vorzuhalten, so noch nicht vorhanden. Als Besitzer des Elektrofachhandels "Der Heuschneider" hat er die Entwicklung einer Parallelgesellschaft beobachtet: Entweder kaufen sich die Verbraucher ausschließlich online ihre Artikel oder sie bevorzugen den stationären Handel. "Und den Beratungsklau gibt es nicht mehr. Wer zu uns reinkommt, kauft in der Regel auch bei uns. Das gilt meiner Meinung nach für alle Branchen." Tremmel ist jedenfalls positiv gestimmt und das liegt auch an der Klientel: "Die Dorfener lieben ihre kleinen Geschäfte und setzen daher gerne auf Regionalität."

"Die Lust, Geld auszugeben, ist gedämpft"

Wolfgang Billmayer führt das gleichnamige Modehaus in Freising und eine Filiale in Wartenberg, Landkreis Erding. "Die Lust Geld auszugeben, ist schon seit Kriegsbeginn in der Ukraine gedämpft", sagt er. Aber er glaube nicht, dass sich die Menschen Weihnachten vermiesen lassen werden. Was es nicht mehr gebe, sei das "Erlebnisshopping". "Also von einem Laden zum nächsten bummeln und dazwischen einen Kaffee trinken. Die Leute kaufen zielgerichtet ihre Produkte und gehen wieder nach Hause." Dazu würden sie seit Corona mehr Wert auf Regionalität legen."

Profiteure davon seien die kleineren Städte im Speckgürtel der Landeshauptstadt München. "Dort ist es überschaubarer." Sorgen mache er sich keine, sagt Billmayer, während der Pandemie habe er ja schließlich auch vier Monate Ladenschließung überstanden. Wunschfrei ist er dennoch nicht bezüglich des aktuellen Weihnachtsgeschäfts: "Es fehlt der Weihnachtsimpuls, es soll jetzt mal schneien."

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