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Duell in Marzling:Wachstum als Herausforderung

Eines ist sicher: In der aufstrebenden Gemeinde Marzling wird es nach den Kommunalwahlen zwei Gemeinderäte mehr geben. Dieter Werner und sein Stellvertreter Martin Ernst treten außerdem gegeneinander an. Der eine will Bürgermeister bleiben, der andere will es werden.

Bei der Kommunalwahl wird es erneut zu einem Zweikampf zwischen dem amtierenden Bürgermeister Dieter Werner und dem zweiten Bürgermeister Martin Ernst kommen. Der eine will Bürgermeister bleiben, der andere will es werden. Schon 2008 kam es zu diesem Duell, damals gewann Werner mit 63 Prozent überlegen. Dieter Werner (Parteifreie Bürger) hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne weiter Bürgermeister der wachsenden Gemeinde vor den Toren Freisings bleiben würde. Fit genug fühle er sich. "Wir konnten einiges auf die Füße stellen. Es wäre schön, wenn wir das in den nächsten sechs Jahren weiterführen könnten", sagt der 48-Jährige. Besonders stolz ist er darauf, dass trotz der vielen umgesetzten Projekte die Schulden in den vergangenen sechs Jahren um ein Drittel reduziert werden konnten. Das derzeit wichtigste Vorhaben in der Gemeinde sei der geplante Sportpark, "der wird uns noch über viele Jahre hinweg beschäftigen." Zudem müsse man der Kinderbetreuung Aufmerksamkeit schenken, die Kapazitäten in der Gemeinde seien ausgereizt: "Das wird für uns ein heißes Thema bleiben", sagt Werner.

"Wir reden nicht nur - wie packen auch an": So lautet das Motto der Parteifreien Bürger, mit dem diese in den Wahlkampf gestartet sind. Als Ziele sind in dem Programm unter anderem eine maßvolle Ortsplanung, bedarfsgerechte familienpolitische Angebote, eine vernünftige Haushalts- und Finanzpolitik aber auch eine faire Nachbarschaft von Flughafen und Gemeinden ohne dritte Startbahn genannt.

"Ich sage ganz explizit, dass ich nicht pro forma kandidiere", hatte Martin Ernst (CSU und Freie Wähler) bei der Aufstellungsversammlung der Wählergruppe im Dezember betont. Seit 2002 ist er im Gemeinderat, seit Sommer 2012 stellvertretender Bürgermeister und im zweiten Anlauf will er nun das Rathaus erobern. In den vielen Jahren im Gemeinderat - wo er auch Mitglied des Rechnungsprüfungsausschusses und des Technischen Ausschusses war - habe er umfassende Einblicke in die kommunalen Tätigkeiten erhalten. Ernst gehört keiner Partei an: Er fühle sich dem Wohl aller Bürger verpflichtet, betont er. Als Teamplayer habe er das Wahlprogramm gemeinsam mit den Gemeinderatskandidaten seiner Wählergruppe erarbeitet: Sieben Themen werden dort genannt, ein Schwerpunkt bildet der Kampf gegen die dritte Startbahn. Daneben geht es um ein gesundes und behutsames Wachstum der Gemeinde, beim Thema Verkehr um die Schaffung von Geh- und Radwegen zur Stoibermühle, oder auch um einen bedarfsgerechten Ausbau der Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze. Außerdem möchte sich die Wählergruppe um eine energieeffiziente Entwicklung der Gemeinde kümmern und weiter Schulden abbauen. Weiteres Thema ist die Erweiterung des Sportplatzgeländes.

Als erstes werde er eine Bürgersprechstunde einführen, wenn er gewählt würde, sagt Ernst. Kommunikation sei ihm wichtig, "und natürlich möchte ich wissen, wo die Leute der Schuh drückt."Da im derzeit 14-köpfigen Gemeinderat sechs Mitglieder nicht mehr kandidieren und der neue Rat wegen der gestiegenen Einwohnerzahl zwei Sitze mehr umfasst, wird es ab Mai mindestens acht neue Gemeinderäte geben. Neben den Parteifreien Bürgern und der Wählergruppe CSU und Freie Wähler buhlen auch die Freie Unabhängige Wählergemeinschaft Marzling (FUW) sowie - nach vielen Jahren wieder - die SPD um die Gunst der Wähler. Die FUW will mit mindestens fünf Räten vertreten sein, alles andere bedeute Stillstand, so der Newcomer Jochen Benninger, der die Liste anführt. Diese setzt sich neben den wenigen bekannten Namen aus neuen, jungen Kandidaten zusammen. Laut Benninger alles Marzlinger Bürger, die sich engagieren wollten. Ihren Fokus legt die Wählergemeinschaft auch auf die Belebung der Marzlinger Dorfmitte. Weitere Schwerpunkte sind eine detaillierte Planung der Erweiterung des Sportgeländes für den Breitensport sowie ein größeres Angebot für die Jugend, beispielsweise eine Skater-Bahn. Zudem will die FUW eine sichere Verkehrsinfrastruktur schaffen und sich Gedanken über die Energiewende machen.

Die SPD hat in Marzling noch keinen eigenen Ortsverein, dennoch haben sich ihre etwa 15 Anhänger in der Gemeinde entschieden, eine Liste für die Gemeinderatswahl aufzustellen. Fünf Kandidaten, darunter eine Frau, sind auf ihr zu finden. Ihr ehrgeiziges Ziel lautet, mit mindestens zwei der Nominierten im neuen Rat vertreten zu sein. Ihre Themen sind eine größere Bürgerbeteiligung, eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs oder auch die Umsetzung der Energiewende in Marzling.

© SZ vom 18.02.2014

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