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Ausschusssitzung in Freising:Mangelnde Auslastung

Das MVV-Ruftaxi nach Sixthaselbach wird eingestellt. Doch der Landkreis möchte an "On-demand-Verkehr" festhalten

Von Alexandra Vettori, Freising

Das MVV-Ruftaxi auf der Linie 6800 von Palzing nach Sixthaselbach wird im Dezember 2022 eingestellt, der Rufbus für die Jugend im Landkreis, auch Partybus genannt, hat noch eine Galgenfrist bis nächstes Jahr. Doch das Problem ist bei beiden Linien dasselbe: Unwirtschaftlichkeit und sogar rückläufige Auslastung.

Beim Ruftaxi der Linie 6800 waren es im Jahr 2004 noch 5919 Fahrgäste, 2019 nur noch 2110 und im Corona-Jahr 2020 nur noch 1174. Regelmäßig, so hieß es in der Sitzungsvorlage des Kreistagsausschusses, der für Verkehr zuständig ist, weise der Linienast Palzing-Zolling sogar "0 Fahrgäste in der Monatsmeldung auf".

Das sind deutliche Zahlen. Dennoch würde man im Landkreis an Rufbussen oder "On-demand-Verkehr" (englisch für "auf Verlangen") gerne festhalten, denn auch für Senioren steht Mobilität ganz oben in der Wunschliste. "Aus der Seniorenpolitik gibt es deutliche Hinweise, dass da Bedarfe befriedigt werden müssen", betonte Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) in der Sitzung. Er berichtete von einem Landratstreffen kürzlich, bei dem man sich auch über Rufbusse austauschte, und er erfuhr, dass es durchaus auch gut laufende Linien gibt. Von denen allerdings, so Petz, höre man in der Regel nichts. Auch im Kreis Freising gebe es in Wang wohl eine Linie, die ganz gut laufe. Dabei sind es ganz unterschiedliche Modelle, die realisiert werden. Sie reichen von einer festen Route, die nur bei Bedarf gefahren wird, bis hin zu einem Rufbus, der seine Fahrgäste direkt von der Haustüre abholt und zum Ziel bringt, dafür aber natürlich teurer ist.

Anregungen erhofft man sich im Freisinger Landratsamt von einem Pilotprojekt des MVV, für das sich das Landratsamt beworben hat. Das sieht zumindest ein On-demand-System im südlichen Landkreis Freising vor. Ein Umstand, der zumindest bei Grünen-Kreisrat Michael Stanglmaier Verwunderung auslöste, im Landkreis-Norden gebe es schließlich wesentlich weniger Angebote. Allerdings war in der Sitzung zu dem Konzept, das der MVV bereits Ende Mai vorgestellt hat, nichts zu erfahren.

Schade fand Stanglmaier auch, dass es noch zweieinhalb Jahre dauert, bis das Pilotprojekt startet. Laut Zeitplan beginnt es mit einer sechsmonatigen Konzeptphase, in der ein Detailkonzept erarbeitet wird, Kosten und Nutzwagenkilometer kalkuliert werden. Dann folgt ein Jahr, in dem die Vorabbekanntmachung und die Förderungsbeantragung stattfinden. Und schließlich folgen die Ausschreibungs- und Vergabephase, die mit sechs bis acht Monaten angesetzt werden.

© SZ vom 14.06.2021
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