Freie Wähler im Kreis Freising:Wieder auf den Geschmack gekommen

Freie Wähler im Kreis Freising: Die Freien Wähler haben sich am Sonntagabend im Freisinger Hofbrauhauskeller zur Wahlnachlese getroffen.

Die Freien Wähler haben sich am Sonntagabend im Freisinger Hofbrauhauskeller zur Wahlnachlese getroffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

FW-Kandidat Karl Ecker will auch weiter politisch aktiv bleiben

Von Peter Becker, Freising

"Die letzten Stimmen bitte jetzt an uns Freien Wähler!" Mit diesem Tweet hat Hubert Aiwanger am Sonntagnachmittag einen Tabubruch begangen. Um die Freien Wähler vielleicht noch in den Bundestag zu pushen, reagierte er auf eine Trendmeldung der Forschungsgruppe Wahlen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, sondern nur den Kandidatinnen und Kandidaten sowie den Medien als Orientierungshilfe dienen soll. Dies ist ein Verstoß gegen das Bundeswahlgesetz und gegen den politischen Anstand. "Das geht einfach nicht", kommentiert Karl Ecker, Kandidat der Freien Wähler im Wahlkreis 214 das Verhalten seines "Chefs".

Wenn Aiwanger dies bewusst gemacht haben sollte, dann sei das nicht in Ordnung, sagt der ehemalige Bürgermeister der Marktgemeinde Au. "Das bringt nichts außer Ärger und Aufruhr." Gleichzeitig schränkt er im Zusammenhang mit seinem bisweilen irrlichternden Parteivorsitzenden ein: "Ohne Aiwanger wären wir nicht da, wo wir heute stehen." Konsequenzen für die verbleibenden zwei Jahre der Koalition im bayerischen Landtag sieht Ecker nicht. Er glaubt, dass der CSU die Hände gebunden sind. Neuwahlen wird sie in der jetzigen Situation nicht wagen wollen. Genauso wenig, wie den Freien Wählern die Zusammenarbeit aufzukündigen und dafür mit den Grünen zu koalieren. "Das wäre ein Bruch, den sich die CSU nicht leisten kann", glaubt Ecker. Dann bekäme sie mit den Konservativen in ihren Reihen ein mächtiges Problem.

Ecker sieht für die Zukunft das Problem, dass sich die Freien Wähler "breiter aufstellen müssen", falls sie jemals in den Bundestag einziehen wollen. "Man kann nicht nur mit einem Oberen arbeiten", sagt er. Doch hinter Aiwanger wird es bei den Freien Wählern personell dünn. Umweltminister Thorsten Glauber wäre einer. Ecker hält von ihm fachlich und menschlich sehr viel. Kultusminister Michael Piazolo dagegen sei ein ganz anderer Typ, der bei den Menschen nicht ganz so gut ankomme,

Persönlich ist Ecker mit seinem Abschneiden zufrieden. Im Vergleich zu den Wahlen vor vier Jahren haben die Freien Wähler im Wahlkreis zugelegt, im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sogar "richtig dazugewonnen", wie er sagt. Er sei unbekannt gewesen. "Ich musste dort erst mal anklopfen." Was den Landkreis Freising anbelangt, gehen immerhin zwei Gemeinden auf Eckers Konto. In Au und Rudelzhausen verwies er Erich Irlstorfer (CSU) auf den zweiten Platz. In Attenkirchen gab es lange Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das der christsoziale Kandidat am Ende für sich entschieden hat.

Von den Ergebnissen her gesehen ist es so wie bei den vergangenen Wahlen auch. Auf dem Land schneiden die Freien Wähler gut ab. In dem Moment, wo die Orte größer werden, ist es mit der Herrlichkeit vorbei. "Da haben wir Nachholbedarf", gibt Ecker zu. Denn in den Städten werde alles anonymer. Da gingen die Leute ehe auf die Parteien als auf die Personen. Ecker zieht für sich das Fazit, viele und gute Erfahrungen gemacht zu haben. Er sei mit namhaften Politikern zusammengekommen und habe gespürt: "Die kochen auch nur mit Wasser." Sein politischer Tatendrang ist jedenfalls noch nicht gestillt. "Ich bin wieder auf den Geschmack gekommen.

© SZ vom 28.09.2021
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