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Bisherige Angebote kommen gut an:Landkreis will seniorenpolitische Impulse bündeln

Ausschuss spricht sich dafür aus, eine Stelle für einen Sozialplaner oder eine Sozialplanerin zu schaffen. Auch Pflegestützpunkte sollen bald eingerichtet werden

Von Peter Becker, Freising

Der demografische Wandel beschäftigt Organisationen und die Verwaltung im Landkreis Freising. Um den Herausforderungen zielgerichtet begegnen zu können, sind in der Seniorenarbeit aktuelle Zahlen und ein fortgeschriebenes seniorenpolitisches Gesamtkonzept erforderlich. Letzteres hat der Ausschuss für demografische und soziale Fragen des Kreistags am Donnerstag beschlossen. Weil ein konzertiertes Vorgehen aus Sicht der Verwaltung nur dann möglich ist, wenn alle seniorenpolitischen Impulse gebündelt werden, bedarf es darüber hinaus einer Person, welche diese sammelt und strukturiert. Einen solchen Sozialplaner oder eine solche Sozialplanerin will der Landkreis Freising anstellen. Der Ausschuss sprach dazu seine Empfehlung aus.

Deren Aufgabenschwerpunkt könnte nach Ansicht der Verwaltung die strategische Planung, die Sozialberichterstattung und das Aufstellen von Zielen für den Landkreis in der Seniorenpolitik sein. Vorgesehen ist im Stellenplan bereits eine halbe Stelle. Es entstehen jährliche Kosten in Höhe von etwa 37 000 Euro.

Die Pflege älterer Menschen und eine dazugehörige Fachberatung bilden einen Schwerpunkt im seniorenpolitischen Gesamtkonzept. Von der Gesundheitsregion und den ambulanten Diensten kam der Wunsch nach der Einrichtung einer ersten Anlaufstelle zur Beantwortung der Fragen von pflegenden Angehörigen. Besetzt ist die Stelle der unabhängigen Pflegeberatung seit April 2019 mit Diana Flammann. Sie habe den Pflegeberuf von der Pike auf gelernt, sagte sie im Ausschuss. Die hohe Nachfrage dokumentiert die Bedeutung der Stelle. Laut Verwaltung hat Flammann seitdem 1159 Beratungen durchgeführt. Nach Auskunft der Pflegeberaterin wollen die älteren Menschen solange es geht zu Hause in den eigenen vier Wänden bleiben. Nach wie vor sind aber Tagespflegeeinrichtungen rar im Landkreis. Es gibt es gerade einmal zwölf davon. "Es gibt oft sehr lange Wartezeiten", sagte Flammann. Bis ein Platz frei werde, sei mitunter der Grad der Pflegebedürftigkeit gestiegen. Hauptanliegen der Nachfragenden seien die plötzliche Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen, die Ersteinstufung oder Höherstufung eines Pflegegrades.

Mittlerweile habe die Verwaltung an den Bezirk Oberbayern die entsprechenden Anträge gestellt, um in den Genuss von Förderungen zur Einrichtung von Pflegestützpunkten im Landkreis zu kommen, versicherte Petra Lichtenfeld, Sachgebietsleiterin Betreuung und Pflege auf eine Nachfrage von Marianne Heigl (FW). "Alles ist am Werden." Der Landkreis Freising will die Beratung von pflegenden Angehörigen durch die Errichtung von Pflegestützpunkten erweitern. Neben Freising sind wohnortnahe Anlaufstellen in Eching oder Neufahrn sowie Moosburg oder Au angedacht. Flammann schwebt vor, dort Pflegekurse mit praktischen Übungen anzubieten.

Gedanken zu einem möglichen Pflegezentrum in Allershausen haben sich seit längerem die Gemeinderatsmitglieder Anna Gründel und Peter Colombo (PFW) gemacht. Bei ihrer Suche sind sie im Nachbarlandkreis Erding fündig geworden. Dort gibt es in der Gemeinde Finsing eine Niederlassung der Pflegestern Seniorenservice GmbH. Letztere wurde 2006 gegründet. Beteiligt sind die Landkreise Erding und Ebersberg sowie die Gemeinden Poing, Anzing, Grafing, Oberding und Finsing. Die Einrichtungen sind in kommunaler Trägerschaft. Gründel und Colombo sind der Ansicht, dass sich die Gemeinden im Landkreis da durchaus etwas abschauen könnten.

© SZ vom 19.04.2021
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