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Mini-Solar-Award:Wie der eigene Balkon zum Kraftwerk wird

Auch Mieter können etwas für die Umwelt tun und auf ihrem Balkon Strom erzeugen. Reinhard Bege demonstriert, wie die Anlage funktioniert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Firma Alpha Solar- und Heizungstechnik erhält einen Preis für die beste Fotovoltaikanlage für Mieter

Von Henrike Schulze-Wietis, Hallbergmoos

Selber Strom produzieren, die Wärme für die Heizung nachhaltig und umweltfreundlich auf dem eigenen Balkon erzeugen, keine teuren Rechnungen mehr an Großkonzerne zahlen, Braunkohle- und Atomstrom den Geschichtsbüchern überlassen: Es ist eine recht utopische Zukunftsvision, die sich Reinhard Bege, Geschäftsführer der Firma Alpha Solar- und Heizungstechnik in Hallbergmoos, da erhofft. Eine Innovation, die den Menschen diese grüne Zukunft ein Stück näherbringen soll, ist das Mini-Balkon-Kraftwerk seines Unternehmens. An diesem Mittwoch wird die Firma aus dem Landkreis Freising bei der Verleihung des Mini-Solar-Awards 2019 in München mit dem Preis für das beste Solarkraftwerk für Mieter ausgezeichnet.

Seit mehr als 20 Jahren tüfteln Wissenschaftler in Europa an den Solaranlagen für zu Hause. Was zunächst nur für Hausbesitzer möglich war, können jetzt auch Mieter mit Balkon nutzen: eine eigene Mini-Photovoltaikanlage. Diese liefert beispielsweise den Basisstrom für einen Kühlschrank oder Geräte im Stand-by-Modus, wie eingesteckte Ladekabel, den Fernsehpparat oder die Mehrfachsteckdose mit Kippschalter. Solch ein Mini-Kraftwerk spart immerhin 60 bis 80 Euro im Jahr. Die einmalige Anschaffung liegt bei etwa 270 Euro. "Unser Ziel ist es, die zentrale Energiewirtschaft zu dezentralisieren. Das heißt, dass wir einen Schritt zur Energiewende in Bürgerhand geben wollen - raus aus der Abhängigkeit von Großkonzernen", erläutert Reinhard Bege.

Das Unternehmen aus Hallbergmoos ist seit Jahrzehnten in der Strom- und Heizungsindustrie tätig. Mittlerweile liegt der Fokus der Firma auf der Energieberatung und dem Online-Bereich. "Wir wollen dabei helfen, zukunftsweisende Technik an die Leute zu bringen und dabei eine beratende und unterstützende Rolle einnehmen", erklärt Bege.

Besonders viel Wert legt das Unternehmen auf Nachhaltigkeit. Mit den Solarkraftwerken für den Balkon könne jeder Bürger Geld und Strom sparen, sagt Bege. Dass der Bürger aktuell zum alleinigen Selbstversorger für Strom und Heizung werde, sei zwar unrealistisch. Jedoch arbeiteten Forscher weltweit an neuen Technologien in diese Richtung; wie zum Beispiel an einem Batteriespeicher, der eigens erzeugten, ungenutzten Strom für späteren Verbrauch speichert. Ein tolles Projekt, das die Möglichkeit der eigenen Energiewirtschaft aufzeige, sei das Haus 2226 am Bodensee, so Bege. Das Bürogebäude komme bereits ohne Heizung aus. Als einzige Wärmequellen im Haus dienten die Mitarbeiter selbst, sowie die Computer, Kopierer und Kaffeemaschinen in den Büroräumen.

Mit dem Mini-Solar-Award werden ökologische Energielösungen ausgezeichnet. Bei der Fachmesse "The smarter E Europe" in München wird der Preis übergeben. Das Mini-Solarkraftwerk ermöglicht es Mietern, Teil der Energiewende zu werden. "Wir sind richtig stolz darauf, dass wir in Fachkreisen für unser Balkonkraftwerk gewürdigt werden", freut sich Bege.

© SZ vom 15.05.2019
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