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Fischerstüberl:Einer geht noch

Familiäres Feuchtbiotop

Klaus Schaffarczyk ist ein Wirt alter Schule: Nicht der Tresen ist sein Arbeitsplatz, sondern Tür und Tische. Ab etwa ein Uhr nachts begrüßt er die Gäste persönlich, setzt sich zu ihnen und trinkt hin und wieder auch mal ein Schnapserl mit, obwohl er privat gar keinen Alkohol konsumiert.

Den Wirt einer Absacker-Kneipe stellt man sich eigentlich anders vor: vergilbter Bart, Zigarette zwischen den Lippen, selbst sein bester Gast. Der 70-Jährige Schaffarczyk wirkt dagegen wie ein jung gebliebener Geschäftsmann. Er trägt ein sorfältig gebügeltes, blau-weiß gestreiftes Hemd und eine kostspielig wirkende Brille.

Vor fünf Jahren übernahm Klaus Schaffarczyk mit Sohn Markus das Fischerstüberl und renovierte die alte Fregatte sachte. Die ozeanische Dekoration ist geblieben, nur Tische, Bänke und die Bar wurden ersetzt. Nun ziert eine silbern glänzende "Fischhaut" Bänke und Tresen. "Dass sich die Sperrstunde vom Fischerstüberl immer weiter in den Morgen verschoben hat, ist meinem Vorgänger zu verdanken.

"Heribert Kandler hat das Fischerstüberl 25 Jahre lang geführt", erzählt Schaffarczyk. Viel hat der "Neue" nicht verändert. Auch der Koch ist noch derselbe. Die berühmten Miesmuscheln in Wurzelsud, Weißwein, Pfefferrahm, Tomatensauce oder Pernot gibt's also immer noch in gleichguter Qualität. Und auch um sechs Uhr morgens bekommt man hier noch einen frischen, warmen Schweinsbraten, und zwar eine große Portion mit zweierlei Knödeln für 5,90 Euro!

Eigentlich ein Grund, auch mal zur normalen "Abendessenszeit" im Fischerstüberl hereinzuschauen - was aber nur wenige tun. "Es könnten schon mehr sein", meint Schaffarczyk leicht resigniert. Wo er doch extra bis 22 Uhr im Fischerstüberl nicht rauchen lässt. Danach verwandelt sich sein Lokal nämlich in einen Raucherclub.

Trickreich wie viele bayerische Wirte hat er sich gegen das neue Rauchverbot in Gaststätten gewehrt und ein elektronisches Zugangssystem mit Clubkarte installiert. Wobei das so ganz einfach auch nicht ist: "Der eine find die Glocke net. Der andre unterschreibt den Mitgliedsantrag mit Didi Hallervorden", klagt Schaffarczyk.

Ramba Zamba zur Wiesn-Zeit

Die Wiesn verspricht jährlich eine starke Böe. Die Tische werden zu dem Zweck rausgeschafft und Bierbänke hineingestellt, denn da passen mehr Leute drauf. 16 Tage ist dann im proppenvollen Fischerstüberl Ramba Zamba angesagt. Je länger wir im Fischerstüberl sitzen, desto gemütlicher wird es. Die Luft ist langsam so dick, dass man sie mit der langen Säge, die an der Wand hängt und einst einem Sägefisch gehörte, schneiden könnte. Man erwartet fast, dass gleich ein Nebelhorn erklingt.

Und da ist es wieder, das Gefühl mit einer wilden Horde unterschiedlichster Menschen einfach aufs offene Meer, in die ungewisse Zukunft der Nacht hinauszuschippern. Neben uns werden Berge dampfender Muscheln aufgestischt. Was interessiert uns morgen? Wir werfen unsere Uhr über Bord und wünschen uns und dem Fischerstüberl einfach "Mast- und Schotbruch".

Fischerstüberl, Lindwurmstraße 111, 80337 München, Telefon 089/76 35 77

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