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16 Neufahrner Haushalte stellen fest:"Zero Waste" ist nicht so einfach

Fünf Wochen lang haben die Teilnehmer der Aktion "Müllfasten" ihre Abfälle genau unter die Lupe genommen und nach Verbesserungsideen gesucht. Doch nicht alles kann auch von jedem leicht umgesetzt werden

Von Birgit Grundner, Neufahrn

In einigen Neufahrner Haushalten wird manches künftig womöglich anders laufen: Die Haare werden mit spezieller Seife ohne aufwendige Plastikverpackung gewaschen. Obst und Gemüse kommen beim Einkaufen in mitgebrachte Säckchen. Und bei den Corona-bedingt gerade häufigen Online-Bestellungen lässt man im virtuellen Warenkorb erst einmal "bisschen was zusammenkommen", so dass alles auf einmal geliefert werden kann.

Das sind nur einige Maßnahmen, welche Teilnehmer der Aktion "Müllfasten" erfolgreich umgesetzt haben. Das Projekt hatte der Arbeitskreis "Schöpfung und Umwelt" der katholischen Pfarrei St. Franziskus organisiert. Eigentlich sollte es bereits vergangenes Jahr - nach einem Vortrag der Freisinger "Zero Waste"-Expertin Manuela Gaßner - starten. Wegen der Pandemie wurde es dann auf dieses Jahr verschoben und Mitte März trotz der immer noch schwierigen Voraussetzungen gestartet.

16 Haushalte - darunter auch die sechsköpfige Familie Kraus - haben fünf Wochen lang ihren "Alltagsmüll" genauer unter die Lupe genommen. In Mülltagebüchern, die der Arbeitskreis vorbereitet hatte, haben sie die angefallenen Abfallmengen, Kosten und auch Verbesserungsideen eingetragen. Die Notizen waren dann Grundlage für den Erfahrungsaustausch bei zwei virtuellen Treffen. Schwerpunkte bei den Gesprächen waren der verpackungsarme Einkauf von Lebensmitteln sowie die Einsparung von Verpackung und Mikroplastik bei Drogerieartikeln. Gesprochen wurde aber zum Beispiel auch über Müllvermeidung beim Pflanzenkauf - Stichwort: Setzlinge ohne Plastiktopf.

"Es ging nicht darum, zu erziehen", betont Sprecher Thomas Kraus: "Wir wollten einfach die Sensibilität für das Thema steigern." Das Spektrum der Teilnehmer reichte "vom absoluten Müllvermeidungsprofi bis zum ambitionierten Vermeider, der seine Grenzen kennt, aber momentan auch so akzeptieren muss". Das kann zum Beispiel eine Frage der Kosten sein. Kraus weiß aber auch: "Für einen durchschnittlichen Haushalt die Lebensmittel in Unverpacktläden regelmäßig einzukaufen, ist für viele eine logistische und zeitliche Herausforderung." Der Wochenmarkt am Freitagnachmittag sei für manche Berufstätige auch keine Alternative.

Zur Müllvermeidung gehört für den Arbeitskreis auch konsequente Mülltrennung - und das auch in Bereichen, in denen man noch gar nicht daran gedacht hatte: Die Klopapierrolle muss nicht im Abfalleimer im Bad und damit letztlich beim Restmüll landen, sondern kommt zu den Kartonagen. Milch kauft man nur noch in der Pfandflasche, und vom Papier des Metzgers zieht man die Folie ab, so dass die Einzelteile mit dem Altpapier oder im gelben Sack entsorgt werden können.

Beim Austausch hat sich bestätigt, dass viele ihre Besorgungen wegen Corona gerade bündeln und möglichst alles bei einem Vollsortimenter erledigen. Wenn man dort freilich Wurst und Käse lieber an der Theke als aufwendig verpackt aus dem Kühlregal holt, fällt auch schon einiges an Verpackung weg, wie Thomas Kraus betont. Das Resümee das Arbeitskreises: "Mit frischem Schwung nehmen wir weiterhin neue Herausforderungen an und kämpfen weiter für den Erhalt unserer Schöpfung."

© SZ vom 03.05.2021
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