Ottenhofen Streit im Kindergarten Ottenhofen eskaliert

Personalnotstand, fristlose Kündigungen, feindliche Atmosphäre und ein Klima des Misstrauens: Elternvertreterinnen machen Verwalterin dafür verantwortlich. Sie legt ihr Amt nun nieder

Von Florian Tempel

Die Atmosphäre im katholischen Kindergarten St. Katharina in Ottenhofen ist seit Monaten alles andere als harmonisch. Elternvertreterinnen beklagten sich bitter und sind nun eine ungeliebte Verwalterin los.

(Foto: Renate Schmidt)

- In den vergangenen Monaten ist im katholischen Kindergarten St. Katharina in Ottenhofen so ziemlich alles schief gegangen, was schief gehen kann: Nach schwer nachvollziehbaren Personalquerelen, die zu fristlosen Kündigungen führten, und darauf folgenden freiwilligen Kündigungen von weiteren Mitarbeiterinnen droht ein verschärfter akuter Personalnotstand. Dabei werden Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen allerorten händeringend gesucht.

Elternvertreterinnen sehen die Schuld an der prekären Lage in einer einzigen Person: Der erst im Juni von der Kirchenverwaltung der Pfarrei eingesetzten ehrenamtlichen Kindergarten-Verwalterin, die für eine "feindliche Atmosphäre" und ein "Klima des Misstrauens und der Verdächtigungen" im Kindergarten verantwortlich gemacht wird. Die so massiv Angegriffene weist die Vorwürfe zwar zurück, beugt sich jedoch dem Druck der Eltern und sagte der Süddeutschen Zeitung, sie werde ihr Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen. Der Pfarrer von Ottenhofen, der Franziskaner-Pater Pius Thometzek, wollte zu den Querelen in seinem Kindergarten keine Stellungnahme abgeben.

Als die ehrenamtliche Kindergarten-Verwalterin vor den Sommerferien antrat, fanden das zunächst alle Beteiligten gut. Pater Pius Thometzek sah seine Aufgaben in erster Linie als Seelsorger. Dass ein Pfarrer die Zusatzarbeit der administrativen Betreuung eines Kindergartens an andere delegiert, ist zudem nichts Ungewöhnliches. Schließlich ernannte die Kirchenverwaltung auf seine Bitte hin eine ehrenamtliche Kindergarten-Verwalterin. In dieser Funktion war sie, offiziell vom 1. September an, unmittelbare Dienstvorgesetzte des Personals der Kindertageseinrichtung.

Die Frau erschien, da sie nicht nur aktive Katholikin ist, sondern beruflich in der Finanzkammer des erzbischöflichen Ordinariats arbeitet, offenbar für diesen Posten gut geeignet. Das erzbischöfliche Ordinariat betont jedoch, dass die Frau "nicht vom Erzbischöflichen Ordinariat München entsandt" wurde und "dass die berufliche Tätigkeit unserer Mitarbeiterin in keinem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Trägervertreterin der Kindertageseinrichtung in Ottenhofen" stand. Sie sei zudem nicht, wie Elternvertreter mutmaßten, "in der Kindertageseinrichtung Ottenhofen als Revisorin im Einsatz" gewesen.

Auch die ehemalige pädagogische Kindergartenleiterin versprach sich, wie sie der SZ sagte, eine fruchtbringende Zusammenarbeit, die sowohl Pater Pius und sie selbst entlasten könnte. Doch noch in den Sommerferien änderte sich alles. Ihre neue Dienstvorgesetzte stieß sich an dem ihrer Ansicht nach zu laxem Umgang bei den Arbeitszeitnachweisen der Kindergartenmitarbeiterinnen. Der pädagogischen Kindergartenleiterin wurde das zum Verhängnis.

Ihrer eigenen Darstellung nach erhielt sie überraschend in den Ferien die Kündigung, weil sie sich im Juli zwei Tage Urlaub für eine Fortbildung genommen hatte. Aus gesundheitlichen Gründen habe sie den Kurs nicht besucht und wollte sich dafür nicht nachträglich rechtfertigen. Für ihre neue Vorgesetzte sei das ein Grund für eine Kündigung gewesen. In einem Arbeitsgerichtsprozess einigten sich die gefeuerte Kindergartenleiterin und die Kirchenverwaltung mittlerweile auf einen finanziellen Vergleich.

Zu Beginn des Kindergartenjahres stand der Kindergarten erstmal ohne Leiterin da. Eine kommissarisch für die Leitung eingesetzte Erzieherin schmiss nach wenigen Wochen schon wieder das Handtuch. Doch damit waren die Personalprobleme nicht zu Ende. Auch einer neu eingestellten Mitarbeiterin wurde in der Probezeit gekündigt. Mittlerweile habe zwei weitere Mitarbeiterinnen gekündigt.

Die Querelen führten auch dazu, dass sich kein offizieller Elternbeirat konstituierte. In einem von fast allen Eltern unterzeichnete Brief an das Ordinariat hieß es zur Begründung, "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Trägervertretung, pädagogischem Personal und Elternbeirat scheint derzeit weder möglich noch gewollt zu sein". Am 10. Oktober trafen sich zwar Eltern, Personal, Kirchenverwaltung, Pfarrer Thometzek und ein Vertreter des Ordinariats zu einem Gespräch in großer Runde. Doch die Fronten blieben verhärtet.

In dieser Woche gingen Vertreterinnen eines kommissarischen Elternbeirats an die Öffentlichkeit. In einem Brief an die Presse zeichneten sie noch einmal ein düsteres Bild der aktuellen Situation und beklagten in scharfer Form eine "untragbare Situation" sowie Untätigkeit des Ordinariats und der Ottenhofener Kirchenverwaltung. Ein Ziel haben die Eltern damit nun erreicht: Die ungeliebte Kindergarten-Verwalterin sind sie los.