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Erneut Klatten-Erpresser verurteil:Ein schlechter Versuch

Ein Kleinkrimineller hat die Quandt-Erbin Susanne Klatten erpresst - und dann behauptet, ein V-Mann der Polizei zu sein. Die Richterin glaubte ihm kein Wort.

Nach eigener Darstellung unterhält Johannes F. beste Beziehungen zur Bochumer Polizei. Die hätte ihn öfters als V-Mann eingesetzt - und zwar "erfolgreich", wie auch sein Anwalt betont. Doch die Kontakte im Ruhrpott nützen dem 50-jährigen Kleinkriminellen in München wenig: Am Donnerstag saß er im Amtsgericht auf der Anklagebank, weil er versucht hatte, die Quandt-Erbin Susanne Klatten zu erpressen. Zweieinhalb Jahre Haft kassierte er am Ende, die Ankläger hoffen, damit weitere sogenannte Trittbrettfahrer abzuschrecken.

Der spektakuläre Erpressungsfall Klatten beherrschte Ende 2008 wochenlang die Schlagzeilen. Der Schweizer Gigolo Helg Sgarbi, 44, hatte die 47-jährige Milliardärin mit einem Video erpresst, das ohne ihr Wissen bei intimen Treffen in einem Münchner Hotel gemacht wurde.

Klatten zahlte sieben Millionen Euro, als Sgarbi mehr forderte, ging sie zur Polizei. Im März dieses Jahres wurde der Schweizer vom Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Über den Verbleib des Videos und der Millionen schweigt er eisern.

Auf die Unterwelt scheint die Geschichte seither einen unwiderstehlichen Reiz auszuüben. Immer wieder versuchen sogenannte Trittbrettfahrer, Klatten mit dem Hinweis zu erpressen, sie seien im Besitz des kompromittierenden Films. Der Bochumer Johannes F., geschiedener Lkw-Fahrer und Kleinkrimineller mit zehn Vorstrafen, schickte im März dieses Jahres einen anonymen Brief an die 47-Jährige.

Er habe im Gefängnis Helg Sgarbi kennengelernt und sei so über Mittelsmänner in den Besitz des Videos gelangt. Für ein "Darlehen" in Höhe von 75.000 Euro bekomme sie das Original mitsamt dreier Kopien zugeschickt. "Die 75.000 Euro werden Ihnen nicht weh tun."

Bei der Übergabe des Geldes in einem Bochumer Café schlug die Polizei am 27. März zu, seither sitzt Johannes F. in Untersuchungshaft. Ein erster Prozessversuch scheiterte im Juli, weil er überraschend eine Ex-Verlobte als angebliche Komplizin präsentierte.

Am Donnerstag tischte er eine neue Version auf: Danach will er sich Klatten und der Münchner Staatsanwaltschaft als V-Mann angeboten haben, um im Gefängnis Sgarbi auszuhorchen. Natürlich nicht umsonst, sondern gegen Entlohnung: "Wer geht schon freiwillig in den Knast?" Zu keinem Zeitpunkt, beteuerte der Angeklagte, "habe ich vorgehabt, Frau Klatten zu erpressen".

Überzeugen konnte er mit dieser Version weder Richterin noch Staatsanwalt. Weder bei Susanne Klatten noch bei den Anklägern ging jemals ein Angebot oder ein Brief über eine V-Mann-Tätigkeit ein. "Was für einen Sinn sollte das bei Frau Klatten auch machen", fragte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Er fordert wegen versuchter Erpressung eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren, auch um ein "Signal" zu setzen für mögliche Nachahmer.

Das Amtsgericht beließ es bei zwei Jahren und sechs Monaten Haft, wobei es den "Dilettantismus" der Tat strafmildernd berücksichtigte. "Ob Sie Ihre Geschichten selbst glauben, weiß ich nicht", meinte die Richterin. "Wir glauben Ihnen kein Wort."

Johannes F. stöhnte hörbar auf, auf ihn kommt nun ein weitaus längerer Gefängnisaufenthalt zu, da auch noch der Widerruf von mehreren offenen Bewährungsstrafen droht. Die Staatsanwaltschaft hat bereits die nächste Anklage gegen vier mutmaßliche Klatten-Erpresser vorbereitet.

Die Männer aus Duisburg sollen von der Quandt-Erbin einen BMW X 5 und 800.000 Euro verlangt haben. Die Kontaktaufnahme erfolgte über Zeitungsanzeigen, das Kennwort lautete "Kuschelbär". Ein Termin für diesen Prozess steht noch nicht fest.

© SZ vom 18.09.2009

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