bedeckt München 24°

Freisinger Arzt für Lockerung der Impfreihenfolge:Besser als wegwerfen

Auch im Landkreis Freising lehnen immer wieder Menschen den umstrittenen Impfstoff Astra Zeneca ab. Doch wer das Vakzin haben will, sollte es nach Ansicht von Odo Weyerer auch bekommen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Katharina R. (Name geändert) ist erst Anfang 20. Aber sie hat schon die erste Impfung gegen Covid-19 bekommen - obwohl sie laut Priorisierung eigentlich noch gar nicht an der Reihe ist. Die Freisingerin studiert in Regensburg. Vor etwa einer Woche war sie dort am frühen Abend mit einem Freund spazieren, zufällig in der Nähe des Impfzentrums. Gerade als sie dort entlang liefen, ging die Tür auf und eine Frau kam heraus, die die beiden fragte, ob sie sich bereits für die Impfung angemeldet haben. Als Katharina R. und ihr Freund das bejahten, fragte die Frau sie, ob sie jetzt gleich eine Impfung wollten - mit Astra Zeneca. Das Vakzin war übrig geblieben und solle nicht weggeworfen werden, erklärte sie. Katharina R. zögerte lange, als junge Frau gehört sie zur Risikogruppe - entschloss sich schließlich aber dennoch für die Impfung. "Ich habe sie bislang gut vertragen", sagt sie.

"Die Bürger sind verunsichert"

Astra Zeneca: der Impfstoff ist zuletzt in die Diskussion geraten. Erst hieß es, er solle nicht an Menschen, die über 65 Jahre alt sind, verimpft werden, nun soll er - nachdem es gerade bei jungen Frauen zu Komplikationen und schweren Thrombosen kam und es einen kurzen Impfstopp gab -, nur noch an über 60-Jährige verimpft werden. Im Freisinger Impfzentrum kam es immer wieder mal vor, dass Astra Zeneca abgelehnt wurde. "Die Bürger sind durch die Berichterstattung in den Medien verunsichert", sagt Landratsamt-Sprecherin Eva Zimmerhof. Derzeit stünden dort keine neuen Astra Zeneca-Termine an, das Vakzin wurde an Arztpraxen im Landkreis verteilt - in diesen wird es nun verimpft.

Astra Zeneca sei gekühlt längere Zeit haltbar. "Der Impfstoff, den unser Landkreis erhalten hat, ist es bis Ende Juni ", berichtet Eva Zimmerhof. Es seien je zehn Impfdosen in einer Flasche. Angebrochene Fläschchen halten sich im Kühlschrank zwei Tage. "Da geht es natürlich darum, gut zu planen, um nichts wegwerfen zu müssen." Im Impfzentrum selbst werden damit aber nur noch über 60-Jährige geimpft, aktuell hauptsächlich bei der Zweitimpfung. "Das Hin und Her mit Astra Zeneca hat viele verunsichert", sagt der Freisinger Hausarzt Odo Weyerer. Dass Patienten diesen Impfstoff nicht haben wollen, sei bei ihm kein Einzelfall, das passiere immer wieder. "Gerade eben sitzt im Nachbarzimmer eine über 70-jährige Dame, die eigentlich ihren Impftermin hat, aber Astra Zeneca nicht will. Sie wartet lieber auf Biontech", erzählt Weyerer. Er könne das auch verstehen, meint der Hausarzt. Dass junge Frauen nun sehr kritisch seien, sei nachzuvollziehen. Aber tatsächlich sei das Risiko für eine Thrombose bei einer Raucherin, die die Pille nehme, deutlich höher.

Spontane Impfungen in Erding

Falls nun aber immer mehr Menschen Astra Zeneca nicht haben wollen, hält er eine Lockerung der Impfreihenfolge für den richtigen Schritt: "Dann sollen ihn diejenigen, die ihn haben wollen, bekommen", sagt er. Das sei definitiv besser, als Impfstoff wegzuwerfen. Wie begehrt aber Astra Zeneca sein kann, zeigte sich am Osterwochenende: 550 Impfdosen waren dem Landkreis Erding als Spontanlieferung angekündigt worden, 500 waren es dann letztendlich. Für eine Terminvergabe war es zu spät, jeder aus der Prioritätsgruppe 1 und 2 über 60 Jahre konnte ohne Voranmeldung kommen. Die Folge: lange Schlangen vor dem Impfzentrum, mancher wartete umsonst, was zu einigem Missmut führte.

Im Landkreis Freising ist es bislang auch gelungen, dass keine Impfdosen liegen geblieben sind, berichtet Eva Zimmerhof. Neben der medizinischen Versorgung und Betreuung der Impflinge komme für die Kräfte des BRK Kreisverbands Freising und des Johanniter Ortsverbands Allershausen ein enormer Verwaltungsaufwand dazu, um die Termine passend zu den jeweiligen Impfstoffen und deren Lieferungen zu takten.

Große Lieferungen angekündigt

Dem Landkreis Freising wurde für die nächste Zeit so große Impfstofflieferungen angekündigt, dass das Impfzentrum jeden Tag seine Kapazitäten voll ausschöpfen könne: Gut 462 Menschen könnten dort dann täglich geimpft werden. Im Laufe der nächsten Woche sollen auch in einer neuen Impf-Außenstelle in Au täglich 108 Personen geimpft werden können. Außerdem kommen noch Aktionen wie die Impfung der Lehrer und Erzieher an anderen Orten dazu, sagt Zimmerhof. Insgesamt erhielten im Landkreis bislang etwa 18 700 Menschen die Erstimpfung und 10 500 ihre Zweitimpfung.

© SZ vom 08.04.2021
Zur SZ-Startseite
Coronavirus - Bayern

Corona-Krise in Bayern
:Welche Corona-Regeln jetzt in Bayern gelten

Größere Treffen, offene Restaurants, weniger Vorgaben fürs Shoppen: In Bayern ist nun wieder deutlich mehr möglich. Ein Überblick über alle Einschränkungen und Lockerungen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB