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Appell an die Stadt:Schadstoffe und Absturzgefahr

Bürgerverein steht Event-Arena am Flughafen kritisch gegenüber

Der Bürgerverein Freising steht den Plänen für eine Event-Arena auf dem Flughafengelände sehr kritisch gegenüber. Da der Stadt Freising im Genehmigungsprozess eine wichtige Rolle zukommt, appellieren Vereinsvorsitzender Reinhard Kendlbacher und sein Stellvertreter Wolfgang Herrmann an die Stadträte, die Fakten genau zu prüfen. Bedenken äußert der Verein vor allem wegen der Ultrafeinstaub-Belastung und der möglichen Gefahr eines Flugzeugabsturzes.

Durch umfangreiche Messungen habe der Bürgerverein nachgewiesen, dass "die Konzentrationen ultrafeiner Partikel (UFP) aus den Triebwerken und damit toxischer und kanzerogener Schadstoffe in der Atemluft besonders hoch" seien, heißt es in einem Schreiben an Freisings OB Tobias Eschenbacher und die Stadträte. Am Flughafenzaun seien Spitzenwerte von 1,3 Millionen Partikel pro Kubikzentimeter gemessen worden. Bei der Kindertagesstätte Airporthopser sei ein Durchschnittswert von 58 000 Partikel ermittelt worden. Besonders belastet seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem der Bodendienste. Doch auch für Besucher einzelner Veranstaltungen besteht aus Sicht des Bürgervereins ein Gesundheitsrisiko. UFP-belastete Atemluft könne sich schon nach kurzer Zeit auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.

Außerdem erinnert der Bürgerverein an den Flugzeugabsturz vom 6. Februar 1958 in München-Riem, bei dem die halbe Fußball-Mannschaft von Manchester United ums Leben kam. Der geplante Standort der Event-Arena liege zwischen den beiden Start- und Landebahnen drei Kilometer westlich des Towers - und somit etwa gleich weit vom Flughafen entfernt wie die damalige Absturzstelle. Das Thema Absturzrisiko sei auch während der Gerichtsverhandlung zur dritten Startbahn 2013 ausführlich behandelt worden. "Nach wie vor sind Start und Landung die am meisten gefährdeten Flugphasen", schreibt der Bürgerverein weiter.

Aufgrund dieser Risiken sei es "nicht nachvollziehbar, dass der Flughafen auch schon heute als Fun- und Eventpark missbraucht wird". Veranstaltungen wie Familientage, Marathonläufe oder Wellenreiten sowie Kindergärten oder Radrundwege "haben wegen der hohen Schadstoffbelastungen am Flughafen nichts zu suchen", kritisiert der Bürgerverein. Der Flughafen sei eine Zweckeinrichtung - "mehr als unbedingt notwendig sollte man sich den dort vorhandenen hohen Abgaskonzentrationen der Triebwerke nicht aussetzen". Deshalb appelliert der Verein an die Stadträte, "schon aus Fürsorgepflicht" die Ergebnisse der jetzt anlaufenden offiziellen UFP-Messungen der Uni Bayreuth abzuwarten.

OB Eschenbacher hatte Ende April im städtischen Finanzausschuss angedeutet, dass der Investor die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans anstrebt. Das Grundstück westlich der Agip-Tankstelle kann nicht so ohne Weiteres bebaut werden, weil es gemäß Landesentwicklungsplan in der "Vorrangfläche Flughafen" liegt. Damit ist eigentlich nur eine flughafenaffine Nutzung möglich. Über ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren könnte die Hürde aber womöglich überwunden werden und das Projekt in die Zuständigkeit der kommunalen Bauleitplanung fallen.

© SZ vom 14.06.2021 / psc
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