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Diskussion um Livestreams in Freising:Aufwendig und teuer

Livestreams sind derzeit die einzige Möglichkeit für Künstler, vor Publikum zu spielen. Doch professionelle Übertragungen haben ihren Preis

Soll mehr Freisinger Kultur per Stream ins Internet verlegt werden? Gar gefördert durch die Stadt Freising? Um diese Frage entzündete sich beim ebenfalls digitalen Kulturforum am Donnerstagabend eine lebhafte Diskussion.

Wie es gehen kann, schilderte Eike Berg, der Leiter im Europäischen Künstlerhaus Schafhof. Ihn hat im vergangenen Winter die Aktion des Kulturvereins Dreiklang beeindruckt, der im Schafhof mit professioneller Unterstützung Adventskonzerte live streamt. Trotz Bezahlschranke fand das Angebot regen Zuspruch. "Man sollte sich bewusst machen, welche Formate es da noch gibt", regte Berg an. Allerdings räumte er ein, dass die Schwierigkeit die technische Umsetzung sei. "Die Kameras und all das sind auf dem freien Markt unheimlich teuer", so Berg. Er überlegte, ob es deshalb nicht eine "reisende Technik-Crew" geben sollte, mit zwei Kameras und mobilem Internet, die dann unterschiedliche Künstler unterstützt. Wer das bezahlten soll, darüber allerdings sagte er nichts. Dass professionelle Übertragungen Geld kosten, bestätigte auch Gottfried Herrmann von Dreiklang, "ohne den Kulturfonds der Stadt hätten wir das alles nicht machen können".

Dennoch seien Livestreams derzeit die einzige Möglichkeit für Künstler, überhaupt vor Publikum spielen zu können, betonte Philipp Lachner von der Veranstaltungsfirma Eventunion. "Man kann jetzt nicht alles verschieben, denn später kann dann auch nichts mehr stattfinden. Die Clubs in München machen es ja auch so", argumentierte er. Die iranische Kinderbuchautorin Roya Klingner stimmte ihm zu und schlug vor, mehr digitale Ideen zu entwickeln.

Nur mit dem Stream allein sei es allerdings nicht getan, gab Fritz Andresen, der Leiter der Freisinger Stadtjugendpflege, zu bedenken. "Irgendwie braucht es ein gutes Konzept, das Publikum muss gefunden sein. Das ist sehr aufwendig und kostenintensiv, aber es kommt so wenig zurück. Wenn nur eine Band gestreamt wird, dann reicht das nicht, um viele Zuschauer zu finden." In diese Richtung gingen auch die Überlegungen von Ingo Bartha, dem Leiter des Referats für Kultur und Tourismus im Freisinger Rathaus: "Ich habe den Eindruck, dass die Künstler selbst auch unterschiedliche Positionen haben." Er plädierte stattdessen für "saubere Konzepte", mit denen man baldmöglichst wieder live vor Publikum spielen könne.

Manuela Paparizos, die Leiterin des Friesinger Innenstadt-Managementvereins Aktive City, dachte laut darüber nach, ob das eigene geplante Format von Online-Kochsessions zu einem speziellen Thema nicht ein geeigneter Ansatz für digitale Kooperationen sein könnte. Ihr schwebten da Gäste bei der Show aus verschiedenen Kulturrichtungen vor. Sie lud die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein: "Wer sich da einbringen möchte, der kann sich gerne bei der Aktiven City melden." Und Kultur-Chef Ingo Bartha verkniff sich die Bemerkung nicht: "Die Aktive City hat natürlich auch ein Budget für solche Sachen."

© SZ vom 27.02.2021 / av
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