Pulse of Europe Erding Ein vielstimmiger Chor feiert Europa

Bei der Kundgebung von Pulse of Europe auf dem Schrannenplatz setzen sich unterschiedlichste Akteure für den Staatenbund ein: Eine Schülerin, der Kreisobmann, das Bündnis Bunt statt braun und der Stadtpfarrer rufen zur Teilnehmer an der EU-Wahl auf

Von Regina Bluhme, Erding

Ein Festwagen hinter einem roten Traktor hatte am Sonntagvormittag auf dem Schrannenplatz Station gemacht. Auf dem Gefährt sitzen normalerweise Honorationen beim Einzug zu einer Veranstaltung. In Erding ging es auch um ein Fest: Gefeiert wurde Europa. Die Bewegung Pulse of Europe hatte eingeladen und rund 80 Teilnehmer, Alt und Jung, waren gekommen. Die Redner stärkten der Staatengemeinschaft kräftig der Rücken, vor allem aber riefen sie dazu auf, am 26. Mai zur EU-Wahl zu gehen.

Redner war unter anderem Kreisobmann Jakob Maier.

(Foto: Renate Schmidt)

"What a wonderful World", den Klassiker von Lous Armstrong spielte der Musiker Jürgen Puls in einer schrägen, melancholischen Version, die in der Melodie der Europa-Hymne endete. Nicht alles ist wonderful, was in der Staatengemeinschaft abläuft, das weiß auch Hannah Sommer vom Veranstalter Pulse of Europe. Aber: "Wir sehen mit großer Sorge, dass seit einigen Jahren dieses großartige Friedensprojekt schlecht geredet wird", dass "nationalistisches Denken aus dem 19. Jahrhundert wieder Oberhand gewinnt, sagte sie. Dagegen wolle Pulse of Europe ankämpfen. Nur gemeinsam könne Freiheit gesichert und Klimawandel bekämpft werden.

Erding feiert Europa: Unter diesem Motto stand eine Kundgebung am Sonntag auf dem Schrannenplatz.

(Foto: Renate Schmidt)

Die EU sei nicht perfekt, es gebe durchaus Reformbedarf, räumte Hannah Sommer ein. Doch bei allen Problemen müsse man "sehen, dass es nirgendwo auf diesem wunderbaren Planeten eine Region gibt, die dem Einzelnen so viel Freiheit bietet".

Kreisobmann Jakob Maier, Landwirt aus Niederding, betonte: Wenn jemand die Auswirkungen der EU-Politik spüre, dann sei es die Landwirtschaft, "dort wird Europa gelebt". Denn nur dort gebe es eine gemeinsame EU-Politik, mit gemeinsamen Standards, was zum Beispiel Tierhaltung oder Pflanzenbau betreffe. Nationalen Alleingängen erteilte er eine Absage, Ziel müsse ein "United States of Europe" sein. Es gehe dabei um viel: Er sei ein "glühender Fan" dieses "Friedens- und Freundschaftsprojekts".

Auch Schülerin Jana Schröder von Fridays for Future hielt eine Rede. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der kommenden EU-Wahl am 26. Mai.

(Foto: Renate Schmidt)

Den Klimawandel stellte Schülerin Jana Schröder, Sprecherin der Erdinger Fridays for future Demonstrationen, in den Mittelpunkt. Wenn jedes Land seinen eigenen Weg gehe, "dann klappt das mit dem Umweltschutz nicht". Sie forderte gemeinsame Richtlinien, die dann auch gemeinsam befolgt werden müssten, nur so könne etwas bewirkt werden. Wie alle Redner, rief auch sie rief zum Wählen auf, damit sich EU-Politiker für eine "gesunde und coole Welt" einsetzten.

Für das Aktionsbündnis Bunt statt Braun, sprach Johanna Gasteiger. Sie kritisierte alle Parteien, die mit populistischen Parolen auf Wählerfang gingen. Es gelte, sich am 26. Mai einzusetzen "für ein Europa, das für offene Grenzen steht". Der Erdinger Stadtpfarrer Martin Garmaier verwies in Anlehnung an Martin Luther King darauf, dass auch er "zu träumen wage": von einem Europa, in dem es nicht um Egoismus gehe, in dem ein friedliches Miteinander möglich sei, das sich öffne "für andere, die in Not sind" und das nicht zu fürchten habe, dass "andere wie die AfD oder andere rechtspopulistische Parteien diesen Traum zerstören". Diese Politik sei "zutiefst unchristlich und absolut nicht hinnehmbar". Er sei trotz allem zuversichtlich, dass Europa, "immer mehr zusammenwächst".

Zwischen den Reden sangen Jörg Puls, das Duo Jette und Robin und der Musiker Andi Starek aus Eichried gegen Rassismus und Nationalismus an. Zum Abschluss wurde die Europa-Hymne gespielt, zu dem Pulse for Europe einen Liedtext von Bunt statt Braun verteilte. Der Gesang klang beim ersten Versuch sehr dünn, doch beim zweiten Mal sangen die Teilnehmer dann schon recht kräftig und laut mit für "Toleranz und Menschenrechte", für "Vielfalt und Freiheit", gegen "Hass und Hetze".