Neufahrn Mit einem Bürgerspaziergang fängt alles an

Die Zeit der Flatterplanen ist bald vorbei, am Freitag kommt der Kran zur Dachreparatur. Das Mesnerhaus ist Teil des "historischen Ortskerns"

(Foto: Marco Einfeldt)

Neufahrn lässt ein städtebauliches Entwicklungskonzept anfertigen, das zeigen soll, was wo wünschenswert wäre

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Am Freitag kommt der Kran, er wird für die Arbeiten am Dach des denkmalgeschützten Mesnerhauses gebraucht. Es ist, wenn man so will, ein vorgezogener Einstieg in einen Prozess, mit dem der Ort attraktiver werden soll: Die historische Ortsmitte um die Alte Kirche wird ebenso aufgewertet wie der Bereich um den Bahnhof und die Ortsmitte rund um den Marktplatz. Der rote Faden dafür soll das "integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept" - kurz ISEK - sein. Ausgearbeitet wird es mit Unterstützung eines interdisziplinären Teams von Fachplanern und finanziert über das Städtebauforderungsprogramm, in das Neufahrn von der Regierung von Oberbayern aufgenommen worden ist.

Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne) spricht von einem Masterplan, der die Richtung der weiteren Ortsentwicklung vorgibt und "von fundamentaler Bedeutung für die Zukunft Neufahrns" sei. Mitwirken sollen nicht nur Rathausmitarbeiter und Gemeinderäte, sondern auch die Bevölkerung: So sind Befragungen - etwa zum Thema Einzelhandel und Verkehr - sowie später dann "Planungswerkstätten" vorgesehen. Als Auftaktveranstaltung ("Kick Off") ist für 20. Januar zunächst ein Bürgerspaziergang vorgesehen. Mit Luftballons sollen wichtige Punkte markiert werden, in verschiedenen Farben für Städtebau, Freiraum, Einzelhandel und Verkehr, kündigte die Städteplanerin und Projektleiterin Astreid Weisel an.

Zwei Anlaufstellen dürften schon jetzt feststehen: Die alte Halle am Fürholzer Weg wird im Januar bereits geschlossen sein. Wie es mit dem in die Jahre gekommenen Gebäude und mit dem Areal weitergeht, ist noch unklar, im Rathaus erhofft man sich Impulse durch ISEK. Für die große Hagn-Wiese neben der evangelischen Kirche, laut Freiraumplaner Günter Schalk eine der "Perlen" im Ort, würde Bürgermeister Heilmeier ebenfalls gerne "die Richtung klären". Zwar ist die Fläche in Privatbesitz, doch eine Gemeinde müsse in diesen und anderen Fällen wenigstens wissen, was sie wollen würde und versuchen, die Bürger dabei mit ins Boot zu holen, so der Rathauschef. Es werde sich am Ende nicht immer alles 1:1 umsetzen lassen, ist er sich bewusst: "Aber je mehr man weiß, umso eher kann man dialog- und entwicklungsfähig sein" - oder auch mal Nein sagen zu einer Entwicklung, die dem Masterplan letztlich genau gegensteuern würde.

Der Plan wird dabei nicht nur eine grobe Richtung vorgeben, sondern durchaus auch ins Detail gehen. So will man etwa herausfinden, wo unter Berücksichtigung des demografischen Wandels künftig Einzelhandel benötigt werden und welche Sortimente dabei gefragt wären, erklärte der für diesen Fachbereich zuständige Experte Martin Kattner. Verkehrsplaner Andreas Bergmann wird beispielsweise untersuchen, wo noch Fahrrad- oder Fußgängerwege gebraucht werden.

Letztlich geht es um "Themen, die eh da sind" (Heilmeier) und nun eben, ergänzt durch neue Ideen, Bestandteil eines "Masterplans" werden. Bis zu eineinhalb Jahre sind für die Erstellung des Konzepts einkalkuliert. 60 Prozent der Planungskosten werden über Fördermittel abgedeckt. Wenn es an die Umsetzung von Projekten geht, gibt es bei öffentlichen Vorhaben mit gemeinnützigem Charakter auch Geld, nicht aber bei privaten Vorhaben. Für diese steht unter bestimmten Bedingungen ein Projektfonds zur Verfügung. Die Umsetzung des Konzepts dauert laut Heilmeier ein Jahrzehnt.