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Tassilo:Wo die Kunst aufblüht

Bei der Isental Open Art verbinden sich inspirierende Hausbesuche bei Malerinnen, Bildhauern und Zeichnern mit einem sommerlichen Ausflug aufs Land. Ein kreativer Austausch in beiderseitigem Interesse

Von Florian Tempel, Isen/Dorfen

Viele auf dem Gruppenbild von 2019 wollen auch in diesem Jahr dabei sein, einige pausieren, andere sind 2021 neu dabei.

(Foto: IOA)

Das Isental kennt man außerhalb des Isentals vor allem als Autobahntrasse. Das ist traurig. Denn die Landschaft entlang des Flüsschens Isen ist abseites des lärmenden Einzugsbereichs der A 94 ganz herrlich und steckt voller Überraschungen. "Das ist eine wunderbare Gegend", sagt Wiebke Kleinschmidt aus Loipfing, "eine Gegend, die in München kaum einer kennt." Dass hier überall auch die Kunst blüht, ist ein weiterer Geheimtipp, der eigentlich längst gelüftet ist. Am Samstag und Sonntag, 24. und 25. Juli, wenn es wieder ein Isental Open Art-Wochenende geben soll, kann sich jeder davon überzeugen. Dann werden, sofern die vermaledeite Pandemie es zulässt, elf bildende Künstlerinnen und Künstler aus dem Isental zum sechsten Mal ihre Werkstätten und Gärten für Besucher öffnen.

Offene Atelier-Tage sind keine Erfindung, die original im Isental entstanden ist. Das gibt es anderswo auch, vor allem im urbanen, großstädtischen Raum. Die Isental Open Art ist aber etwas Besonderes, weil sie die Begegnung von Kunstschaffenden und Kunstinteressierten in einem dezidiert ländlichen Raum ermöglichen. Die Isental Open Art verdient schon deshalb unbedingt eine Nominierung für den SZ-Kulturpreis Tassilo.

In diesem Jahr sind in der Gegend weiter oben an der Isen die Ausstellungsräume von Wiebke Kleinschmidt in Loipfing, wo als Gast auch der Dorfener Maler Guido Neumann seine Bilder zeigt, die Kunstwerkstatt von Uwe G. Kloos in Isen und das Atelier von Uschi Strick in einem alten Bauernhof in Höselsthal geöffnet. In Dorfen laden fünf Künstlerinnen ein: Maria Weber und Éva Sárosi haben seit einiger Zeit ihre Ateliers auf dem Gelände der stillgelegten Dachziegelfabrik Meindl in der Nähe des Bahnhofs. Unweit davon zeigt Jutta Ille in Unterhausmehring ihre Arbeiten. Im Zentrum von Dorfen, am Unteren Markt in der Altstadt, kann man Andrea Cordes-Thalmeier in ihrer Werkstatt besuchen sowie Christiana Sewald, deren Räume am Rathausplatz kaum weniger zentral gelegen sind. Ein paar Kilometer außerhalb von Dorfen in Grüntegernbach öffnen Hannelore Stephani und Peter Breth ihr Haus und ihren Garten für die Besucher. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Arbeiten der elf Künstlerinnen und Künstler ist so groß, dass es unmöglich ist, sie annähernd vernünftig zu beschreiben. Vorabinfos finden sich auf www.isental-open-art.de.

2015 fand die erste Isental Open Art statt. Die Isener Architektin, Künstlerin und Musikerin Geraldine Frisch hatte die Idee und initiale Zündung für das Projekt. Zwölf Künstlerinnen und Künstler in sechs Orten beteiligten sich damals. Das Konzept funktionierte. In den folgenden Jahren kamen stetig mehr Besucher. Manche Teilnehmer auf der Seite der Künstlerinnen und Künstler haben seit 2015 jedes Jahr mitgemacht - bis auf 2020, als die Isental Open Art wegen Corona abgesagt wurde -, einige haben sich wieder ausgeklinkt, andere sind neu dazugekommen. "Die ganze Gegend ist voller Talente", sagt Wiebke Kleinschmidt, "es leben wahnsinnig viele Künstler in diesem Eck", sagt auch Andrea Cordes-Thalmeier, "ich vermute, das hat damit zu tun, dass die Landschaft hier so schön ist".

Da schließt sich der Kreis des Isental Open Art-Konzepts: Eine schöne Gegend mit vielen interessanten Künstlerinnen und Künstlern lädt zu einem Sommerausflug verbunden mit einem besonderen Kunsterlebnis. Das funktioniert, weil es einfach Spaß macht, bei kreativen Menschen ungeniert vorbeizuschauen, ihre Werke in Augenschein zu nehmen uns ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Selten trifft der Begriff "ungezwungen" auf ein Kunst-Erlebnis so gut zu, wie in diesem Fall der Fall ist.

Womit nicht die Vorbereitung der Isental Open Art klein geredet werden soll. "Wir arbeiten intensiv auf dieses Wochenende hin", sagt Uschi Strick. Die Gruppe muss sich in mehreren Treffen vorab abstimmen, es muss die Trommel gerührt werden, es braucht Plakate und Einladungen und jeder Einzelne muss sich persönlich vorbereiten. Denn bei schönem Wetter geht es zwei Tage lang rund. Uschi Strick hatte 2019 circa 200 Besucher bei sich auf ihrem Hof. Ihre Tochter reiste extra aus Berlin an, um ihr zu helfen. Auch für Uwe Kloos waren die letzten zwei Mal, die er dabei war, spannende Erlebnisse. Er gibt zu, dass er auch in diesem Jahr wieder durchaus "etwas nervös" auf den Besuch bei sich daheim ist. "Das ist ja nichts anonym", sagt Kloos. Es kommen nicht nur alte Bekannte vorbei, sondern auch Leute, die er nie zuvor gesehen hat, und die ihre Meinung mitunter frei heraus sagen. Das macht es aus: "Die Interaktion ist das Wichtigste, es ist ein besondere Art von persönlichem Austausch und Nähe."

Es bleibt zu wünschen, dass die Isental Open Art 2021 und noch ein paar Jahre lang weitergeht. Für die Leute von hier und für die Menschen von wo anders. Wer noch nicht dabei war, für den wird die kleine Reise zu den Malerinnen, Bildhauern und Zeichnern zu einer spannenden und lohnenden Entdeckungstour. Wer zum wiederholten Mal kommt, erlebt Entwicklungen mit und vertieft Bekanntschaften.

Wenn Sie eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den SZ-Kulturpreis vorschlagen wollen, schreiben Sie bitte bis 30. April an tassilo@sz.de.

© SZ vom 29.04.2021
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