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Marienstift Dorfen:Glückliche Umstände in schwierigen Zeiten

Ohne Schnelltest kommt kein Besucher ins Marienstift, PCR-Tests werden nicht akzeptiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Das städtische Pflegeheim kommt gut durch die Pandemie-Zeit. Kein einziger Bewohner infiziert sich. Auch das Personal bleibt weitgehend verschont - und kann Überstunden abbauen

Von Florian Tempel, Dorfen

"Wir haben Glück gehabt", sagte Marion Prey. Im Marienstift, dem kommunalen Pflegeheim der Stadt Dorfen, das sie leitet, war seit Beginn der Pandemie bislang kein einziger der etwa 80 Bewohner von einer Corona-Infektion betroffen. Unter den etwa 130 Mitarbeitern waren es nur zwei. Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) betonte in der Sitzung des Heimausschusses, dass es wohl nicht nur am Glück lag, sondern auch an der Umsicht, dem Können und Geschick des gesamten Personals: "Ganz große Klasse und ganz großen Respekt vor dem, was ihr leistet - es ist wirklich beeindruckend."

Es sieht gut aus, auch für die kommenden Wochen und Monate. Das Mariestift war das erste Pflegeheim im Landkreis, in dem die Bewohner und Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft wurden. Am 30. Dezember 2020 kam das mobile Team des BRK-Impfzentrums zum ersten Termin. Bis auf drei Bewohner, die partout nicht wollten, sind nun alle Senioren bereits zweimal geimpft. Bei den Mitarbeitern ist die Quote mit etwa 60 Prozent deutlich geringer, sagte Prey. Beim Personal ist die Impfskepsis bekanntermaßen recht ausgeprägt. Wer sich als Pflegekraft oder sonstiger Heimmitarbeiter doch noch zu einer Impfung entscheidet, bekomme aktuell aber sehr schnell einen Termin im Impfzentrum. Neue Bewohner werden vom mobilen Team geimpft.

Ein ebenso wichtiger Baustein bei der Vorsorge bleiben die Schnelltests. Seit Anfang November, noch einige Wochen bevor es Pflicht wurde, habe man im Marienstift mit regelmäßigen Schnelltests begonnen, sagte Prey. Neben den Mitarbeitern werden seitdem auch alle Besucher einem Schnelltest unterzogen. Die Vorlage eines negativen PCR-Tests wird im Marienstift nicht akzeptiert. Vom Abstrich für einen PCR-Test inklusive Warten aufs Ergebnis plus 48 Stunden Gültigkeit, das sei ein zu langer Zeitraum, sagte Prey. Mit den Schnelltest habe man zudem gute Erfahrungen gemacht. Einer der zwei positiven Fälle beim Personal wurde mit einem Schnelltest gefunden. Die Mitarbeiterin hatte bis dahin keinerlei Symptome und war dementsprechend selbst überrascht.

Das Marienstift hatte noch in weiterer Hinsicht in der Zeit der Corona-Pandemie bisher viel Glück. Während andernorts die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Zusatzschichten und Überstunden leisten musste, lief die Arbeit sogar besonders entspannt. Der Hauptgrund dafür war, dass aus Brandschutzgründen sieben Bett amtlich gesperrt wurden. Die betreffenden Zimmer liegen am Ende der relativ langen Gänge im Ostflügel des Marienstifts. Erst wenn Brandschutztüren in der Mitte der Gänge eingebaut sind, können die Plätze wieder vergeben werden. Die gesperrten Zimmer führten dazu, dass für die übrigen Bewohner mehr Personal zur Verfügung stand. Da die Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen in diesem Jahr anstehen, wegen der Unvorhersehbarkeit der Pandemie-Entwicklung und weil Pflegekräfte nur schwierig zu bekommen sind, wollte Prey auf keinen Fall Personal entlassen. Auch weil die Tage- und die Kurzzeitpflege zwischenzeitlich geschlossen waren und der ambulante Dienst weniger Kunden fuhr, konnte Überstunden abgebaut werden. Das Marienstift steht, seit langer Zeit zum ersten Mal, "ohne jede Plusstunde" da. An die Mitarbeiter wurden zudem insgesamt 159 000 Euro Corona-Prämien ausgezahlt, die nicht den Haushalt des Marienstifts belasten. Außerdem gab es aber weitere 44 000 Euro, die als Corona-Zulagen als tarifliche Leistung in Dorfen voll gebucht werden mussten.

Dennoch war 2020 wirtschaftlich kein schlechtes Jahr. Im Wirtschaftsplan war ein Defizit von knapp 52 000 Euro eingeplant. Der endgültige Jahresabschluss steht noch aus, doch es werden wohl etwa 22 000 Euro mehr. Das sei aber, sagte Bürgermeister Grundner, ein Defizit, das absolut vertretbar sei.

© SZ vom 01.03.2021
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