Flüchtlinge Bei Bellevue di Monaco geht es los

An der Müllerstraße werden bald Flüchtlinge integriert. Bellevue di Monaco nimmt die Arbeit auf.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Der Erbpachtvertrag zwischen der Stadt München und Bellevue die Monaco ist unterschrieben.
  • Damit gehen nun die Renovierungen der drei städtischen Häuser in der Müllerstraße los, in denen später Flüchtlinge untergebracht werden sollen.
  • Neben der Unterkunft sollen Flüchtlinge hier auch Workshops, Sprachkurse und Kulturveranstaltungen vorfinden.
Von Thomas Anlauf

Ein paar Bilder hängen schon an den Wänden. Der alte Teppich wurde herausgerissen, das Gestrüpp vor den blinden Fenstern weggeschnitten. Im großen Raum stehen 60 gebrauchte Holzstühle, sie reichen aber bei Weitem nicht für den großen Andrang beim ersten "Infostüberl" der Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco. Vorne sitzen Vorstand und Aufsichtsrat deshalb auf zwei Tischen, in der Mitte baumelt Till Hofmann mit den Beinen und sagt unter dem Applaus von 150 Leuten: "Es geht jetzt endlich los."

Aus einer Vision kann nun Wirklichkeit werden. Am Donnerstag wurde zwischen der Stadt und der Gemeinnützigen Sozialgenossenschaft Bellevue di Monaco der Erbpachtvertrag für 40 Jahre unterzeichnet. Damit startet das wohl ungewöhnlichste Integrationsprojekt Bayerns in drei städtischen Gebäuden an der Müllerstraße. Die sollten eigentlich längst abgerissen werden, um Platz für geförderten Wohnungsbau zu schaffen.

Stattdessen werden nun die alten Häuser Stück für Stück behutsam saniert. Im Eckhaus, der Müllerstraße 6, werden acht Wohnungen für bis zu 16 junge Flüchtlinge in Zweier-WGs entstehen. Im Erdgeschoss, wo noch der Fahrradladen der Pedalhelden ist, wird es ein Info- und Beratungscafé geben, das auch von Geflüchteten betrieben werden soll. Im mittleren der drei Gebäude sollen Familien und Alleinerziehende wohnen, die als Flüchtlinge in München angekommen sind. Und an der Müllerstraße 2 werden auf zwei Etagen Kulturräume für Veranstaltungen sowie Büros eingerichtet.

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In den ehemaligen Abbruchhäusern an der Müllerstraße 2 bis 6 entstehen ein Begegnungszentrum und Wohnungen für Flüchtlinge.   Von Thomas Anlauf

Bereits im Mai wollen die Verantwortlichen von Bellevue di Monaco mit drei festen Mitarbeitern starten, "dann können wir mit dem Inhaltlichen loslegen", sagt der Kleinkunstbühnenbetreiber Hofmann, der mit Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat und Angela Bauer von der Kinder- und Jugendhilfeorganisation HPKJ den Bellevue-Vorstand bildet. Da im Haus Nummer 6 auch derzeit junge Flüchtlinge leben, wird die Sanierung zunächst im Haus Nummer 2 starten, wo bis zum endgültigen Umbau der drei Häuser auch die Kultur- und Informationsveranstaltungen, aber auch Workshops und Sprachkurse stattfinden werden.

Wie die Renovierung organisiert wird

Die Renovierung übernimmt das Münchner Büro "Hirner und Riehl Architekten und Stadtplaner", das mit seinem Sanierungskonzept unter sechs eingeladenen Architekturbüros den Zuschlag erhalten hat. Man wolle "möglichst wenig am Bestand ändern", sagt Architekt Matthias Marschner. Als "Herantasten" bezeichnet er den behutsamen Umbau. Schließlich steht auch nicht allzu viel Geld für die Sanierung zur Verfügung. Die Stadt stellt einen einmaligen Renovierungszuschuss von 1,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Viele der 360 Mitglieder der Sozialgenossenschaft haben bereits angeboten, bei den Arbeiten mitzuhelfen. Aber auch Flüchtlinge sollen aktiv in die Sanierung der drei Häuser eingebunden werden. "Die Renovierung wird Teil der Integrationsarbeit", sagt Marschner. So will das Architekturbüro mit Firmen zusammenarbeiten, die bereit sind, auch Flüchtlinge während der Bauphase einzubinden. So könnten einige dort Lehrstellen oder sogar einen richtigen Job finden, glaubt der Münchner Architekt. "Das ist auch die große Herausforderung, dass die Geflüchteten hier ihren Platz finden und nicht nur Zaungäste sind", sagt Weinzierl.

Das Bellevue di Monaco soll nicht nur eine Unterkunft für insgesamt 40 junge Flüchtlinge sein, sondern möglichst auch Arbeitsplatz und Begegnungsstätte mit anderen Geflüchteten und Münchnern. "Das wird hier nicht die Insel der Seligen, es soll auch ein streitbarer Ort werden", so Weinzierl. So wird es wohl auch Diskussionen über die europäische Flüchtlingspolitik oder die bayerische Haltung in der Frage geben, warum im Freistaat erwachsene Flüchtlinge in Sammelunterkünften untergebracht werden sollen. Das Integrationsprojekt Bellevue di Monaco bildet da in gewisser Weise eine Ausnahme.

Im Haus Müllerstraße 4 sollen vor allem junge Familien untergebracht werden, die eigentlich in einer Sammelunterkunft leben müssten, aber wegen besonderer Lebensumstände in eine Wohnung ziehen dürfen. Das kann etwa der Fall sein, wenn ein Kind behindert ist oder die Mutter alleinerziehend. In allen Fällen werden die an der Müllerstraße untergekommenen Flüchtlinge von der Jugendhilfe betreut und können so lange bleiben, bis sie ohne Hilfe in München zurechtkommen. "Bellevue ist die Startrampe für das eigene Leben", sagt Bellevue-Aufsichtsrat Johannes Seiser.

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