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Am Freisinger Schafhof:Wo die Bunte Hummel brummt

Der Landschaftspflegeverband klärt bei einem Informationstag über die Bedeutung von Streuobstwiesen für die Biodiversität auf. Insekten schätzen diesen Lebensraum. Aus den Früchten, die dort wachsen, lassen sich Säfte pressen. Imker nutzen sie zur Honigproduktion

Von Paulina Gastl, Freising

"Die Bunte Hummel hat Hunger. Kultur. Natur. Und Produkte aus Streuobstwiesen genießen im Schafhof": So lautetet das Motto des Streuobstwiesentags des Landschaftspflegeverbands Freising. Der hatte am Samstag auf dem Gelände des Schafhofes stattgefunden. Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne "Bayerns Ureinwohner", welche vom Umweltministerium und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) gefördert wird. Freising hatte sich erfolgreich auf diese Förderung bewerben, was die Veranstaltung im Schafhof erst möglich machte.

Ein buntes Rahmenprogramm gehörte am Sonntag zum Streuobstwiesentag des Landschaftspflegeverbands Freising auf dem Schafhofgelände.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Landschaftspflegeverband Freising hatte sich entschieden, eine bayerische Ureinwohnerin, nämlich die Bunte Hummel, in den Fokus zu rücken. Daher rührt der Name der Veranstaltung. Bei der Bunten Hummel handelt es sich nämlich nicht nur um irgendein Insekt, sondern um eine Art, welche zu den Ureinwohnern des Landes Bayern gehört und häufig Streuobstwiesen besiedeln. Dennoch ist das Insekt recht selten und steht aktuell auf der Vorwarnliste gefährdeter Tierarten in Deutschland.

Sogar Reitwanderungen wurde angeboten, um die Veranstaltung familiengerecht zu gestalten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Experten haben verschiedene Vorträge gehalten, um die Besucherinnen und Besucher über die Bedeutung der Streuobstwiesen für die Umwelt zu informieren. Auf dem Freiluftgelände rund um den Schafhof waren außerdem verschiedene Hersteller aus dem gesamten Landkreis anzutreffen, welche die Erträge der Streuobstwiesen in der näheren Umgebung nutzen, um allerlei Produkte herzustellen, wie zum Beispiel Honig, Schnaps oder Apfelsaft. Die Landesanstalt für Landwirtschaft lud zusätzlich zur Besichtigung ihrer Sonderausstellung ein, durch welche die vielfältige Nutzung der Streuobstwiesen deutlich werden sollte.

Auch für die Kleinsten wurde ein abwechslungsreiches Programm ausgearbeitet.

(Foto: Marco Einfeldt)

Trotz der Coronapandemie war die Veranstaltung erfolgreich, tatsächlich sogar besser besucht als im Jahr zuvor. "Durch unser Kinderprogramm und das gute Wetter konnten wir dieses Mal mehr Besucher als im Vorjahr begrüßen", sagte Fabian Eichhorn vom Landschaftspflegeverband. Denn auch für die Kleinsten wurde ein abwechslungsreiches Programm ausgearbeitet. So wurden Märchenerzählungen, Kinderschminken und sogar Reitwanderungen angeboten, um die Veranstaltung familiengerecht zu gestalten. Bei dieser handelte es sich um eine geschlossene Veranstaltung mit geladenen Gästen, bei der das Abstand halten, die ausreichenden Desinfektionsmittelspender und weitere Maßnahmen, einen Corona-konformen Ablauf des Tages möglich machten.

Ziel des Streuobstwiesentages war es, die Wichtigkeit dieser Form der Grünlandnutzung darzustellen und Wissen zu vermitteln. In den Vorträgen am Vormittag kamen Experten zu Wort, welche die Beweidung der Wiesen mit Pferden oder Schafen, oder beispielsweise auch die Bunte Hummel selbst, thematisierten. "Streuobstwiesen sind ein Hotspot für Biodiversität", so Eichhorn. Und diese Wiesen wissen die Menschen aus dem Landkreis zu nutzen, um allerlei Produkte herzustellen. Auf dem Außengelände des Schafhofs haben sie diese präsentiert und Einblicke in die Herstellung geboten. Familie Stockmeier aus Untermarchenbach verarbeitet Äpfel und andere Früchte zu Säften. Dabei haben sie etwa 50 Stammkunden, welche zum Großteil Privatkunden sind, die die Früchte aus ihrem Garten nicht ungenutzt lassen möchten. "Viele unserer Kunden haben sogar nur einen Baum", erklärt Silvia Stockmeier. Der Verarbeitungsprozess dauere dabei auch gar nicht lange, die Kunden liefern ihre Früchte an, welche daraufhin gepresst werden, was je nach Menge 15 bis 30 Minuten dauert. Danach können sie ihren Saft mit nach Hause nehmen und haben das Potenzial ihrer Streuobstwiese optimal ausgenutzt. Alfons und Manuela Aigner aus Freising sind Imker. Aus ihrem Honig stellen sie Bienenwachskerzen, Honigwein und den Schafhofhonig her. Vom Verband der bayerischen Bienenzüchter wurde ihr Honig vorige Woche mit Gold und Silber prämiert.

Durch die Veranstaltung des Streuobstwiesentags des Landschaftspflegeverbands Freising wurde ein vielfältiges Angebot geschaffen, bei dem den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geboten wurde, sich intensiv mit der Thematik der Streuobstwiesen und ihrer Bedeutung auseinanderzusetzen. Dabei konnten sie sich mit den Herstellern aus der Region austauschen und durch die Vorträge Insiderwissen aneignen. Durch die soliden Besucherzahlen zeigt sich: Freising weiß, wie man trotz Corona Veranstaltungen erfolgreich umsetzt.

© SZ vom 22.09.2020

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