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Bühne für Kulturschaffende:Kunst soll sichtbar bleiben

Die Augenoptikerin Katharina Neufeld organisiert eine Ausstellung in ihrem Geschäft - die Resonanz ist sehr gut

Von Johanna Pichler, Freising

"Künstlerinnen und Künstler sichtbar machen", das war das Ziel von Katharina Neufeld, Augenoptikermeisterin und Inhaberin des Geschäfts "Sichtbar Optik" in der Freisinger Innenstadt. Am Montagabend ging ihre Ausstellung "Sichtbar Bühne", mit der sie Kulturschaffenden eine Art Bühne bot, zu Ende und Neufeld zog Bilanz: "Die Resonanzen waren extrem gut, und es kamen immer wieder Leute in den Laden, die nach den Künstlern gefragt haben", sagt sie. "Es war wirklich cool und ich hoffe, dass am Ende auch viel bei den Künstlern angekommen ist". Die Ausstellung im Schaufenster dauerte sechs Wochen lang und ist zusätzlich noch virtuell auf der Website von "Sichtbar Optik" zu sehen.

Anfang des Jahres besuchte ein Kunde den Laden, um sich eine neue Brille auszusuchen. Dabei erzählte er der Ladenbesitzerin, dass er Künstler sei und Probleme habe, da alle Ausstellungen auf Grund von Corona abgesagt wurden. "Ich habe mir dann gedacht, dass es ja noch viel mehr Künstler gibt, auch Musiker und Bands, die ihre Kunst nicht einfach in ein Schaufenster stellen können", sagt Neufeld. Mit der Idee, Fotos und Bilder der Kulturschaffenden im Schaufenster zu platzieren, will sie vor allem Künstlern aus der Region eine Bühne geben. "Mein Bruder ist selbst DJ und daher hatte ich auch einen Draht zu dieser Thematik", erzählt sie weiter.

Schon vor der Pandemie veranstaltete die Augenoptikermeisterin regelmäßig Lounge-Abende, bei denen Künstlerinnen und Künstler live im Geschäft auftreten konnten. "Diese Abende habe ich meistens in Verbindung mit neuen Kollektionen veranstaltet, bis mir Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht hat", sagt Katharina Neufeld. Sie hofft, dass Kulturschaffende durch ihr Projekt eine größere Reichweite bekommen und sich auch kleinere Künstlerinnen und Künstler ein gutes Netzwerk aufbauen können. "Die Resonanz der Künstler war durchwegs positiv, alle waren ziemlich schnell dabei und wollten mich gerne unterstützen", erzählt die Ladenbesitzerin. "Die ausgestellten Künstler sollten auf irgendeine Art und Weise regional verbandelt sein. Entweder sie sind schon mal hier aufgetreten oder stammen direkt aus Freising". Schirmherrin des Projekts ist Bürgermeisterin Eva Bönig, die die Ausstellung auch virtuell eröffnet hat. "Ich bin von einer der Künstlerinnen angesprochen worden. Das war Denise Mankowski. Wir kannten uns schon, da sie schon öfter im Alten Gefängnis ausgestellt hat und ich auch häufig Ausstellungen eröffnet habe", erklärt Bönig. Auch sie hält die Aktion für eine gute Sache. "Künstler, die sich zeigen wollen, befinden sich momentan in einer fatalen Situation. Ich finde es toll, dass sich Geschäftsleute und Künstler zusammentun und ein Format kreieren, welches ohne unmittelbaren Austausch und Kontakt möglich ist." Trotz der vielen Einschränkungen ein derartiges Forum zu schaffen, gebe vielen Künstlern eine gute Möglichkeit, sich zu zeigen. "Natürlich kann das Projekt in keinster Weise eine normale Kunstausstellung ersetzen. Speziell in Freising sind wir da normalerweise ja auch sehr aktiv, aber es kann definitiv einen Anstoß geben", so Bönig weiter.

Die Künstlerin Denise Mankowski hat nicht nur die Bürgermeisterin auf das Projekt aufmerksam gemacht, sondern war auch selbst Teil der Ausstellung. "Frau Neufeld hat meinen Instagram-Account entdeckt und mir von der Aktion erzählt. Ich war ganz begeistert, und ich denke, sie ist auch super gelungen", meint die Malerin. Dass auch Kulturreferentin Susanne Günther und Bürgermeisterin Eva Bönig an dem Projekt beteiligt waren, sei eine gute Sache. "Die Aktion hat mich als Künstlerin auch weitergebracht, obwohl momentan natürlich viel Input fehlt. Ich wurde zum Beispiel kontaktiert, ob ich nicht im Impfzentrum ausstellen möchte", erzählt Denise Mankowski. "Ich fände es auch in Zukunft klasse, wenn noch mehr Läden ihre Schaufenster für die Kulturschaffenden nutzen würden".

© SZ vom 14.04.2021
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