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Taufkirchen:Gefährliche Parasiten auf wilden Beeren

Fuchs sucht Nahrung in Abfalltonnen

Die Jäger haben im Herbst und Winter Füchse geschossen - das Ergebnis der Untersuchung war so beunruhigend, dass nun die Bevölkerung gewarnt wird.

(Foto: dpa)

Jäger warnen: Im Taufkirchener Revier ist jeder dritte Fuchs mit dem für Menschen lebensbedrohlichen Fuchsbandwurm infiziert. Wald- und Feldfrüchte sollen vor dem Verzehr unbedingt gewaschen werden

Finger weg von wilden Brombeeren, Waldhimbeeren und Walderdbeeren, die rund um Taufkirchen wachsen. Denn auf ihnen können sich Eier des Fuchsbandwurms befinden, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Auch im Fell von streunenden Hunden und Katzen können sich Spuren von infiziertem Kot befinden. Etwa jeder dritte Taufkirchener Fuchs ist nach Angaben der Jäger von diesem Parasiten betroffen. Für Menschen ist die Fuchsbandwurmkrankheit gefährlich und bei Nichtbehandlung sogar lebensbedrohlich.

Wenn man beim Menschen landläufig von einem Bandwurmbefall spricht, ist damit der Rinderbandwurm gemeint. Dazu kann es kommen, wenn man rohes oder nicht genügend erhitztes Rindfleisch isst. Das ist eklig, aber weitgehend harmlos, weil dieser Parasit über den Darm wieder ausgeschieden wird, ohne dass dabei nennenswerte Schäden auftreten. Die infektiösen Eier beziehungsweise Larven des Fuchsbandwurms wird man jedoch nicht mehr los. Sie bilden ein Finnengewebe genante Struktur, die wächst und wächst und als Tumor vorzugsweise die menschliche Leber befällt. Im Frühstadium kann dieser Tumor zwar chirurgisch entfernt werden, in 70 bis 80 Prozent der Fälle wird diese Erkrankung jedoch zu spät erkannt.

Der Fuchsbandwurm tritt sporadisch immer wieder mal im Landkreis auf. Bei der aktuellen Befallsdichte in Taufkirchen handele es sich aber um eine "deutliche Ausbreitung", sagte Thomas Schreder, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Erding. Die Fuchspopulation in dem etwa 15 000 Hektar großen Taufkirchener Revier schätzt Rudi Hamberger auf 300 bis 500 Tiere. Hamberger ist der zuständige Hegeringleiter. Die Taufkirchener Jäger haben im Herbst und Winter etliche Füchse geschossen und, wie üblich, an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Oberschleißheim zur Untersuchung eingeschickt. Vom Ergebnis waren die Jäger so beunruhigt, dass sie nun im aktuellen "Kompass", dem Amtsblatt der Gemeinde Taufkirchen, die Bevölkerung warnen: "Wenn sich die Larven des Fuchsbandwurms erst in der Leber festgesetzt haben, ist eine Heilung kaum mehr möglich. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vor einer Infektion vorbeugend zu schützen. Nach jeglichem Tierkontakt sowie nach einem Spaziergang durch Wald und Wiesen sollte man die Hände sowie verschmutzte Kleidung waschen. Auch Wald- und Feldfrüchte sollten nicht ungewaschen verzehrt werden." Bei Schwammerln bestehe jedoch keine Gefahr, sagte Schreder. Denn Maronen und Steinpilze verzehre man nicht roh, und durch die Hitze beim Kochen oder Braten werden die Parasiten zerstört. Dennoch sollte man sich nach dem Suchen und auch nach dem Putzen der Schwammerl gründlich die Hände waschen.

Ferner sollte man streunende Katzen regelmäßig entwurmen, denn sie können sich die Parasiten von den gleichen Zwischenwirten holen, die auch für die Übertragung auf den Fuchs verantwortlich sind: Mäuse, Ratten und andere Nagetiere. "Ich entwurme meine Katze drei mal im Jahr", empfiehlt Hegeringleiter Hamberger.

Es habe zwar schon mal ein Pilotprojekt der TU München gegeben, bei man den Fuchsbandwurm mit Ködern bekämpft hat, in denen sich Entwurmungstabletten befanden, sagte Schreder. "Das ist temporär eine ganz gute Geschichte, aber nicht Sache der Jäger. Unsere einzige Möglichkeit ist es, die Fuchsdichte auszulichten und die Individuen zu reduzieren." Mit dem Abschuss kann aber noch nicht begonnen werden, weil die Füchsinnen jetzt ihre Jungen haben und der Muttertierschutz greife. Erst wenn die Jungtiere selbständig sind, ist die Fuchsjagd erlaubt. Die Fuchsbejagung sei allerdings "komplizierter als man sich das vorstellt", sagte Schreder, weil Füchse sehr gut hören, riechen und sehen können: "Ein Rascheln einer Goretexjacke - und der Fuchs ist weg."

© SZ vom 04.04.2016

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