Alles zugeparkt Hindernisparcours für die Feuerwehren

Enge Gassen in Altstädten, wie zum Beispiel hier im Unteren Graben in Freising, können für Feuerwehren bei Einsätzen zum Problem werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Vor allem in den kleinen Gassen der Altstädte sowie in Wohngebieten gibt es für die Einsatzkräfte oft kein Durchkommen. Auch die Bildung von Rettungsgassen auf den Autobahnen ist nach wie vor ein Problem.

Von Alexandra Vettori, Freising

Nur mit Mühe hat die Augsburger Berufsfeuerwehr am Wochenende im Stadtteil Oberhausen einen brennenden Dachstuhl löschen können. Denn die schmale Zufahrtsstraße war so mit Autos zugeparkt, dass die Feuerwehrfahrzeuge diese nicht passieren konnten. Eine Nachfrage beim Vorsitzenden des Feuerwehrverbands im Landkreis, Kreisbrandmeister Michael Hinterholzer, ergab, dass es zumindest in den Altstädten auch hier die eine oder andere Gasse gibt, in der Fahrer schwerer Feuerwehrautos ins Schwitzen kommen.

"Wir lassen unsere Fahrer bei Übungsfahrten extra die kleinen Gasserl fahren", erzählt Josef Schwertl, Kommandant der Moosburger Feuerwehr. Zum Glück sei es noch zu keinen ernsteren Problemen bei Einsätzen gekommen, doch Behinderungen gebe es öfter. "Da überlegt man dann, kann man sich anderweitig behelfen oder braucht man das Fahrzeug unbedingt direkt vor dem Haus", so Schwertl. Zwar könne man mit Schlauchleitungen auch längere Distanzen überwinden, "aber die Drehleiter kannst halt nicht 30 Meter weg parken". Schwertl kann sich an einen Einsatz erinnern, der schon 15 bis 20 Jahre zurück liegt. Damals habe ein Auto in der Feuerwehranfahrtszone geparkt. "Unser Fahrer war der Meinung, er kommt durch, ist er aber nicht, er ist hängen geblieben. Und dann hat die Einsatzleitung bestimmt: weiterfahren. Und es kam zu einem größeren Schaden an dem geparkten Wagen."

Auch der Kommandant der Freisinger Feuerwehr und Stadtbrandinspektor Anton Frankl erlebt immer wieder verantwortungslose Autofahrer vor allem in Wohnstraßen. "Die denken nicht daran, dass Rettungskräfte mit Lastwagen kommen." Auch in Freising greift man im Notfall zur Selbsthilfe, "mit Schaufeln unter den Reifen," wie Frankl erklärt. Angesichts der immer größeren und schwereren Autos komme man da aber an Grenzen.

Kreisbrandmeister Michael Hinterholzer weiß von keinen expliziten Problempunkten im Landkreis, auch wenn es Engstellen in Altstädten immer wieder gebe. "Das Problem ist generell die Parkplatzsituation. Da werden auch die fünf Meter Abstand zum Kreuzungsbereich oft nicht eingehalten." Ob die Feuerwehr sie behindernde Autos entfernt, liegt in ihrem Ermessen. "Wenn Gefahr im Verzug ist, darf und tut sie es auf jeden Fall", so Hinterholzer. Einen Fiat 500 könnten neun Mann leicht beiseite heben, bei einem dicken SUV sehe das anders aus. "In Amerika greifen die da wesentlich härter durch", weiß der Kreisbrandmeister. Ein viel größeres Problem für die Wehren im Landkreis seien aber die Rettungsgassen auf Autobahnen. Am Wochenende habe sich das bei einem Auffahrunfall auf der A 9 auf Höhe Fürholzen wieder gezeigt. "Wenn dann schon mal eine Gasse da ist, machen sie sie, wenn ein Feuerwehrfahrzeug durch ist, wieder zu. Daran, dass noch mehr kommen, denkt keiner." Dass sich die Situation verschärft hat, dass die Wehren immer größere Fahrzeuge haben, liege nicht nur am technischen Fortschritt, sondern auch daran, dass immer weniger Feuerwehrleute zur Verfügung stehen, so Hinterholzer. "Da versucht man, die neuen Fahrzeuge so zu bestücken, dass man mit weniger Leuten mehr stemmen kann." Wie die Sprecherin der Stadt Freising betont, wird die Feuerwehr bei Bauleitplanungen einbezogen. Wer in Feuerwehranfahrtszonen parke, müsse mit sofortigem Abschleppen rechnen. Doch wie Frankl betont, "schützt auch die beste Planung nicht gegen Unvernunft."