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Deutliche Entscheidung in Moosburg:Energiewende schlägt Denkmalschutz

Alfred Wagner (Grüne) hat gegen die Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach gestimmt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Stadtrat bewilligt Fotovoltaikanlage in der Altstadt

Von Alexander Kappen, Moosburg

Die Stadt Moosburg lag in der Vergangenheit ja bereits das eine oder andere Mal mit dem Denkmalschutz über Kreuz. Und auch in Bezug auf ein privates Vorhaben an der Thalbacher Straße 2 gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Familie Wimmer möchte dort eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach ihres Wohnhauses errichten. Doch das Landesamt für Denkmalpflege stellt sich wegen der unmittelbaren Nähe zu Kastulusmünster und Johanneskirche aus Gründen des Ensembleschutzes quer. Das Freisinger Landratsamt hat sich dem angeschlossen und einen ersten Antrag abgelehnt. Der Moosburger Stadtrat ist beim Abwägen zwischen dem Beitrag zur Energiewende und dem Denkmalschutz am Montag zu einem anderen Ergebnis gekommen und hat das Vorhaben mit 21:1 Stimmen befürwortet.

In der Beschlussvorlage der Verwaltung wurde auf den Energiewendebeschluss vom Dezember 2007 verwiesen, wonach die Stadt im Jahr 2035 ihren Bedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien decken will. Um diesem Ziel näher zu kommen, befürworte der Stadtrat "natürlich das Anbringen von PV-Anlagen auf geeigneten Dachflächen im gesamten Stadtgebiet", heißt es in den Sitzungsunterlagen.

Michael Stanglmaier (Grüne), in seiner Funktion als Dritter Bürgermeister für Energie, Mobilität und Klimaschutz zuständig, konnte "nicht nachvollziehen, warum sich die Denkmalschutzbehörde dagegenstellt - da ist ein grundsätzliches Umdenken nötig". Man wolle ja keine PV-Anlage auf's Kirchendach schrauben, wie in Italien oder Deutschland sogar schon geschehen, sondern auf ein benachbartes Haus. "Da sieht man die Anlage fast gar nicht."

Widerspruch erntete Stanglmaier ausgerechnet von seinem Fraktionskollegen Alfred Wagner. Der kündigte an, gegen den Antrag zu stimmen. "Ich glaube, die Energiewende wird nicht scheitern, wenn wir an solchen Orten keine PV-Anlagen zulassen", sagte Wagner. "Wenn wir das so beschließen, öffnen wir die Türen für weitere Anträge, die wir nicht ablehnen können." Und vom Zehentstadel her kommend, was einer der Zugänge zur Innenstadt sei, sehe man die PV-Anlage prominent vor der Kirche: "Beim Abwägen zwischen Denkmalschutz und Energiewende entscheide ich mich hier für den Denkmalschutz."

Bürgermeister Josef Dollinger (FW) hätte gar nichts dagegen, wenn weitere solche Anträge kämen. "Der Solarstadt Moosburg würden diese gut zu Gesicht stehen." CSU-Fraktionssprecher Rudolf Heinz warnte davor, den Denkmalschutz gegen die Energiewende auszuspielen. Man müsse "immer abwägen", wo so eine Anlage verträglich sei. "Und an so einer Stelle wie hier, wo man es kaum sieht, ergänzen sich Energiewende und Denkmalschutz gut." FW-Fraktionschef Ludwig Kieninger sagte, "diese Anlage hier stört mich wesentlich weniger als ein Windrad mitten in der Landschaft". Martin Pschorr (SPD), der betonte, er werde "natürlich zustimmen", fragte, warum die Anlage auf die Westseite des Gebäudes komme. "Das ist ja normal nicht die beste Seite." Antragsteller Christoph Wimmer erläuterte, dass man die Ansicht der Johanneskirche von der relevanteren Ostseite nicht beinträchtigen wolle.

Johannes Becher (Grüne) erinnerte daran, dass bezüglich des Antrags noch eine Petition im Landtag anhängig sei, "die ist bis heute nicht abgeschlossen". Vor gut einem Jahr waren zwei Berichterstatter des Petitionsausschusses in Moosburg, um sich ein Bild zu machen. "Erst vertraten sie die Position: Das geht an dieser Stelle ja überhaupt nicht", erinnerte sich Becher. "Aber je länger sie drauf geschaut haben, desto klarer wurde, dass es nicht stört." An den Bürgermeister gerichtet, tat er seine Freude darüber kund, "dass das jetzt auf der Tagesordnung steht - das wäre unter der Vorgängerin eigentlich auch schon möglich gewesen".

© SZ vom 09.07.2020

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