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Europawahl 2019:Freizügigkeit im Sport

In der Ringer-Bundesliga, in der auch der SV Siegfried Hallbergmoos aktiv ist, haben sich die Vereine eine freiwillige Ausländer-Beschränkung auferlegt. Diese gilt auch für EU-Bürger wie den Litauer Justas Petravicius (oben), der kommende Saison wieder für den SVS auf die Matte gehen wird.

(Foto: Marco Einfeldt)

Ausländerklauseln in den Satzungen von Sportverbänden sind unvereinbar mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU. Es gibt sie trotzdem, weil so der Vereinsnachwuchs gefördert wird. Das Problem: Auswärtige Sportler sind oft billiger und besser. Haßfurt, Burgau und Waldkirchen klagen jetzt gegen die Beschränkung der Eishockey-Landesliga.

Es ist dünnes Eis, auf dem sich manche Sportverbände und Vereine da rechtlich bewegen. Schon im Jahr 1995 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in seiner Bosman-Entscheidung Ausländerklauseln in den Verbandssatzungen von Profi-Fußballverbänden für unvereinbar mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union erklärt. Aber das Thema ist in einigen Sportarten nach wie vor aktuell. Auch im Landkreis.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) berichtete etwa vor knapp zwei Jahren in einem Newsletter, vermehrt Anfragen zu sogenannten Ausländerklauseln im Profi- und Amateursport zu erhalten. Und ihre Einschätzung dazu lautete: "Die nun in anderen Sportarten praktizierten Beschränkungen stellen teilweise eine Umgehung der Bosman-Rechtsprechung dar und sind dementsprechend ebenso wenig mit EU-Recht vereinbar." Auch die Landesliga-Eishockeyspieler des EV Moosburg und die Bundesliga-Ringer des SV Siegfried Hallbergmoos sehen sich mit dem Thema konfrontiert. In ihren Sportarten gibt es so genannte freiwillige Selbstbeschränkungen für den Einsatz ausländischer Athleten - und die gelten auch für Sportler aus der EU.

Besonders kurios ist die Lage im bayerischen Amateur-Eishockey. Dort haben sich die Vereine der Bayernliga freiwillig auf den Einsatz von nur zwei Ausländern pro Team geeinigt - egal ob aus der EU oder sonst wo her. In der Landesliga, welcher der EV Moosburg angehört, war eine solche Beschränkungen dagegen nicht bei allen Klubs durchsetzbar. Der ESC Haßfurt, der ESV Burgau und der ESV Waldkirchen beharrten auf einem unbeschränkten Einsatz von EU-Ausländern, was in der abgelaufenen Saison eine ganz besondere Brisanz erzeugte. Die schlechtesten Bayernligisten und die besten Landesligisten der Hauptrunde traten in einer so genannten Verzahnungsrunde gegeneinander an, um Auf- und Absteiger auszuspielen - und zwar nach den Regeln der Bayernliga. Die Landesligisten Haßfurt und Burgau setzten trotzdem mehr als zwei Ausländer ein. So verlor der EVM zwar 1:5 gegen Burgau, bekam aber die Punkte am Grünen Tisch, weil der Verband jeden Verstoß gegen die Ausländerregelung bestrafte und die Partien gegen die betreffenden Teams wertete. "Burgau hat sich zum Schluss dann an die Regel gehalten, Haßfurt hat es bis zum bitteren Ende durchgezogen und Wertungen kassiert", sagt EVM-Pressesprecher Bastian Amann.

Ausländische Spieler sind oft billiger und besser ausgebildet

Durch die Ausländerbeschränkung soll gewährleistet werden, dass heimische Spieler zum Einsatz kommen und der Nachwuchs aus dem eigenen Verein eine Chance hat, ohne von meist besseren Ausländern ausgestochen zu werden. "Es ist halt immer noch so, dass Spieler aus einer klassischen Eishockeynation wie Tschechien besser ausgebildet sind als viele Deutsche", sagt Amann. Und billiger sind sie - trotz der rund 1000 Euro, die man für eine Ausländer-Transferkarte hinlegen muss - oft auch. Vereine wie Waldkirchen argumentieren mit ihrer Grenznähe. Warum sollen zum Beispiel Spieler aus einem nah gelegenen Ort in Tschechien dort nicht spielen dürfen? Oder EU-Bürger, die in Waldkirchen oder Haßfurt ihren Lebensmittelpunkt haben? Man müsse eben entscheiden, wo man die Grenzen setze, meint der EVM-Pressesprecher. Wenn jemand wirklich in Haßfurt wohne, sei das natürlich was anderes, als jedes Wochenende einen früheren Erstliga-Profi aus Prag oder Budweis nur zu den Spielen kommen zu lassen. Es sei auch eine "Frage der Moral und der Fairness". Der EVM hat für sich entschieden, sich an die Regeln zu halten und Härtefälle in Kauf zu nehmen. So hatte der Verein als Bayernligist vor ein paar Jahren, als nur ein Ausländer erlaubt war, die tschechischen Kankovsky-Brüder im Team. "Die leben in Moosburg, seit sie zwölf oder 13 sind - aber es hat halt nur einer spielen können", so Amann. Rein rechtlich "brauchen wir nicht zu reden: wir sind in der EU". Und wenn Vereine Spieler aus Mitgliedsstaaten einsetzten, sei das aus dieser Sicht schon korrekt. Wie es nun weitergeht, wird sich zeigen. Haßfurt, Burgau und Waldkirchen haben vor einem ordentlichen Gericht gegen die Ausländerbeschränkung in der Landesliga geklagt. "Sie haben wahrscheinlich keine schlechten Chancen", meint der EVM-Pressesprecher.

Ähnlich sieht es beim Ringen aus. Michael Prill, Vorsitzender des SV Siegfried Hallbergmoos, ist überzeugt, dass ein Verein, der gegen die geltende Ausländerbeschränkung klagt, "hundertprozentig Recht bekommt". Bislang halten sich jedoch alle Klubs an die selbst auferlegte Regel, wonach von den zehn aufgestellten Kämpfern pro Team nur vier Ausländer sein dürfen - und von diesen wiederum nur einer aus einer Nation außerhalb der EU. "Wir machen das alle freiwillig, das haben wir auf einer Bundesliga-Tagung so beschlossen, um dem eigenen Nachwuchs eine Chance zu geben", sagt Prill.

Wobei es sich im Ringen um eine etwas weichere Ausländerbeschränkung mit fließenden Grenzen handelt. Wer seit sechs Jahren in Deutschland aktiv ist, gilt in der Bundesliga als Deutscher, auch wenn er die Staatsangehörigkeit nicht besitzt. Dasselbe gilt für Athleten, die vier Jahre lang im selben Verein ringen. Auch was den EU-Status anbelangt, sind die Beschränkungen nicht ganz so streng. "Sportler aus Ländern, die mit der EU assoziiert sind, gelten in der Bundesliga auch als EU-Ausländer", erklärt der Siegfried-Vorsitzende. So ist bei den Hallbergmoosern, die kommende Saison mit insgesamt sieben Ausländern im Kader an den Start gehen, der Türke Ahmet Bilici - was den Ausländer-Status angeht - etwa seinem Teamkollegen Richard Csercsics und Justas Petravicius gleichgestellt, obwohl diese aus Ungarn beziehungsweise Litauen stammen und somit EU-Bürger sind.