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Markt Schwaben:Ansätze einer Annäherung

Wegen des Bürgerbegehrens zum Hallenbad kommt es zur Aussprache

Sie hatten um die 300 Stühle aufgestellt, und als vorne das Mikrofon knackste, da war selbst in den hintersten Sitzreihen so gut wie jeder Platz besetzt. So eine Quote hatten sie im großen Saal des Unterbräus schon lange nicht mehr. Zur diesjährigen Markt Schwabener Bürgerversammlung kamen 150 Leute, nun waren es gut und gerne 300. Es ging ja um dieses eine Thema, das im Ort seit Wochen rauf und runter diskutiert wird, das merkte man von der ersten Minute an.

Der Bürgermeister und sein Gemeinderat wollten ordnen, was aus ihrer Sicht zuletzt arg durcheinander geraten war. Im Kern geht es bei all dem um die Frage, wie sich der geplante Neubau der Schule mit dem Erhalt des alten Hallenbads im Ort vereinen lässt. Viele Markt Schwabener haben deswegen Bedenken, weswegen zwei von ihnen ein Bürgerbegehren gestartet haben. Ihre Sorge: Der Gemeinderat konzentriert sich so sehr auf das Großprojekt mit der Grund- und Mittelschule, dass das Hallenbad am Ende vergessen wird. Diese Debatte war der Aufreger der vergangenen Wochen - und der Grund, warum die Gemeinde zu diesem Abend einlud.

Es war eine "Podiumsrunde", keine Diskussion. Der Bürgermeister hatte die Schulleiterin, den Bauamtschef und seinen Schulplaner um sich versammelt, vier Verfechter des Schulneubaus, sie hielten alle Plädoyers gegen das Bürgerbegehren. Kommt es zum Bürgerentscheid, könnte sich der Schulneubau um Jahre verzögern und erheblich teurer werden. Und so wurde es durchaus emotional. "Unser Pausenhof reicht schon lange nicht mehr aus, wir müssen mittlerweile auf den Sportplatz ausweichen", sagte Susanne Anderl-Schottner, die Rektorin der Grundschule. "Die Zeit drängt."

Für Bürgermeister Georg Hohmann (SPD) ist der Schulneubau das größte Projekt seiner gesamten Amtszeit, 45 Millionen Euro sind dafür einkalkuliert, die Vorbereitungen für den Architektenwettbewerb sind seit einem halben Jahr in der heißen Phase. Das Hallenbad war im Gemeinderat heuer hingegen noch nie auf der Tagesordnung gestanden. Dass deshalb gleich ein Bürgerbegehren entstand, darüber wundern sich im Gemeinderat viele, auch der Bürgermeister. Und zwar aus einem Grund: "Der Gemeinderat hat vergangenes Jahr den Beschluss gefasst, dass das Hallenbad erhalten bleibt", sagte Hohmann.

Der Beschluss zum "Erhalt des Hallenbads" ist seither auf der Webseite der Gemeinde einsehbar, 16 stimmten dafür, sechs waren dagegen. In den hinteren Sitzreihen hatten sich aber viele Bürger eingefunden, die immer noch skeptisch schauten. Was viele von ihnen umtreibt, brachte eine Schwimmtrainerin und Wasserwachtlerin ziemlich genau auf den Punkt, für sie ist das Hallenbad von großer Bedeutung, sie stellte dem Bürgermeister die entscheidende Frage: "Wie lange hält so ein Beschluss? Muss ich Angst haben?"

Klare Antworten bescherte der Abend auf Fragen wie diese nicht. Deutlich wurde jedoch, dass es bei der Schul- und Schwimmbadfrage zwei Lager gibt, die sich erst einmal zusammenraufen müssen. Zum einen Lager zählt ein Großteil derer, die im Gemeinderat sitzen, dort wurde der Schulneubau mit 22:0 Stimmen beschlossen, die Schule steht über allem anderen. Kritik kam vor allem aus den hinteren Reihen, dort hatten sich jene eingefunden, denen auch an der Zukunft des Hallenbads und des Jahnsportplatz gelegen ist - für den Erhalt des Sportplatzes gibt es ja auch ein Bürgerbegehren.

Die Schule sticht das Hallenbad, diese These vertrat bisher auch der CSU-Gemeinderat Heinrich Schmitt. Er stand jetzt auf und ging zum Mikrofon. Und dann erzählte er, dass er zu den sechs zählte, die gegen den Erhalt des Hallenbads stimmten. Der Offenbarung folgte die Wandlung: Es sei "gut, dass darüber geredet wird", ihm sei in dieser Sache einiges klar geworden. Würde er ein zweites Mal über den Erhalt des Hallenbads abstimmen, er wäre jetzt dafür, sagte er, da gab es auch aus den hinteren Reihen Beifall, sogar Wolfgang Eiba, der Initiator des Bürgerbegehrens, klatschte mit.

Eine wichtige Frage war da aber noch nicht geklärt. Die Fraktionen der CSU und der Grünen hatten die Initiatoren des Bürgerbegehrens, Eiba und SPD-Gemeinderat Werner Lampart, ja darum gebeten, die Unterschriftenliste nicht zu verwenden. Eiba allerdings nahm nichts zurück, er verkündete stattdessen, dass etwa 1200 Menschen unterschrieben hätten. Das würde reichen, um per Begehren einen Bürgerentscheid zu erwirken.